Gebrauchtwagen-Geheimtipps: solide und günstig
Sechs seltene Typen mit solider Substanz

In ihren Segmenten sind diese sechs Gebrauchtwagen eher Ausnahme-Erscheinungen. Mit den Zulassungszahlen der Bestseller konnten sie nie mithalten. Doch aus zweiter Hand sind sie überdurchschnittlich solide und dazu auch noch günstig.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Bei der Suche nach einem Gebrauchtwagen setzen Käufer gern auf Modelle mit hohem Bekanntheitsgrad. Doch wo es vor allem um die Zuverlässigkeit geht, kann die Popularität auch mal hinten anstehen. Aus diesem Blickwinkel stellen unsere sechs Empfehlungen besonders interessante Alternativen dar.
1. Honda Civic (9. Generation)
- Bauzeitraum: 2011 bis 2017
- Motoren: 99 bis 310 PS
- Beliebtester Antrieb: 1.8 mit 141 PS

Man sieht es dem Civic nicht an, doch in der Kompaktklasse zählt sein Kofferraum zu den größten.
Bild: Toni Bader
Im Vergleich zu seinem Vorgänger kam die neunte Generation des Kompakten optisch angepasster daher. So massenkompatibel wie die üblichen Verdächtigen im Komapakt-Segment war der Civic dadurch aber noch nicht. Zu seinen Vorzügen zählen die einfache Bedienung, die sparsamen Diesel und Benziner, der variable Innenraum (hochklappbare Sitzbank im Fond) und das besonders große Ladeabteil mit 478 bis 1378 Liter Stauraum. Der Kombi namens Tourer schafft sogar 624 bis 1668 Liter. Daneben begeistert der Civic Nummer neun mit agilem Handling, gemütlichen Sitzen und einer Sportversion namens Type-R (310 PS). Die ist sehr selten, dennoch begehrt und dadurch teuer (ab ca. 20.000 Euro). Doch das Preisniveau ist auch bei den zivilen Versionen erhöht, gepflegte Modelle mit dem 141 PS starken VTEC-Motor und weniger als 100.000 Kilometer Laufleistung beginnen bei etwa 10.000 Euro.
Schwachstellen: Rundumsicht, Platz sowie der Einstieg zum Fond sind aufgrund des kuppelförmigen Dachs eingeschränkt. Die 1,4 und 1,8 Liter großen VTEC-Motoren (Saugmotoren) wirken ausgesprochen durchzugsschwach. Bei der Hauptuntersuchung monieren die Prüfer häufiger die Bremsanlage, wo es zu Riefenbildung auf den Scheiben kommen kann. Honda wurde durch den Airbag-Hersteller Takata mit einer besonders hohen Anzahl defekter Airbagsysteme beliefert. Für die neunte Generation des Civic kam es diesbezüglich zu drei Rückrufen.
Kia Venga (YN)
- Bauzeitraum: 2010 bis 2019
- Motoren: 90 bis 128 PS
- Beliebtester Antrieb: 1.6er mit 125 PS

Kia Venga: etwas verspieltes Cockpit, gerade vier Meter lang und trotzdem ein echter Raumriese.
Bild: Werk
Erfolgreich war der Kia Venga nie, viele Kunden bevorzugten Konkurrenten wie den Citroën C3 Picasso oder den Honda Jazz. Dabei gingen die Koreaner ambitioniert ans Werk. Weil der auf der Soul-Plattform gebaute Minivan nicht die erhofften fünf Sterne im Euro-NCAP-Crashtest erzielte, besserten die Koreaner sofort nach (unter anderem an der hinteren Sitzanlage) und schnappten sich im Nachgang die vollen fünf Sterne.
Im AUTO BILD-Vergleichstest konnte sich der Venga dank seines variablen Innenraums mit vielen Ablagen und serienmäßig verstellbaren Fondlehnen, guter Übersicht und innovativen Lösungen wie dem Kamerabild im Rückspiegel durchsetzen. Zudem schaffte der Venga im AUTO BILD-Dauertest eine glatte Eins. Steuerkette und Saugrohreinspritzung (bei den Benzinern) reduzieren Wartungs- und Reparaturaufwand. Die Vorzüge des Venga haben sich inzwischen doch etwas herumgesprochen: obwohl die meisten Modelle aus der Sieben-Jahres-Garantie heraus sind, bleiben die Preise stabil. Selbst für knapp neun Jahre alte Modelle werden mit Laufleistungen um 80.000 Kilometer mindestens 8500 Euro aufgerufen.
Schwachstellen: Knarzende Mittelkonsolen und klappernde Verkleidungsteile entlarven die nur mäßige Verarbeitungsqualität. Das Fahrwerk schwächelt beim Komfort sowie mit früh ausgeschlagenen Gelenken und Defekten an Dämpfern und Federn. Beim Kauf beachten: Die Benziner benötigen alle 90.000 Kilometer eine Kontrolle des Ventilspiels. Bei Abweichungen von den Sollwerten droht eine teurere Reparatur, da die Tassenstößel getauscht werden müssen.
Toyota Auris (E180)
- Bauzeitraum: 2013 bis 2019
- Motoren: 90 bis 136 PS
- Beliebtester Antrieb: 1.33 Dual VVT-i mit 99 PS

