Formel 1: Vettels russischer Nachfolger
Heimrennen für Aufsteiger Kvyat

Red Bull bleibt seiner Philosophie treu und befördert mit Daniil Kvyat ein
Eigengewächs zum Vettel-Nachfolger. Wir haben mit dem Russen gesprochen.
Eigengewächs zum Vettel-Nachfolger. Wir haben mit dem Russen gesprochen.
Bild: Getty Images
- Bianca Garloff
- Ralf Bach
Der Schritt war forsch, der Gesichtsausdruck fragend: Um 9.15 Uhr am Samstagmorgen in Suzuka musste Daniil Kvyat (20) antreten bei Helmut Marko (71). Maximal fünf Minuten dauerte das Gespräch im Büro des Red-Bull-Beraters, dann erschien der Toro-Rosso-Pilot mit hochrotem Kopf in der Hospitality und klatschte sich mit seinem künftigen Teamkollegen Daniel Ricciardo (25) ab. Gerade hatte er erfahren, dass er Sebastian Vettel (27) in der kommenden Saison bei Red Bull ersetzen wird. Zwei Tage vorher wollte der Russe im Interview mit AUTO BILD MOTORSPORT von solchen Plänen noch nichts wissen. Vettel-Nachfolger bei Red Bull? Kvyat winkt ab: „Ich denke über solche Sachen nicht nach. Für mich zählt im Moment nur eins: Das letzte Rennen war ziemlich sch... Ich will schnellstmöglich wieder ein gutes Ergebnis einfahren. Mit wem ich verglichen werde, ist mir deshalb ziemlich egal.“
Vergne ins Abseits gestellt
Dabei sieht der junge Russe nicht nur aus wie ein Vettel light, er redet auch so wie der Heppenheimer. Zufrieden sein mit dem Status quo? Von wegen! „Man muss sich immer wieder beweisen, zunächst, dass man es verdient hat hier zu sein, anschließend um zu siegen. Im Moment tue ich alles, um mich in die Position zu bringen schnellstmöglich zu gewinnen.“ Dass die Möglichkeit so schnell kommen würde, wusste Kvyat zu dem Zeitpunkt selbst nicht. Drei neunte Plätze, Startplatz sieben ausgerechnet am Red Bull Ring; wie einst Vettel hat Kvyat bei Toro Rosso seinen erfahrenen Teamkollegen Jean-Eric Vergne (24) innerhalb eines halben Jahres ins Abseits gestellt. Teamchef Franz Tost (58) schwärmt von ihm als kommendem Weltmeister, lobt Speed, Disziplin und Technikwissen.
Fußball vor dem Motorsport

In Russland schon ein Star: Kvyat im Interview bei einem Benefiz-Fußballspiel vor seinem Heimrennen
Nichts von Putin gehört
Dabei sei es Liebe auf den ersten Blick gewesen, verrät er und lächelt. Seit er Formel 1 fährt, verbringt Kvyat wieder mehr Zeit in Moskau: „Innerlich fühle ich mich als Russe. Da gehören mein Herz und meine Seele hin.“ In die Politik will er sich nicht einmischen. Präsident Wladimir Putin habe auch noch nicht gratuliert. „In Russland schätzen sie nur Sieger“, erklärt der Red-Bull-Aufsteiger. Das kann er auch bald sein. Die Voraussetzungen dafür stimmen jetzt jedenfalls.
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