Alle Formel-1-Weltmeister: Von Farina bis Hamilton 1950-2019

Formel 1: Weltmeister-Interview

Hamilton: „Ich bin kein Held“

Lewis Hamilton spricht in der Pressekonferenz über seinen siebten WM-Titel, sein fantastisches Rennen und welche Message er damit senden will.
Herr Hamilton, Sie haben gerade Ihren siebten Titel gewonnen und einen beeindruckenden Sieg geholt. Wie fühlen Sie sich?
Lewis Hamilton (35): Mein Dad hat mir immer gesagt, ich soll die Taten auf der Strecke sprechen lassen, deswegen weiß ich nicht, was ich sagen soll. Mir ist es wichtig, den jungen Kids da draußen zu zeigen, was alles möglich ist. Ich träume davon, seit ich fünf Jahre alt bin. Es war ein langer Weg und bin vielen dankbar, dass sie an mich geglaubt haben. Das beginnt schon bei Ron Dennis, der mich damals ausgewählt hat. Und bei Mercedes, mit denen ich zusammenarbeite, seit ich 13 bin.
So lief das Rennen: hier klicken
Sie sind jetzt der erfolgreichste Formel-1-Fahrer aller Zeiten. Welche Botschaft möchten Sie damit in die Welt schicken?
Es ist ja kein Geheimnis, dass ich der erste Farbige in der Formel 1 bin. Als ich jünger war, gab es niemanden, der so aussah wie ich in diesem Sport. Niemand, der mir als Vorbild dienen konnte. Es war leicht zu denken, dass es für mich nicht möglich ist, so weit zu kommen. Hoffentlich ist mein Erfolg auch eine Botschaft an die Kids da draußen, die so erfahren, dass alles möglich ist. Egal, wo man herkommt. Gehe Deinen eigenen Weg. Das habe ich auch getan. Und mein Weg war hart. Hart ist noch gar kein Ausdruck. Aber du darfst nicht auf die hören, die sagen, du schaffst es nicht. Glaub an deinen Traum, träume so groß wie möglich und gib nicht auf.

Hamilton ist zum 7. Mal Weltmeister

©Mercedes

Das haben Sie auch heute nicht getan. War dieses Rennen vielleicht sogar Ihr bester Grand Prix?

Das ist immer schwierig zu vergleichen, ich fahre schon sehr lange. Jedes Rennen fühlt sich an, als wäre es das erste. Ich würde kein Rennen mit dem anderen vergleichen. Du bist immer in einer anderen Situation im Leben. Sie sind alle einzigartig. Die Bedingungen heute waren extrem schwierig. Sogar die besten Fahrer im Feld haben die Kontrolle über ihr Auto verloren. Ich mag Regenrennen, aber das heute war ein echter Test, denn es war wie auf Eis. Ich kann mich nicht dran erinnern, dass wir schon mal ein Eisrennen hatten (lacht).
Der siebte Titel bedeutet Ihnen so viel, dass Sie in der Auslaufrunde sogar geweint haben. 
Diese letzten Runden waren sehr emotional. Ich habe gefühlt, wie alles immer näherkommt. Ich habe an meine ganze Karriere gedacht – mich erinnert wie ich mit fünf Jahren im Kart gefahren bin, meine ersten Meisterschaften gewonnen haben. Als ich über die Ziellinie gefahren bin, hat es mich umgehauen. Ich konnte es nicht glauben. Ich habe auch an meine Familie gedacht, meine Mutter, meinen Bruder, meinen Vater. Er hat mich immer aufgebaut, als ich Zweifel daran hatte, ob ich schnell genug bin. Ich habe mir immer gesagt, ihr werdet mich nicht weinen sehen, ich werde das nicht tun. Aber es kam dann über mich.

