Vor 2012 war der Anteil von Ford  am deutschen Pick-up-Markt überschaubar. Ab 2012 strömten die Kunden regelrecht zu den verblüfften Ford-Händlern. Dort stand nun der komplett neue Ranger III – im internen Händlerjargon Ranger '12 genannt.
Der Neue beeindruckte vor allem Leute, die auf die deftig-machohafte Optik und die günstigen Preise abfuhren. Dazu bot Ford eine große Auswahl an Versionen: von der knappen Zweisitzer-Kabine bis zur mit Leder ausgeschlagenen Doppelkabine mit vier Türen, dazu Vierzylinder- und Fünfzylinder-Turbodieselmotoren mit bis zu 200 PS, wahlweise mit Sechsgang-Schaltung oder Sechsstufen-Automatik.
Dieser Ranger machte und macht bis heute keinen Hehl daraus, dass er nichts für verzärtelte Komfort-Gourmets ist, sondern ein eher derbes, dafür handfestes und belastbares Auto für Typen, die hinlangen – ob im Job oder in der Freizeit.
Ford Ranger
Dank durchsetzungsstarkem Zuschaltallrad, Untersetzung und 225 mm Bodenfreiheit kann er sich stets vorwärts wühlen.

Nichts geht wirklich leicht am Ranger: Der Lenkung will trotz Servo eine zupackende Hand spüren, die Türen und die Pritschen-Heckklappe ebenso. Dazu passt der derbe Federungskomfort des betont schlicht konstruierten, aber robusten Fahrwerks.
Gerne werden der Pritsche etliche Hundert Kilogramm Ladung oder gar eine komplette Wohnkabine aufgebürdet. Das verkraftet der Ranger wacker.

Diesel mag keine monatelangen Standzeiten

Weniger gern hat er lange Pausen. Deshalb sollte man kritisch bei Exemplaren mit niedrigem Kilometerstand sein. Klingt zunächst verlockend nach wenig Verschleiß, kann aber teuer werden. Denn die Direkteinspritzer-Diesel bilden während monatelanger Standzeiten Ablagerungen an den Einspritzdüsen.
Die können später ein schiefes Spritzbild und dadurch eine unpräzise Verbrennung verursachen, was zu schweren Kolbenschäden führt. Der Kilometerstand scheint dabei so gut wie keine Rolle zu spielen.
Ford Ranger
Der 2.2l Diesel mag keine monatelangen Standzeiten.

Es gibt Motoren mit kaum 50.000 km mit diesem Problem, viele aber auch ohne Schaden und 200.000 km.

Zuverlässigkeitsbilanz ausgesprochen gut

Der 2.2-Vierzylinder ist aber weit häufiger betroffen als der 3.2-Fünfzylinder mit seinem charismatisch rauchigen Klang. Der begeistert weniger durch explosive Leistungsentfaltung, sondern vor allem durch schieres Drehmoment ab Leerlaufdrehzahl.
Schneller macht er den Ranger wegen der Abregelung bei echten 180 km/h sowieso nicht. Der spätere Zweiliter kennt das Standzeitenproblem gar nicht.
Technik
Ersatzteilkosten am Beispiel eines Ranger 2.2 TDCi
Abzweigung
Allradantrieb 
Abzweigung
Abzweigung
Kraftverteilung v:h 
Abzweigung
Abzweigung
Traktionshilfen 
Abzweigung
Abzweigung
Geländeuntersetzung 
Abzweigung
Abzweigung
Aufbauweise 
Abzweigung
Abzweigung
L/B/H 
Abzweigung
Abzweigung
Bodenfreiheit 
Abzweigung
Abzweigung
Tankinhalt 
Abzweigung
Abzweigung
Anhängelast gebr./ungebr. 
Abzweigung
Abzweigung
Pritschenlänge 
Abzweigung
Hinterradantrieb; Vorderradantrieb zuschaltbar 
0:100 oder 50:50 
el. Schlupfregelung v+h; Sperre h (auf Wunsch) 
2,48:1 
Leiterrahmen, aufgeschraubte Stahlkarosserie 
5360/1867/1850 mm 
225 mm 
80 l 
max. 3500/750 kg 
2,13 oder 1,84 oder 1,54 m 
Kotflügel vorn 
Scheinwerfer 
Bremsscheiben vorn (ein Satz) 
Bremsbeläge vorn (ein Satz) 
Schaltgetriebe (AT) 
Motor ohne Anbauteile (AT) 
Generator (AT) 
Anlasser (AT) 
Wasserpumpe (neu) 
Auspuff ohne Kat 
246 Euro 
435 Euro 
563 Euro 
158 Euro 
1624 Euro 
3751 Euro 
518 Euro 
311 Euro 
278 Euro 
808 Euro 

Immer bewegt, halten nicht nur die Motoren, sondern auch Getriebe und Nebenaggregate in der Regel weit über 250.000 Kilometer durch. Die Zuverlässigkeitsbilanz ist deshalb ausgesprochen gut. Startversager und Pannen bleiben die absolute Ausnahme.

Elektrik verlangt genaue Prüfung

Ärger kann es trotzdem geben: Manch Ranger-Fahrer erschrickt, wenn er nach ein paar Jahren mal einen Blick auf die Unterseite seines Pick-ups werfen kann. Vor allem in Gebieten mit intensiver Wintersalzstreuung rostet der ab Werk unzureichend geschützte Ranger munter vor sich hin.
Individuelle Nachbesserung mit korrosionshemmenden Mitteln ist unabdingbar, wenn man seinen Ranger länger als sechs oder sieben Jahre behalten will.
Ford Ranger
Das Navi reagiert zuweilen zickig auf Daten-Updates, auch das größere ab 2015. Deshalb vor dem Kauf bei der Probefahrt unbedingt ausprobieren.

Auch die Elektrik verlangt bei der Probefahrt genaue Prüfung aller Verbraucher, vor allem Tempomat und Navigationssystem. Dass Ford trotz der günstigen Kaufpreise am Ranger gutes Geld verdient, erkennt man auch daran, dass bei nicht sichtbaren Teilen knapp kalkuliert wurde.

Unser Testfahrzeug: Ford Ranger III

Baujahr: 2015
Version: 2.2 D
Laufleistung: 136.000 km
Preis: ab 13.800 Euro

Fazit

von

Martin Braun
Motorschäden nach langer Standzeit beim 2,2- Liter-Diesel sind sehr selten, kommen aber vor. Wer die höheren Preise zahlen kann, nimmt also besser den späteren Zweiliter oder den guten alten 3.2 Fünfzylinder.
Urteil: Befriedigend

Von

Martin Braun