Gebrauchte Oberklasse-Kombis im Check
Fünf Gebrauchte Edel-Kombis im Check

Sie sehen edel aus, lösen beinahe jedes Transportproblem: Kombis der Oberklasse haben viele Stärken, und aus zweiter Hand wird selbst Premium nach ein paar Jahren erschwinglich. AUTO BILD hat sich fünf Modelle genauer angesehen!
Bild: Toni Bader / AUTO BILD
Auch wenn SUV inzwischen in der Gunst der Käufer weiterhin oben stehen, haben die Kombis doch ein paar nennenswerte Vorteile. Weniger Gewicht führt zu geringerem Verschleiß und niedrigerem Verbrauch; auch der Auftritt gestaltet sich dezenter und nicht so aufdringlich wie bei SUV. Die Punkte Komfort und Fahrverhalten gewinnen Kombis im Vergleich zu den schaukeligen Hochsitzen sowieso. Dazu sind sie nicht ganz so wertstabil wie ihre hochbeinigen Kollegen – also als Gebrauchte besonders interessant. Doch der Kreis ist ein sehr erlauchter, nur eine Handvoll Hersteller bietet im Segment der Oberklasse-Kombis Modelle an. Hier kommen fünf Typen im Check!
Audi A6 Avant (C7)
Ob mit vier, sechs oder auch acht Zylindern – den Audi A6 Avant der Generation C7 gab es mit etlichen Motorisierungen, als Diesel, Benziner oder auch als Plug-in-Hybrid. Die beliebteste Antriebswahl war jedoch der Vierzylinder-Diesel mit 190 PS. Kein Wunder, der 2.0 TDI säuselt wohlgedämmt vor sich hin, hat mit 400 Newtonmetern genug Kraft für alle Aufgaben, begnügt sich dabei im Alltag mit sechs bis sieben Litern Diesel. Was will man mehr? Und generell stellt bei den Luxus-Kombis ein kräftiger Vierzylinder-Diesel mit Leistungen zwischen 179 bis 194 PS das Idealmaß der Antriebstechnik dar.

Ob mit vier, sechs oder auch acht Zylindern – den Audi A6 Avant der Generation C7 gab es mit etlichen Motorisierungen, als Diesel, Benziner oder auch als Plug-in-Hybrid.
Bild: Ronald Sassen
Schwachstellen: Der A6 C7 zählt zu den besonders zähen Typen. Der Zahnriemen des 2.0 TDI sollte nach 210.000 Kilometern gewechselt werden. Im AUTO BILD-Dauertest fuhr ein C7 2.0 TDI mit 177 PS die Note 1- ein. Bei der Zerlegung deuteten lediglich Rußspuren auf Undichtigkeiten am Krümmer. Ansonsten blieb der große Audi unauffällig. Selbst das Doppelkupplungsgetriebe (nur die V6-Diesel über 300 PS besitzen eine Achtstufen-Wandlerautomatik, wie auch die Plug-in-Hybride oder die RS-Modelle) und die oft üppige Zusatzausstattung, etwa mit ausfahrbarem Zentraldisplay (arbeitet stets leise und präzise), Verstellfahrwerk oder Touchpad, zeigen sich langlebig.
Generell empfiehlt es sich, den Zustand des Rußpartikelfilters über Diagnosegeräte auszulesen. In der Regel gilt: Treten Defekte auf, wird es teuer. Beispiel Scheinwerfer: Ein neuer Matrix-LED-Scheinwerfer kostet rund 1900 Euro inklusive Einbau. Panoramadächer, bei denen die Pflege vernachlässigt wurde, klappern oder laufen unsauber durch die Führungsschienen.
BMW 5er Touring (F11)
Auch der BMW 5er Touring (F11) durchlief den AUTO BILD-Dauertest, heimste sogar eine glatte 1 nach 100.000 Kilometern ein. Kritik gab es wenig, und wenn, dann am Verbrauch. Denn der Dauertest-5er hatte seinerzeit einen Benziner unter der Haube. Alle, die den 528i mit Vierzylinder-Turbo auch mal schneller über längere Strecken bewegten, zeigten sich zwar begeistert vom kultivierten Antrieb, kamen aber angesichts der Verbrauchswerte (11,8 Liter Super Langzeitverbrauch) meist zu dem Fazit, dass die deutlich sparsameren Diesel in so einen Langstrecken-Kombi einfach besser passen.
Generell ist der F11 günstiger als seine Konkurrenten. Er kam bereits 2010 auf den Markt und wurde 2017 abgelöst, während E-Klasse T-Modell, Volvo V90 und Jaguar XF Sportbrake bis heute gebaut werden.

