Gebrauchte Youngtimer-SUV
Cayenne, X5 & Co.: Youngtimer-SUV ab 4000 Euro

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Seit den späten 1990er-Jahren treten SUV ihren Siegeszug an und gewinnen seither kontinuierlich an Bedeutung. Die frühen Vertreter dieser Gattung haben inzwischen Youngtimer-Status erreicht und gelten als angehende Klassiker mit stabilem Wertverlauf.
Bild: Werk
Ende der Neunziger-Jahre erreichte die SUV-Welle Europa. Der Trend, den die Amerikaner lostraten und bald dann die Briten und Japaner für sich entdeckten, nahm mit der Einführung der Mercedes M-Klasse schließlich auch in Deutschland Fahrt auf. BMW konterte mit dem X5, bald folgten weitere Hersteller wie Volvo, VW, Porsche und Audi. Der Erfolg gab den Herstellern recht – die Zahl der Modelle und Varianten wuchs rasant.
Bis heute erfreut sich das SUV-Segment großer Beliebtheit: Knapp 850.000 SUV-Neuzulassungen vermeldet Statista für 2024. Im Vergleich zum Rekord-Vorjahr ging die Zahl zwar leicht zurück (minus 0,7 Prozent), doch mit etwa 30 Prozent bilden SUV weiterhin mit großem Abstand das stärkste Segment.
Dabei ist die Erfolgsformel der SUV nicht ganz so leicht zu entschlüsseln, wie es auf den ersten Blick scheint. Klar, so ein Brocken wirkt imposant und gibt ein prima Statussymbol ab. Doch längst nicht alle Käufer entscheiden sich aus Prestigegründen für einen Hochsitz. Das gute Gefühl an Bord ist die Summe mehrerer Vorzüge: sportlicher als ein Van, geräumiger als mancher Kombi, angenehm zu entern und den Horizont gut im Blick. Und wenn man wollte, könnte man tatsächlich die asphaltierten Straßen verlassen. Macht natürlich kaum einer, aber das Freiheitsgefühl fährt immer mit.
Klar, die raumgreifenden Brocken sind nicht jedem sympathisch. SUV sind schwerer, stehen schlecht im Wind und verbrauchen deshalb mehr. Die einzig handfeste Daseinsberechtigung ergibt sich allein aus der meist höheren Anhängelast. Doch unsere hier vorgestellten Modelle haben noch etwas anderes Interessantes an sich: Sie sind alt. Und das Alter strahlt ja bekanntlich oft auch einen ganz speziellen Charme aus. Zwei der hier gezeigten Fahrzeuge sind inzwischen sogar schon H-Kennzeichen-fähig.
Range Rover P38A
Bauzeitraum: 1994 bis 2002
Leistung: 136 bis 225 PS
Preise: ab 12.000 Euro
Leistung: 136 bis 225 PS
Preise: ab 12.000 Euro

Der feine Range Rover wurde so gut wie nie durch das Gelände gequält, durch enge Kurven aber schon.
Bild: AUTO BILD - Bader
Fast ein Vierteljahrhundert lag das Debüt des ersten Range Rover zurück, als der neue auf die Matte trat. Der hatte einen klaren Auftrag, sollte eher luxuriöse Ansprüche befriedigen, für knallharte Offroad-Jobs gab es ja schließlich weiterhin den Defender, für preisbewusste Kunden seit 1989 auch noch den Discovery. Leiterrahmen und Starrachsen blieben zwar, eine Luftfederung mit Höhenverstellung verschaffte dem Pegasus (so der Projektname des "neuen Range Rover") dennoch eine sehr sanfte Seite.
Zwei der drei angebotenen Motoren sind Weiterentwicklungen des seit 1960 gebauten Rover-V8. Der SE mit 4,0 Liter Hubraum steigerte seine Leistung 1999 von 190 auf 218 PS, der HSE mit 4,6 Litern bringt es auf 225 PS. Alle Versionen sind durstig (ca. 17 Liter Super pro 100 km) und nicht besonders dynamisch. Beim Diesel handelt es sich um das M51-Triebwerk aus der Kooperation mit BMW. Der 136 PS starke Reihensechser begnügt sich mit 10 bis 12 Litern, schafft aber nur Euro 2. Das Angebot ist rar, Ruinen werden bereits ab 4000 Euro angeboten, top gepflegte Modelle kosten etwa 30.000 Euro. Dazwischen liegen solide Angebote.
Schwachstellen: Hier gibt es allerhand zu beachten: Rost an Rahmen und Karosserie, defekte Luftfederungen, Schäden am Verteilergetriebe oder Undichtigkeit am Heizungswärmetauscher sollten Interessenten auf dem Zettel haben. Auch der Fehlerspeicher sollte stets ausgelesen werden. Hilfreich: ein Kenner bei der Besichtigung.
Toyota RAV4 (1. Generation)
Bauzeitraum: 1994 bis 2000
Leistung: 129 PS
Preise: ab 4000 Euro
Leistung: 129 PS
Preise: ab 4000 Euro