Die Karriere von Lewis Hamilton

Wann haben Sie das erste Mal gedacht, dass das mit dem Sieg etwas werden könnte?
Ich hatte einen guten Start, habe dann aber Plätze verloren. Ich hatte hinter den anderen Autos zu kämpfen. Nicht nur ich. Max ist ein großartiger Regenfahrer, aber auch er hat sich gedreht. Ich hing lange hinter Sebastian Vettel. Ich weiß, dass er ein sehr schwieriges Jahr hatte und jetzt ein tolles Rennen gefahren ist. Aber er stand mir im Weg und ich musste sehen, wie Albon davonziehen konnte. Erst als ich an Vettel vorbei kam, habe ich daran gedacht, dass der Sieg möglich ist. Aber der Weg war noch weit, es konnte viel passieren. Ich musste also gelassen und fokussiert bleiben. Meine Erfahrung hat mir dabei geholfen.
2007 haben Sie bei recht ähnlichen Bedingungen die WM auf dem Weg in die Box verloren. Dieses Mal sind Sie lieber draußen geblieben. Was lehrte Sie die Erfahrung?
Mit zunehmendem Alter habe ich gelernt, mich auf mein Bauchgefühl zu verlassen. Der erste Gedanke ist meistens der Richtige. Ich zweifle also nicht an mir. 2007 hatte ich nicht die Erfahrung, das Team zu führen und ihnen zu sagen, was ich brauche. Damals musste ich noch viel lernen und hatte trotz der Erfolge Selbstzweifel. Ich hatte schon seit Runde 18 auf die Reifen geschaut, sie in den schnellen Kurven geschont, um sie nicht zu killen. Je länger das Rennen gedauert hat, desto zuversichtlicher wurde ich. Am Ende wusste ich: Selbst wenn es wieder zu regnen anfangen würde, könnte ich es mit den Intermediates bis ins Ziel schaffen.
Sie haben heute gezeigt, dass Sie nicht nur wegen des schnellsten Autos Weltmeister sind. Wie wichtig sind Ihnen solche Rennen?
Ich will mehr dieser Wochenenden, die so kompliziert und schwierig sind, an denen ich zeigen kann, wozu ich in der Lage bin. Wo ich mir den Respekt verdienen kann. Ich hätte das aber trotzdem nicht geschafft ohne die Menschen hinter mir. Aber es gibt eben auch noch einen anderen Fahrer, der das gleiche Auto hat und nicht das geschafft hat, was ich erreicht habe. Ich habe einige der Kommentare von früheren Formel-1-Fahrern gelesen. Ich hoffe, dass ich den jungen Fahrern in 20 Jahren respektvoll Mut machen kann. Ich weiß, wie hart es ist, hier zu sein und diesen Job zu machen. Natürlich brauchst du ein gutes Auto. Aber es ist wichtig, was du damit anstellen kannst. Ich hoffe, die Menschen haben das heute gesehen.
Hat Ihnen Ihre Familie schon gratuliert?
Ich habe noch mit keinem gesprochen. Auf meinem Smartphone sind viele Nachrichten. Ich weiß, dass ich von meiner Familie viel Unterstützung bekomme, auch wenn wir nicht miteinander sprechen. Ich bin so dankbar, dass meine Familie mich hierher gebracht hat, ich habe das nie als selbstverständlich betrachtet. Meine Eltern haben so viel für mich geopfert. Jetzt bin ich wieder Weltmeister und auf dem Höhepunkt meines Lebens. Aber es gibt mehr zu tun. Ein größerer Sieg, für den wir gemeinsam arbeiten müssen: Es ist der Kampf für Gleichheit und Gleichberechtigung, um eine bessere Zukunft zu gestalten.
Sie haben noch keinen Vertrag für 2021. Sehen wir Sie noch in ihren 40ern in der Formel 1? Und wäre es jetzt nicht an der Zeit, Sie zum Ritter schlagen zu lassen?
Ich denke nicht, dass ich in meinen 40ern noch hier bin. Aber ich fühle mich jung und frisch. Zum anderen Thema: Jedes Jahr sprechen wir jetzt darüber und ich bekomme diese Frage gestellt. Aber ich kann nichts anderes sagen. Wenn ich an diese Ehre denke, denke ich an Leute wie meinen Großvater, die im Krieg gekämpft haben. Oder am die Ärzte, Krankenschwestern und Pfleger, die in dieser harten Zeit der Pandemie Leben retten. Ich denke an diese unbesungenen Helden. So einer bin ich nicht. Ich habe nie jemanden gerettet. Ich bin stolz auf meine Erfolge, betrachte mich aber nicht als Held. Was ich aber sagen kann: Die Nationalhymne auf dem Podium zu hören, macht mich stolz. Ich bin ein stolzer Brite. Aber es gibt noch mehr zu tun. Es hat dieses Jahr eine Art Erwachen gegeben, aber lasst uns nicht stur bleiben, sondern unseren Geist öffnen und für eine gleichere Welt kämpfen. Ich werde nicht aufhören, mich dafür einzusetzen – und in meiner Freizeit werde ich weiter Rennen fahren (lacht).

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Fotos: Mercedes

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