Es ist noch nicht lange her, da bildete Williams regelmäßig das Schlusslicht der Formel-1-Tabelle. Mindestens Logan Sargeant hielt die rote Laterne, doch auch Alex Albon geriet immer wieder mit hinein in den Abwärtsstrudel des Traditionsteams aus England. Doch nur zwei Rennen nach Sargeants heftigem Trainingscrash in Zandvoort und der daraus folgenden Entlassung scheint die chronische Williams-Schwäche Vergangenheit: Im Qualifying von Baku schafften es beide Autos in die Top 10.
Besonders hervorgetan hat sich dabei Franco Colapinto (21). Der Argentinier ist seit dem GP Italien stolzer Besitzer des Cockpits von Logan Sargeant und drehte in Baku erstmals so richtig auf: Platz neun in der Startaufstellung – und das auf einer der schwierigsten Strecken im Formel-1-Kalender sowie einem Mauerkuss im freien Training.
Franco Colapinto überzeugt im Qualifying in Baku.
Bild: Williams
„Es ist ein sehr wichtiger Moment für Williams und für mich geht ein Traum in Erfüllung“, freut er sich. „Nach dem gestrigen Tag (Mauerkuss im freuen Training; d. Red.) war es schwierig, aber wir haben ein sehr gutes Comeback hingelegt.“

Colapinto sticht Mick Schumacher aus

Colapinto hatte von Teamchef James Vowles den Vorzug gegenüber Mick Schumacher bekommen – weil der ehemalige Formel-2-Pilot aus dem teameigenen Juniorkader stammt und auch noch 4,5 Millionen Euro Sponsorgeld mitbringt. Mögliche Zweifel, ob Vowles sich richtig entschieden hat, sind spätestens heute verflogen.
„Ich hoffe, die Welt kann sehen, warum er eine Chance auf diesen Sitz verdient“, betont Vowles nach dem Qualifying. „Er hat mich stolz gemacht. Das hat er wirklich.“ Kein Wunder, ist Colapinto doch der erste Teamkollege seit zwei Jahren, der Alex Albon im Zeittraining schlagen kann. Zuletzt gelang das Nicholas Latifi im Jahr 2022.
Colapinto startet vom neunten Platz in den Aserbaidschan Grand Prix.
Bild: Williams
Vowles schraubt die Ansprüche deshalb bereits hoch: „Seine Runden waren gut, aber es gab einen kleinen Fehler. Er wird selbst sehr enttäuscht sein, denn ohne den Fehler (drei Zehntelsekunden im Burgabschnitt; d. Red.) wäre er morgen in einer noch stärkeren Position. Aber unabhängig davon kämpft er nach zwei Rennen in seiner Formel-1-Karriere mit Alex. Das ist enorm stark und eine gute Auszeichnung.“

Panne in der Garage bei Albon

Allein: Dass Alex Albon seinem jungen Teamkollegen unterlag, ist auch auf eine Peinlich-Panne des Teams zurückzuführen. Die kuriose Situation kurz vor Ende des Qualifyings: Albon wird mit einem Kühler in der Airbox auf seine letzte Runde geschickt. Der Thai-Brite kann das Gerät zwar mit seinen eigenen Händen über Kopf entfernen und auf den Asphalt bugsieren, doch für eine weitere fliegende Runde fehlen ihm nach der Aktion drei Sekunden…
Vorwürfe macht Albon seinem Team dennoch keine: „Es gab etwas Eile, um den Windschatten zu kriegen, ein bisschen wie in Monza“, erklärt er. „Wir haben enge Lücke angepeilt, wollten schnell aus der Garage raus, und offensichtlich war der Kühler noch am Auto. Frustrierend, aber besser es passiert in Q3 als in Q2
Teamchef Vowles sieht den Vorfall naturgemäß nicht so locker: „Es war eine Drucksituation, mit der das Team normalerweise Woche für Woche sehr gut umgeht“, führt er aus. „Diesmal, aus Gründen, die ich noch durchgehen muss, haben wir aber einen permanenten Kühler statt eines temporären angebracht. Als Resultat davon wurde einer der üblichen Checks offenbar nicht durchgeführt, und das Auto ist so losgefahren. Aber selbst dann hätten wir es noch einfangen können. Es sind also quasi zwei Fehler.“
Immerhin: Die kommen Williams am heutigen Tag in Baku nicht wirklich teuer zu stehen.