Erst ein Jahr nach der Einführung gab es den Toyota RAV4 als Fünftürer. Der bot auch Platz für Familien.
Bild: AUTO BILD - Ahrens
Hoch sitzen und komfortabel über asphaltierte Straßen gleiten – das war in den Neunzigerjahren eher den Wohlhabenden vorbehalten, denn der Markt wurde von hochmotorisierten Premiummodellen dominiert. Die frühe Ausnahme war der RAV4, der mit seiner selbsttragenden Karosserie den SUV-Boom für die Massen bezahlbar machte. Umgerechnet rund 20.000 Euro kostete der Fünftürer. Schlaue Toyota-Strategen identifizierten die Marktnische, und vom großen Erfolg des kompakten Crossovers waren selbst die Japaner überrascht.
Über die gesamte Bauzeit bot Toyota den Permanent-Allradler (der Allradantrieb stammt aus dem Corolla) ausschließlich mit dem 2,0-Liter-Vierzylinder-Benziner und 129 PS an. Neben der Fünfgangschaltung stand eine Vierstufen-Wandlerautomatik zur Wahl. Besonders quirlig und agil wuselt der nur 3,72 Meter lange Dreitürer durch den Verkehr, Toyota bot ihn auch als Cabrio an. Ganze 44 Zentimeter länger ist der familienfreundliche Fünftürer. Damals etwas skurril, heute interessantes Retrodesign: die ulkigen Proportionen und das fesche Neunzigermuster auf den Sitzbezügen. Die Zuverlässigkeit liegt auf hohem japanischem Niveau, der Klassiker-Karriere steht daher wenig im Wege.
Schwachstellen: Das filigrane Fahrwerk gehört wie die schwächlich ausgeführte Kupplung zu den anfälligen Komponenten. Die hinteren Querlenker können sich beim Geländeeinsatz gar verbiegen. Aufgrund der kleinen Preise ist der RAV4 generell aber risikoarm.
BMW X5 (E53)
Bauzeitraum: 1999 bis 2006
Leistung: 184 bis 360 PS
Preise: ab 10.000 Euro
Leistung: 184 bis 360 PS
Preise: ab 10.000 Euro

Etwas eindimensional: Abstriche bei Komfort und Geländegängigkeit machte der erfolgreiche erste X5 mit seiner Dynamik wett.
Bild: AUTO BILD - Bittmann
Der erste X5 war nicht nur ein neuer BMW, sondern ein Wendepunkt der Firmengeschichte, und zwar ein erfolgreicher – trotz hohen Gewichts, geringer Zuladung, langer Bremswege, deftigen Verbräuchen (V8-Benziner) und gar nicht mal so guter Platzverhältnisse. Doch BMW produzierte den E53 auf dem wichtigen US-Markt und positionierte das SAV (Sports Activity Vehicle) gekonnt als besonders sportliches Modell. So gab es – im Gegensatz zum ML, den Mercedes auch mit schwächeren Vier- und Fünfzylindern anbot – nur Sechs- und Achtzylinder als Antriebsoption. In Deutschland war der Diesel der beliebteste Motor.
Die gute Sitzposition, die geringen Fahrgeräusche und die sehr gemütlichen Sitze überzeugten uns anno 2004 auch im AUTO BILD-Dauertest. Am Ende gab es die Note 2+ für den standhaften X5. Nur die Batterie machte mehrmals schlapp. Ende 2003 gab es ein Update, seitdem arbeitet der Allradantrieb mit elektronisch gesteuerter Ölbad-Lamellenkupplung statt Zentraldifferenzial. Und der Diesel hat nun mehr Leistung (218 statt 184 PS), eine Commonrail-Einspritzung, läuft dadurch sparsamer und sprintet doch deutlich schneller. Der Partikelfilter kam erst Ende 2005.
Schwachstellen: Rost an der Heckklappe, undichte Lenkgetriebe und Servoschläuche sowie ausgeschlagene Fahrwerksbuchsen sind typische Probleme. Das defekte Panoramadach (gebrochener Mitnehmer) reparieren Experten zum Preis ab etwa 700 Euro.
Jeep Grand Cherokee (ZJ)
Bauzeitraum: 1993 bis 1998
Leistung: 115 bis 241 PS
Preise: ab 8000 Euro
Leistung: 115 bis 241 PS
Preise: ab 8000 Euro

