Gebrauchtwagen-Tipps: Luxus-SUV
Sechs gebrauchte XL-Luxus-SUV im Check

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Herausragender Komfort, ganz viel Platz und bis zu sieben Sitze machen XL-SUV zu begehrten Alleskönnern. Der Gebrauchtwagenmarkt lockt mit reizvollen Preisen für die großen Premiummodelle. Eine Übersicht.
Bild: Jaguar Land Rover
Große SUV bieten nicht nur reichlich Platz und herausragenden Komfort – die XL-Luxusgeländewagen kümmern sich mit bis zu sieben Sitzen nebenbei auch um größere Familienangelegenheiten. Das macht sie reizvoll und begehrt. AUTO BILD zeigt, wo die Schwachstellen von Audi Q7, BMW X5, Mercedes GLE, Range Rover Sport, Volvo XC90 und VW Touareg lauern, und was sie als Gebrauchte kosten.
Mit Längen zwischen 4,80 und 5,05 Metern gehören diese sechs SUV zu den ganz großen Typen. Das lässt sich auch am Preis ablesen: Als Neuwagen standen Q7 und Co bereits als Basismodell für mindestens rund 60.000 Euro in der Liste. Ein theoretischer Wert, denn je nach Antrieb und Konfiguration bewegte sich der Neupreis vor rund zehn Jahren eher im Umfeld von 80.000 Euro.
Bei den großen SUV steht der Diesel nach wie vor hoch im Kurs
In der Regel wurden sie mit Dieselmotor gekauft. Aber kann der heute noch eine Empfehlung sein? Schließlich befindet sich der Selbstzünder auf dem Rückzug. 2015 betrug der Diesel-Anteil bei den neu zugelassenen Pkw in Deutschland noch fast 50 Prozent, 2024 waren es laut Statista nur noch 17 Prozent.
Doch bei den großen SUV steht der Diesel nach wie vor hoch im Kurs. Noch 2020 entschieden sich mehr als zwei Drittel aller Käufer in dieser Klasse für einen Diesel. Denn das satte Drehmoment taugt für hohe Anhängelasten bis 3,5 Tonnen, gleichzeitig beschert die Effizienz der Motoren hohe Reichweiten.
Der Wertverlust fällt unterdurchschnittlich aus
Gebrauchte Premium-SUV mit ihren moderaten Preisen sind somit eine interessante Anschaffung, wenn man viel Auto fürs Geld wünscht. Allerdings zählen die Edelautos auch bei ihren Erstbesitzern zu beliebten, verlässlichen und gern genutzten Begleitern. Darum kennzeichnet sie meist eine hohe Laufleistung – und der Wertverlust fällt unterdurchschnittlich aus. Neben Offroadfähigkeiten bieten sie üppig Platz und sehr guten Langstreckenkomfort.
Was Gebrauchtkäufer nicht vergessen sollten: Massive Bauweise und viel Gewicht bedeuten leider hohen Verschleiß. Außerdem liegen Versicherungs- und Wartungskosten aufgrund komplexer Technik wie Luftfederfahrwerke und zahlreicher Komfortfunktionen auf gehobenem Niveau.
Trotzdem: Der Gebrauchtwagenkauf bleibt für manchen verlockend, immerhin bietet sich nach sechs bis acht Jahren die Möglichkeit, Typen wie den BMW X5 zur Hälfte des Neupreises zu erwerben. Hier kommen unsere sechs Modelle im Check.
Audi Q7 (4M)
Bauzeitraum: seit 2015 • Motoren: 218 bis 507 PS • Beliebtester Antrieb: 3.0 TDI V6 mit 218/272 PS • Preise: ab ca. 26.000 Euro (Laufleistung bis 200.000 km)
Die zweite Generation des Audi Q7 (4M) wird seit 2015 gebaut. Deutlich leichter aufgrund von Alubauweise und so auch effizienter als sein Vorgänger, avancierte der hochwertig und solide verarbeitete Q7 mit viel Platz und hohem Fahrkomfort zum Seriensieger in AUTO BILD-Vergleichstests.