Auch der BMW 5er Touring (F11) durchlief den AUTO BILD-Dauertest, heimste sogar eine glatte 1 nach 100.000 Kilometern ein. Kritik gab es wenig, und wenn, dann am Verbrauch.
Bild: Toni Bader
Schwachstellen: Traditionell leidet die Vorderachse unter der aufwendigen Konstruktion. Auf Fahrwerksgeräusche bei der Testfahrt achten: Wenn es scheppert und poltert, empfiehlt sich ein Austausch der Buchsen. Verstopfte Abläufe im Panoramadach führen zu Wassereinbrüchen in den Innenraum. Abhilfe bei Problemen leisten Firmen, die sich auf den Service von BMW-Panoramadächern spezialisiert haben. Aufgrund des Steuerkettenantriebs sollten die Ölwechsel regelmäßig stattgefunden haben. Einige Besitzer unterschreiten die Longlife-Wechselintervalle sogar bewusst – aus Angst, altes Öl könne die Steuerkette schneller verschleißen lassen.
Jaguar XF Sportbrake (X260)
Verdammt praktisch, so ein Jaguar. Diese Worte hört man zwar nicht oft, doch mit einem Fassungsvermögen von 565 bis 1695 Litern ist das schicke Heck des Sportbrake tatsächlich sehr großzügig dimensioniert und erfüllt die meisten Alltagsanforderungen eines großen Kombis problemlos. Dazu kommt: Der Jaguar XF Sportbrake zählt zu den besonders seltenen Kombi-Erscheinungen, was das Modell für seine Besitzer nur noch attraktiver macht. Wird die Rückbank umgeklappt, lässt sich der Sportbrake sogar als Nachtquartier nutzen, denn die komplett ebene Ladefläche misst immerhin fast zwei Meter.
Doch trotz erhöhtem Nutzwert lässt sich das sportliche Wesen des XF nicht von der Hand weisen. Der edle Engländer besitzt ein eher straffes Fahrwerk, lenkt zackig ein und will seine Kunden neben erhöhter Ladekapazität auch mit Fahrspaß begeistern.

Verdammt praktisch, so ein Jaguar. Diese Worte hört man zwar nicht oft, doch mit einem Fassungsvermögen von 565 bis 1695 Litern ist das schicke Heck des Sportbrake tatsächlich sehr großzügig dimensioniert und erfüllt die meisten Alltagsanforderungen eines großen Kombis problemlos.
Bild: Toni Bader / AUTO BILD
Schwachstellen: Über das etwas komplizierte Bediensystem regten sich viele Besitzer auf. Leidvoller sind allerdings die vielen Elektronik-Pannen, die Jaguar im Laufe der Zeit versucht hat, mit zahlreichen Software-Updates unter Kontrolle zu bekommen. Von fehlerhaften Parksensoren und Keyless-go-Systemen über ausfallende Fahrerdisplays (Rückrufaktion im November 2017) bis hin zur Startverweigerung aufgrund defekter ESP- und ABS-Sensoren tauschen sich XF-Fahrer in Foren aus. Beim 20d sind Fehler in der AdBlue-Einspritzung bekannt. Das kann an einer defekten Düse oder an Falschluft im System liegen. Und auch hier gab es für die Regelung des NOX-Kats ein Software- Update.
Mercedes E-Klasse T-Modell (S 213)
Von den Vorzügen des S 213 durfte sich auch die AUTO BILD-Redaktion ein ausführliches Bild machen, denn ein Mercedes E 220 d T-Modell absolvierte 2019 den 100.000-Kilometer-Dauertest mit der Note 2. Zügig reisen, entspannt ankommen, wenig verbrauchen – so lassen sich die Erlebnisse der Redakteure mit dem Mercedes E-Klasse T-Modell zusammenfassen. Das lang übersetzte Getriebe ergibt mit der guten Geräuschdämmung selbst bei hohen Geschwindigkeiten auf der Autobahn ein erstaunlich geringes Geräuschniveau. Allein den typischen Taxi-Sound des Vierzylinder-Selbstzünders konnten die Ingenieure dem Motor nicht austreiben.
Und auch wenn der Vorgänger S 212 etwas mehr einladen konnte, zählt der Kofferraum des S 213 mit bis zu 1820 Liter Stauvolumen zu den größten überhaupt. Besonders flauschig wird das Fahrerlebnis mit dem Luftfederfahrwerk Airmatic. Die knüppelharten AMG-Versionen faszinieren dagegen mit brachialer Leistung – mit bis zu 612 PS.