Der kreuzbrave Auris konnte kaum Käufer für sich begeistern. Im Alter gefällt seine Nüchternheit.
Bild: Werk
Sich in der Kompaktklasse gegen VW Golf, Opel Astra, Ford Focus und Co durchzusetzen, davon war der nüchtern gestylte Toyota Auris weit entfernt. An der Qualität des Hauses Toyota hat es nicht gelegen. Das hohe Niveau schlägt sich in der geringen Mängelquote des Auris nieder. Den Auris gab es auch als knapp 30 Zentimeter längeren Kombi namens Touring Sports. Was dagegen immer fehlte: eine sportliche Version mit viel Leistung, die auf Vernunft pfeift und auf den Rest der Baureihe abstrahlte.
Dafür glänzt der Auris mit Wertstabilität, was besonders für die sehr sparsame Vollhybrid-Version gilt, die sich im Alltag mit Verbräuchen um vier Liter begnügt. Die solide Technik stammt vom Prius, der fuhr im AUTO BILD-Dauertest die Note 1 ein. Frühe Modelle des Auris starten mit rund 100.000 Kilometern auf dem Tacho bei 9000 Euro.
Schwachstellen: Dynamische Talente hat der Auris nicht, der Hybrid ist mit 135 PS bereits die stärkste Version. Die Lenkung wirkt arg taub, das Fahrwerk vermittelt vor allem Gemütlichkeit. Beim Turbobenziner kam es zu Problemen mit Zündaussetzern aufgrund defekter Zündspulen. Dazu klagen Besitzer über verrußte Einlasstrakte. Versagt beim Hybrid im Alter der Hochvolt-Akku, werden rund 3000 Euro für Ersatz fällig. Allerdings lassen sich auch einzelne (defekte) Module des Akkus tauschen, wodurch die Reparatur deutlich günstiger wird.
Hyundai i20 (GB)
- Bauzeitraum: 2014 bis 2020
- Motoren: 75 bis 120 PS
- Beliebtester Antrieb: 1.0 T-GDi mit 101 PS

Der Hyundai i20 gefällt als ausgereifter Kleinwagen, der mit viel Komfort auch für die Langstrecke taugt.
Bild: Roman Raetzke / AUTO BILD
Ein echter Geheimtipp ist der Hyundai i20 zwar nicht. Doch als die 2014 gestartete zweite Generation Wettbewerber wie den VW Polo V etwas alt aussehen ließ, durfte man sich schon wundern. Dabei punktet der i20 nicht nur mit hoher Material- und Verarbeitungsqualität, sondern taugt dank guter Geräuschdämmung, ordentlicher Platzverhältnisse sowie komfortablen Sitzen und gutem Federungskomfort auch für längere Strecken.
Klares Indiz für Qualität und gute Pflege der Kunden: Im TÜV-Report überzeugt der kleine Koreaner mit überdurchschnittlich guten Noten. Das Manko der etwas durchzugsschwachen Benziner behob der ab 2016 angebotene Turbo-Dreizylinder, den es in zwei Leistungsstufen gibt (101 und 120 PS). Die schwächere Version ist mit Laufleistungen von etwa 80.000 Kilometer ab 8500 Euro zu haben. Wer etwas höher sitzen mag, hält nach dem höher gelegten i20 Active Ausschau. Den trägeren 1.4er-Sauger gab es bis 2018 parallel weiter, optional mit einer gemütlichen Vierstufen-Automatik. Die Kombination wurde Mitte 2018 vom erwähnten Turbo-Dreizylinder in Verbindung mit einem dynamischeren Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe abgelöst. Gebrauchte Modelle mit DKG kosten mindestens 11.000 Euro.
Schwachstellen: Das effiziente Doppelkupplungsgetriebe gibt es erst seit 2018. Davor bot Hyundai nur eine antiquierte Vierstufenautomatik im 1.4er-Benziner mit 100 PS an, die den Verbrauch nach oben und die Fahrleistungen nach unten treibt. Probleme macht zuweilen das sensible Ausrücklager der manuellen Kupplung. Die Lackqualität ist nicht die beste, Käufer sollten auf abgeplatzten Klarlack achten.
Suzuki Swift (RZ/AZ)
- Bauzeitraum: 2017 bis 2024
- Motoren: 83 bis 140 PS
- Beliebtester Antrieb: 1.2 Dualjet mit 90 PS