Der ZJ war der erste Grand Cherokee und ein echter Erfolg, holte Preise und begeisterte Kunden.
Bild: AUTO BILD
Als overengineered bezeichnen die Amis vor allem deutsche Modelle, die aufgrund ihrer technischen Komplexität teuer und schwierig zu warten sind. Wie schön, weil unkompliziert, das Leben mit einem alten SUV sein kann, das zeigt der Grand Cherokee. Aufgrund der simplen Konstruktion und viel Platz im Motorraum können sich hier auch Anfänger schnell zu versierten Hobby-Schraubern entwickeln.
Weil der Grand Cherokee so ein Erfolgstyp war, gibt es kaum Engpässe bei den Ersatzteilen, zahlreiche Foren sowie viele Zubehör-Shops. Besonders begehrt (weil selten) ist der große 5.9er-V8, der aus jeder Situation druckvoll anschiebt. Doch auch der vier Liter große Reihensechser oder der 5.2er-V8 bieten vollkommen zu friedenstellenden Vortrieb und eine genüssliche Klang- und Laufkultur. Beim Verbrauch liegen die Motoren ohnehin auf ähnlich hohem Niveau, das sich je nach Fahrweise zwischen 12 und 16 Litern ein pendelt. Bei der Abstimmung gab sich Chrysler viel Mühe, das gilt sowohl für die Lenkung als auch für das Fahrwerk mit vier Schrauben federn.
Schwachstellen: Rost greift Karosserie und Rahmen an, typische Schwachpunkte sind die Elektrik (Sitzheizung, Schiebedach) und der Wärmetauscher. Gewartete Modelle erkennt man am trockenen Antrieb (Motor, Getriebe, Differenzial) und am revidierten Fahrwerk.
Porsche Cayenne (9PA)
Bauzeitraum: 2002 bis 2010
Leistung: 240 bis 521 PS
Preise: ab 18.000 Euro
Leistung: 240 bis 521 PS
Preise: ab 18.000 Euro

Der Cayenne ist dank Allrad, Reduktionsgetriebe und Sperre auch offroad zu gebrauchen.
Bild: AUTO BILD - Bader
Fast genau zehn Jahre nach dem Mauerfall feierte die Produktionsstätte des neuen Porschewerks in Leipzig Richtfest. Drei Jahre später rollte der erste Cayenne aus der Werkshalle. Über den dicken Brummer moserten die Markenfans anfangs ausgiebig. Doch bald wurde der Cayenne zur Cashcow für Porsche. Vor allem in den USA war der sehr sportliche Allradler heiß begehrt. Die Plattform teilt er sich (wie das aktuelle Modell) mit Audi Q7, VW Touareg und Bentley Bentayga. Die V8-Motoren waren (im 9PA) aber Eigenentwicklungen. Nicht nur die krassen Fahrleistungen (Turbo S: 5,2 Sekunden von auf 100 km/h, 270 km/h Spitze) begeisterten. Sondern vor allem, dass sich der Cayenne dank hervorragender Lenkung, bissiger Bremsen und präzisem Fahrwerk wie ein echter Porsche bewegen ließ.
Zu den besonders begehrten Modellen gehört heute auch der GTS. Den 405 PS starken Saug-V8 gab es auch als Handschalter. Exemplare in überdurchschnittlich gutem Zustand kosten zwischen 35.000 und 50.000 Euro. Modelle mit ordentlicher Wartungshistorie finden sich zwischen 18.000 und 25.000 Euro. Oft mit hoher Laufleistung, aber dennoch beliebt: der V6-TDI (241 PS) aus dem VW-Regal.
Schwachstellen: Die Karosserie gilt als gut konserviert, Rost kommt dennoch vor, etwa in den Sicken der Türen oder am Unterboden. Die technisch aufwendigen Motoren sind sehr teuer in der Wartung, Schnäppchenangebote haben oft Schäden durch Kolbenkipper, beschädigte Zylinderlaufflächen oder gelängte Steuerketten.
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