Zügig reisen, entspannt ankommen, wenig verbrauchen – so lassen sich die Erlebnisse der AUTO BILD-Redakteure mit dem Mercedes E-Klasse T-Modell zusammenfassen.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Schwachstellen: Kurz nach Beginn des Dauertests fiel die GPS-Antenne des Navis aus. Die Undichtigkeit eines Spiegelgehäuses sorgte für den Defekt, da sich die Antenne dort verbirgt. Und gegen Ende des Dauertests vermasselte ein defekter Kompressor der CO2-Klimaanlage dem E 220 d eine bessere Note. Aus Gebrauchtwagen-Tests ist bekannt, dass die "Sprungschanze", das Bedienmodul für das Infotainmentsystem mit Drehdrücksteller und kapazitiver Oberfläche, zu Ausfällen neigt. Der Ersatz hierfür kostet rund 500 Euro. Generell gibt die E-Klasse aber auch mit hohen Laufleistungen ein sehr gutes Bild ab, bleibt frei von Knarz- und Knistergeräuschen.
Volvo V90 (2. Generation)
Die zweite Generation des Volvo V90 opferte Platz und Ladevolumen für das Design. Der Erfolg gab den Schweden recht, die seit 2010 zum chinesischen Konzern Geely gehören. Denn der V90 etablierte sich und gilt inzwischen als feste Instanz im Segment der Oberklasse-Kombis. Zu den Stärken des V90 zählen seine umfangreiche Sicherheitsausstattung, die hochwertigen Materialien und das moderne Design von Exterieur und Interieur, das die Gelassenheit des großen Schweden treffsicher in Szene setzt. Für einige jedoch etwas zu modern, das Bedienkonzept mit vertikal ausgerichtetem Touchdisplay erntete anfangs Kritik. Und trotz quer eingebauter Motoren fällt der Platz im Innen- und Kofferraum angesichts von fast fünf Meter Außenlänge etwas bescheiden aus.

Die zweite Generation des Volvo V90 opferte Platz und Ladevolumen für das Design. Der Erfolg gab den Schweden recht, die seit 2010 zum chinesischen Konzern Geely gehören.
Bild: Toni Bader / AUTO BILD
Schwachstellen: Gerade die frühen Modelle des V90 hatten einige Kinderkrankheiten. Hoher Ölverbrauch, undichte Ventildeckel- und auch Zylinderkopfdichtungen betrafen Diesel wie Benziner, die stets als Zweiliter-Vierzylinder ausgeführt sind, die Vorder- oder alle vier Räder antreiben und in den unterschiedlichen Leistungsstufen über verschiedene Aufladungstechniken verfügen. Eine besonders außergewöhnliche besitzt der D5 Diesel mit bis zu 240 PS: Die beiden Turbolader mit variabler Turbinengeometrie werden im unteren Drehzahlbereich über das sogenannte Power-Pulse-System mit mehreren Bar Druckluft angestrahlt, um das Turboloch zu überwinden. Die komprimierte Luft stammt aus einem kleinen Drucktank, der von einem Kompressor bedient wird und die Druckluft über Schläuche in den Abgaskrümmer leitet. Aufgrund des hohen Überdrucks kann es zum Platzen oder zu Undichtigkeiten der Schläuche kommen. Auch verbesserte Ausführungen von Volvo verursachten Störungen.
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