Der Suzuki Swift Sport holte im Dauertest über 100.000 Kilometer die Note 1.
Bild: Uli Sonntag / AUTO BILD
Mit unter 3,90 Meter Länge ist der Swift ganz Kleinwagen geblieben. Ford Fiesta, VW Polo oder Toyota Yaris bieten zwar mehr Platz, fallen aber nicht so handlich aus. Als Besonderheit gibt es den Swift auch mit Allradantrieb (Allgrip). Aufgrund seines geringen Gewichts von rund einer Tonne zählt der Suzuki zu den Sparsameren seiner Zunft. Die Mildhybrid-Varianten (111 oder 129 PS) lassen sich im Alltag mit unter sechs Litern Super bewegen.
Der 140 PS starke Swift Sport bietet ein gelungenes Konzept mit quirliger Dynamik und ausreichendem Komfort. Alle Motoren besitzen eine wartungsfreie Steuerkette. Im AUTO BILD-Dauertest bewies der Swift Sport seinen soliden Charakter. Über 100.000 Kilometer gab die Messung am Ölpeilstab nicht ein Mal Anlass zum Nachfüllen. Fünf Jahre alte Facelift-Modelle (2020) mit dem dann 83 PS starken Basis-Benziner kosten rund 11.000 Euro.
Schwachstellen: Zu den wenigen Schwachstellen gehört die sparsame Dämmung, der Swift ist einer von der lauteren Sorte. Versionen mit Automatik oder Stufenlosgetriebe stießen auf wenig Begeisterung, entsprechend rar ist das Angebot. Beim AUTO BILD-Dauertest des Swift Sport fiel die lockere Spannrolle des Keilriemens auf. Das Bauteil wäre allerdings beim anstehenden Service ohnehin gewechselt worden. Der Blick durch das Endoskop zeigte erste Ansätze von Rost. Die Korrosionsvorsorge könnte daher besser sein.
Mitsubishi ASX (1. Generation)
- Bauzeitraum: 2010 bis 2021
- Motoren: 117 bis 150 PS
- Beliebtester Antrieb: 1.6 MIVEC mit 117 PS

Bild: Toni Bader
Elf Jahre bot Mitsubishi die erste, besonders robuste Generation des ASX an. Während der langen Bauzeit gab es zwei Überarbeitungen (2012 und 2019), durch die das Modell aktualisiert wurde. Sowohl in der TÜV-Statistik als auch bei der Pannen-Quote des ADAC sticht der Japaner positiv heraus. Bei den angebotenen Gebrauchtwagen beträgt die Allrad-Quote über 20 Prozent, was beweist, dass der ASX auch für härtere Jobs zum Einsatz kam. Beim Klassenprimus VW T-Roc liegt die Allrad-Quote deutlich darunter.
Überdurchschnittlich viele Käufer griffen außerdem zu einem der drei Diesel (114 bis 150 PS). Bis zu 1300 Kilogramm Anhängelast verkraftet der Crossover außerdem. Die Käuferschaft legte mehr Wert auf seine sachlich-nüchterne Art sowie die einfache Bedienung statt auf pseudosportliche Allüren. Sieben Jahre alte ASX mit dem beliebten 117-PS-Benziner gibt es ab 13.000 Euro mit Laufleistungen um 80.000 Kilometer. Die Diesel sind etwas teurer und haben im Vergleich eine deutlich höhere Laufleistung.
Schwachstellen: Was nicht zum rustikalen Auftritt des ASX passt, ist die unter durchschnittliche Rostvorsorge. Beim obligatorischen Hebebühnen-Check blickt man häufiger auf rostversehrte Unterböden. Meist noch vollkommen unkritisch, doch ein nachträglich aufgetragener Korrosionsschutz ist empfehlenswert. Mehrmals gab es Probleme mit der Handbremse beim Mitsubishi, was zu zwei Rückrufen (2018 und 2021) führte.
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