Ende 2024 erhielt der Audi Q7 ein zweites Facelift (erstes 2019). Dieses Bild zeigt das Ur-Modell des 4M mit den noch schnörkellosen Scheinwerfern.
Bild: Toni Bader / Auto Bild
Kilometerstände um 200.000 Kilometer hier sind keine Seltenheit, dann wird der Q7 bereits ab 26.000 Euro angeboten. Der Tachostand sollte stets genau auf Plausibilität geprüft werden: Exemplare mit 350.000 Kilometern und mehr sind keine Seltenheit. Und die stehen mitunter mit manipulierten Tachoständen bei dubiosen Zwischenhändlern.
Schwachstellen: Bei der 272-PS-Version (Motorkennbuchstaben CRTD) sorgten die Nockenwellen für Geräuschentwicklung, hier kam es teilweise zu erhöhtem Verschleiß. Bei vielen Modellen dieses Typs wurden die Nockenwellen im Rahmen der Garantie getauscht. Anhand des Motorcodes (z. B. auf dem Service-Aufkleber im Kofferraum) lässt sich nachvollziehen, ob das Modell betroffen war. Seltener kam das Problem bei der 218-PS-Version (Kennung CRTE) vor.
Bei Laufleistungen jenseits von 200.000 Kilometern können auch Defekte an der Achtstufen-Tiptronic auftreten. Spezialisierte Getriebe-Werkstätten helfen meist günstiger als die Vertragswerkstatt, dennoch ist mit hohen vierstelligen Kosten zu rechnen. Streikende Kompressoren der Luftfedern und defekte Federbälge sind eine kostspielige Angelegenheit. Günstigeren Ersatz als die Audi-Originalteile bietet die Firma Aerosus an.
BMW X5 (F15)
Bauzeitraum: 2013 bis 2018 • Motoren: 218 bis 575 PS • Beliebtester Antrieb: 30d mit 258 PS • Preis: ab ca. 20.000 Euro (Laufleistung bis 200.000 km)
Um den großen X5 auf Sparsamkeit zu trimmen, bot BMW die dritte Generation des Offroaders auch mit Vierzylinder (25d, 218/231 PS) und Hinterradantrieb (sDrive) an. Modelle mit dem kleinen, 2,0 Liter großen Vierzylinderdiesel ohne Allradantrieb sind aber eher selten. Mit Laufleistungen um 200.000 Kilometer werden sie bereits ab 20.000 Euro angeboten.

Die dritte Generation des BMW X5 wurde auf Sparsamkeit getrimmt, so gab es auch eine Vierzylinder-Option ohne Allrad. Die ist am Markt aber sehr selten.
Bild: Toni Bader
Das Gros der Käufer entschied sich jedoch für die 3,0-Liter-Diesel, meist in der 258 PS starken Version. Der Reihensechszylinder-Selbstzünder ist außerdem in Leistungsstufen von 313 und 381 PS verfügbar.
Schwachstellen: Beim beliebten und drehmomentstarken Sechszylinderdiesel (N57D30) treten ab 150.000 Kilometer vermehrt Lagerschäden an der Kurbelwelle auf. Häufiger Grund: ein Defekt an der Ölpumpe. Bei höheren Laufleistungen kann zudem die Steuerkette schleifen oder rasseln. Der Tausch ist leider teuer, denn der Kettenantrieb ist ungünstig an der Rückseite des Motors verbaut, die vorgesehene Reparaturdauer beträgt 17 Stunden!
Mercedes ML/GLE (W 166)
Bauzeitraum: 2011 bis 2018 • Motoren: 204 bis 585 PS • Beliebtester Antrieb: 350 d mit 258 PS • Preis: ca. 18.000 Euro (Laufleistung bis 200.000 km)
Während der Bauzeit der dritten M-Klasse-Generation vollzog Mercedes einen Namenswechsel: Seit 2015 firmiert der Offroader als GLE. Neben dem V6-Diesel gibt es auch einen Vierzylinder-Basis-Selbstzünder, ab Mitte 2015 auch mit Hinterrad- statt Allradantrieb.

Die dritte Generation der M-Klasse kam Ende 2011 als ML auf den Markt. 2015 wurde der W 166 zum GLE umgetauft.
Bild: Toni Bader
Der W 166 zeigt sich als oft hochwertig ausgestatteter GLE besonders wertstabil. Bereits ab rund 15.000 Euro angeboten werden Modelle mit über 200.000 Kilometer Laufleistung, die häufig von dem Vierzylinder angetrieben werden.
Schwachstellen: Die Vierzylinder-Diesel waren bekannt für fehlerhafte Piezo-Injektoren – die Probleme wurden aber schnell behoben. Häufigste Problemstellen des OM 651 genannten Motors sind gelängte Steuerketten aufgrund von undichten Hydraulik-Kettenspannern.
Auf den Nockenwellrädern (können brechen) erzeugt die gelängte Steuerkette ein typisches Klangbild. Inzwischen sind meist optimierte Kettenspanner und Nockenwellenräder verbaut. Beim V6-Diesel sorgen defekte Drallklappenmotoren und der elektrische Verstellmechanismus des Turboladers häufiger für Leistungsverlust. Bei höheren Laufleistungen neigt der Ölkühler zu Undichtigkeiten. Der Tausch der Dichtungssatzes dauert rund vier Stunden.
Volvo XC90 (II)
Bauzeitraum: seit 2015 • Motoren: 190 bis 455 PS • Beliebtester Antrieb: D5 mit 224 PS • Preis: ab ca. 22.000 Euro (Laufleistung bis 200.000 km)
Mit deutlich verändertem Design und rund 15 Zentimeter mehr Länge startete 2015 die zweite Generation des XC90. Die Sechszylinder sowie der von Yamaha entwickelte Achtzylinder aus dem S80 fanden erstaunlicherweise keine Verwendung im neuen großen Volvo. Stattdessen kamen Zwei-Liter-Vierzylinder mit verschiedenen Aufladungsstufen bei den Dieseln und Benzinern zum Einsatz.

Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Als Plug-in Hybrid waren bis zu 455 PS möglich (T8 Recharge AWD). Die Teilzeitstromer realisieren den Allradantrieb über die elektrisch angetriebene Hinterachse, den kleinen Diesel D4 mit 190 PS gibt es nur als Fronttriebler.
Schwachstellen: Mit dem SUV bedienen die Schweden alte Volvo-Tugenden: Der XC90 gilt in Sachen Antrieb als ausgesprochen robust. Denn trotz der zum Teil stark aufgeladenen Vierzylinder erwiesen sich die kleinen Triebwerke als sehr verlässlich, selten traten Probleme mit den Steuerketten der Benziner-Triebwerke mit Turbo- und Kompressoraufladung (T6 und T8) auf. Anders das Fahrwerk: Hier kam es häufiger zu Problemen mit der Luftfederung, vor allem die frühen Modelle waren davon betroffen. Software-Updates ließen das zu Beginn anfällige Infotainmentsystem stabiler laufen.
Range Rover Sport (L494)
Bauzeitraum: 2013 bis 2022 • Motoren: 241 bis 575 PS • Beliebtester Antrieb: SDV6/TDV6 und SDV8 • Preis: ab ca. 19.000 Euro (Laufleistung bis 200.000 km)
Der "Range" ist quasi der Urvater aller Luxus-SUV und kam schon 1970 auf den Markt. Mit dem Zusatz "Sport" wuchs er in zweiter Generation im Vergleich zum Vorgänger in Länge und Breite, wog aufgrund der Alubauweise bis zu eine halbe Tonne weniger.

Die zweite Generation des Range Rover Sport wurde zwar größer, war aber dennoch viel leichter als das Vorgängermodell.
Bild: Jaguar Land Rover
Ab etwa 22.000 Euro werden Modelle mit V6-Diesel (306 PS) und weniger als 200.000 Kilometern Laufleistung angeboten. Angesichts der üppigen Ausstattung (Luftfederfahrwerk Serie) und des hohen Neupreises (2015 ab ca. 70.000 Euro) hat der Range Rover Sport einen besonders hohen Wertverlust erlitten.
Schwachstellen: Der V6-Diesel besitzt Lagerschalen, die ab Werk ohne Sicherung im Motorblock verbaut wurden. Mitdrehende Teile können so Motorschäden verursachen. Fachbetriebe verbauen optimierte Schalen mit einer Nut als Drehsicherung. Wichtig: Beim Zahnriemenwechseln (ab 180.000 Kilometer) sollte das Hauptriemenrad mitgetauscht werden, das nicht im Reparatursatz enthalten und gesondert zu bestellen ist.
VW Touareg (7P)
Bauzeitraum: 2010 bis 2018 • Motoren: 204 bis 380 PS • Beliebtester Antrieb: 3.0 TDI mit 204 bis 262 PS • Preis: ab ca. 15.000 Euro (Laufleistung bis 200.000 km)
Aerodynamischer, effizienter und besser vernetzt ging der zweite und viel modernere Touareg an den Start. Volkswagen entschlackte zudem das Motorenprogramm, Ausnahmeantriebe wie der riesige V10-TDI oder der versoffene W12-Benziner wurden aussortiert; nur noch Sechs- und Achtzylinder-Triebwerke kamen bei den Dieseln und Benzinern zum Einsatz.

Viele Besitzer schätzen das Understatement des VW Touareg. Gerade die zweite Generation wirkt bieder, in puncto Leistung und Komfort ist dieser VW allerdings wirklich premium.
Bild: Toni Bader
Dazu gab es erstmals einen Plug-in-Hybrid aus der Kooperation mit Audi (3.0 V6 TSI Hybrid).
Schwachstellen: Die V6-Diesel bis 2014 fielen mit defekten Injektoren auf. Außerdem gab es Ausfälle des Hochdruckkraftstoffpumpensystems. Aufpassen: Startprobleme und ein unrunder Motorlauf sind erste Indizien für Defekte in der Common-Rail-Kraftstoffversorgung.
Besonders günstig angeboten wird der 3,6-Liter-V6-Antrieb, der allerdings hohe Betriebskosten nach sich zieht, da er sehr trinkfreudig ist. Wie für alle großen SUV mit Anhängerkupplung gilt: Wurde er häufig als Zugfahrzeug eingesetzt, ist erhöhter Verschleiß zu erwarten.
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