Gebrauchte Oldies über 50.000 Euro
Edel-Stahl

Im letzten Teil der Klassiker-Kaufberatung von AUTO BILD SPORTSCARS geht es um die Blue Chips unter den Oldies – eine teure, aber relativ wertbeständige Mischung aus Fahrspaß und Investition. Hier finden sich seltene Pretiosen von Aston Martin bis Porsche, die immer noch Spaß machen.
- Georg Kacher
Noch boomt die Wirtschaft, und mit ihr die Lust am Geldausgeben. Doch wehe, wenn die Aktienkurse kippen und die Welt in eine weitere Rezession schlittert. Auf was verzichten selbst die Superreichen in diesem Fall am ehesten? Genau. Auf Spielzeuge wie Yachten, Kunstsammlungen – und Automobile. Nach einem weiteren Boom-Jahr ist der Markt für klassische Automobile inzwischen ziemlich ausgereizt. Weil die Preise Rekordniveau erreicht haben und weil die Blase der Spekulation ganz plötzlich platzen kann, sollten Käufer gerade jetzt jeden Euro zweimal umdrehen. Beispiel Aston Martin. DB4 und DB5 sind längst weggedriftet in Sphären, wo die Luft dünn und der Hype groß ist. 150.000 Euro für ein gutes DB4 Coupé? 200.000 Euro für einen offenen DB5? Wie diese Rechnung nach dem nächsten Börsencrash aussieht, kann sich jeder selbst ausmalen. Die einzigen noch halbwegs erschwinglichen Aston-Modelle sind die V-Cars. Doch Vorsicht: US-Importe leiden unter den hässlichen Stoßstangen, Rechtslenker sind außerhalb Englands nur die Hälfte wert, Ersatzteile kosten viel Geld und Geduld.
Vom BMW M1 gibt es nur noch wenige gute Exemplare

Bild: Werk
Der Austin Healey ist eine Wissenschaft für sich

Bild: AUTO BILD
Aus Italien kommt zuerst Ferrari – und dann lange gar nichts. Lancia ist zwar in der obersten Spielklasse mit verschiedenen Modellen von der Aurelia GT bis zum Stratos vertreten, doch es fehlt an Auswahl und an einer transparenten Preisgestaltung: 250.000 Euro für einen Ex-Jolly-Club-Stratos – das kann doch nicht angehen. Kaum besser ist die Lage bei Maserati. Khamsin, Bora, Merak und Indy sind oft überteuerte Ausnahmeerscheinungen, und auch nach einem guten Mistral muss man lange suchen. Gleiches gilt für die V8-Sportwagen aus den 60ern, vor allem wenn es sich um Sonderkarosserien von Frua oder Vignale handelt. Ein sauberer Mistral Spider belastet das Konto mit einem knapp sechsstelligen Betrag, und auch die Spider-Ableger von Ghibli oder 3500 GT haben sich jenseits der 100.000-Euro-Marke festgefahren. Bei Ferrari ist die Marktsituation vergleichsweise überschaubar. Hier gilt die Faustregel: Nur was schön und selten ist, kostet richtig viel Geld. Manche V12-Frontmotorcoupés sind daher erstaunlich preiswert. Selbst für einen 250 GT 2+2 sind mit etwas Glück keine 80.000 Euro fällig. Günstig sind auch der 330 GT 2+2 mit Pininfarina-Karosserie (ab 70.000 Euro), der 365 GT 2+2 (ab 65.000 Euro), der 365 GT4 2+2 (ab 35.000 Euro) und die 400er Coupés (ab 40.000 Euro). Ob man diese Ferraris wirklich besitzen und fahren will, steht allerdings auf einen anderem Blatt Papier. Warum? Weil Längs- und Querdynamik selbst moderate Erwartungen enttäuschen, weil die Unterhaltskosten extrem hoch sind, und weil man auf etwaige Wertsteigerungen wohl sehr lange warten muss.
Die Preise für einen Mercedes 250 SL sind vergleichsweise günstig

Bild: Werk
Für vergleichbares Geld bekommt man bei Porsche ein schönes 356-Softtop. Dabei ist es preislich fast egal, ob es sich um ein A-, B- oder C-Modell handelt. Im Hinblick auf mögliche Wertsteigerungen würden wir die ziemlich ausgereizte 911er-Palette der Baujahre 1965 bis 1990 ausklammern. Stattdessen lohnt ein Blick auf den 964, der auch fahrdynamisch viel mehr überzeugt als die Vorgänger. Zu den Spaßmodellen, bei denen man garantiert kein Geld kaputt macht, zählen der C2 Speedster (gab es 14 Mal auch als Turbolook), 3.8 RS (ab 70.000 Euro) und der martialische RSR (oft nachträglich modifiziert). Grundsätzlich gilt: Erst Probe fahren, dann – primär aus Überzeugung – kaufen. Für wasserdichte Finanzierung ist die Hausbank zuständig.
Service-Links