So harmlos der Wunsch von Kumpel Knud anfangs klingt, so kompliziert entwickelt er sich. Ein C70 soll her. Der ist noch ein echter Volvo mit Fünfzylinder und ein echtes Cabrio mit Stoffdach. Davon aber gerne das Sondermodell Collection mit den auffälligen Sitzen in Toskanabraun. Und am besten mit dem abnehmbaren Hardtop für den Wintereinsatz und einer Anhängekupplung für den kleinen Wohnwagen. Sonst noch was? Das Angebot in deutschen Börsen geht selbst ohne Hartdach und Haken, die sich nachrüsten lassen, gegen null. Doch wozu haben wir freie Grenzen, Euro und Internet? Der Blick in die Niederlande wird zum Volltreffer.
Das titangraue Cabrio steht da, als hätte Knud es schon als Neuwagen konfiguriert. Der erste Kontakt mit dem Autohandel Seldenrijk in Harderwijk kurz vorm IJsselmeer schafft Vertrauen. In solidem Englisch beschreibt der Verkäufer Arjan de Bijl den Zustand, erklärt sich sofort mit einer Reservierung einverstanden. Ein paar Tage später starten wir gen Niederlande. Die 400 Kilometer von Hamburg sind nicht wenig, doch schon Frankfurt wäre weiter gewesen.
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Die Anreise hat sich gelohnt: Der Schwede gefällt

Volvo C70
Die Qualität des Cockpits ist gut. Leder in Toskanabraun war dem "Collection" vorbehalten.
Der erste Eindruck stimmt. Von kleinen Parkplatzkratzern an den Stoßstangen abgesehen, sind dem seltenen Collection-Cabrio seine zwölfeinhalb Jahre kaum anzusehen. Die Ausstattung ist mit elektrischen Sitzen, Klimaautomatik und Dolby-Surround-Anlage (die erste, die es ab Werk in einem Pkw gab) komplett. Auch der Motor startet prompt und glatt, um sofort in das für den Volvo-Fünfzylinder typische rauchige Wummern zu verfallen. Dieser 200-PS-Softturbo ist der ideale Kompromiss zwischen dem etwas schwachbrüstigen Zweiliter mit 163 PS und dem brachialen T5 mit 240 PS, der Kleinholz aus der verwindungsfreudigen Karosserie macht.

Der Mehraufwand beim Import ist minimal

Exportkennzeichen
Für 150 Euro gibt's Exportkennzeichen, die direkt vor Ort er­stellt werden und zwei Wochen gelten.
Probefahrt und anschließende Verhandlungen gleichen denen in einem deutschen Autohaus. Nach Vertragsabschluss aber trumpfen die Niederländer auf: Die für den Export notwendige amtliche Bescheinigung hält das Internet innerhalb von Minuten zum Ausdrucken bereit, die Kurzzeitkennzeichen (150 Euro) macht der Verkäufer selber und vor Ort fertig. Kumpel Knud handelt etwas und zahlt bar. Alternativ wäre auch eine Überweisung vorab möglich gewesen. Zu Hause bekommt der Schwede neuen deutschen TÜV für 100 Euro. Fehlt wie in unserem Fall die COC-Bescheinigung des Herstellers, wird noch ein Datenblatt für 40 Euro fällig. Die deutschen Papiere stellt das Amt bei der Zulassungsstelle aus. Im Internet hat Knud noch eine Bedienungsanleitung auf Deutsch geschossen. Die studiert er jetzt bis zu den ersten offenen Tagen im Frühjahr.
Was bei unserem Testwagen aufgefallen ist, und auf welche Mängel Käufer beim Volvo C70 achten sollten, erfahren Sie in der Bildergalerie. Den vollständigen Artikel mit allen Daten und Tabellen gibt es im Online-Artikelarchiv als PDF-Download.

Bildergalerie

Volvo C70
Volvo C70
Volvo C70
Kamera
Gebrauchtwagen-Import: Volvo C70 im Test

Fazit

Euro, Internet und offene Grenzen machen das frühere Abenteuer "Autokauf im Ausland" zur Routineangelegenheit. Mit Glück winkt ein Schnäppchen oder ein seltenes Modell wie unser C70. Doch auch Betrüger agieren international: Vorsicht ist angesagt.