Gebrauchtwagen: komfortable Kilometerfresser
Sechs besonders komfortable Gebrauchte

Lange Strecken verlieren ihren Schrecken, wenn Sitz, Fahrwerk und Geräuschkomfort stimmen. Genau darauf sind diese Gebrauchten ausgelegt. Hier kommen sechs entspannte Typen – vom Kleinwagen bis zur Luxuslimousine!
Bild: Christoph Boerries
Inhaltsverzeichnis
Leiser Motorlauf, sanfte Gangwechsel und Ruhe bei Autobahntempo – so fühlt sich echter Reisekomfort an. Dazu kommen eine feinfühlig abgestimmte Federung ohne Wankneigung, gut konturierte Sitze mit Langstreckenqualitäten und eine intuitive Bedienung, die nicht vom Verkehrsgeschehen ablenkt. Solche Eigenschaften sind kein Privileg der Oberklasse. Wir zeigen sechs Komfort-Könige aus sechs Fahrzeugklassen.
- Bauzeitraum: seit 2015
- Leistung: 218 bis 507 PS
- Gebrauchtpreis: ab 27.000 Euro
Seit beinahe neun Jahren ist der Audi Q7 im Programm – und keine Ablösung in Sicht. Denn kürzlich stellte Audi ein weiteres Update der Baureihe vor. Der technische Kern bleibt erhalten, Grundlegendes zu verbessern gibt es nicht. Seine Konkurrenten beißen sich bis heute am Ingolstädter Tausendsassa die Zähne aus, Vergleichstests hakt die zweite Generation des Q7 meist als lässiger Sieger ab.
Van-artige Platzverhältnisse, überraschend agile Fahrdynamik, kinderleichte Bedienung und die schlüssige Ergonomie bieten wenig Angriffsfläche. Der beeindruckende Komfort erst recht nicht. Viel Feinschliff steckt in der Abstimmung des Fahrwerks, die meisten Käufer orderten das adaptive Luftfederfahrwerk, das zu Beginn ab 2050 Euro Aufpreis kostete und extrem ausgewogen arbeitet.

Audi Q7: extrem komfortabel dank viel Platz, Top-Verarbeitung sowie hervorragendem Fahrwerk.
Bild: Toni Bader / AUTO BILD
Für 1150 Euro gab es anno 2015 zudem eine Allradlenkung, die den Fünf-Meter-Koloss nicht nur noch agiler macht, sondern auch angenehm handlich. Beeindruckend: Mit einem Innengeräusch-Wert von gerade einmal 67 Dezibel bei 160 km/h befindet sich der Q7 nach wie vor unter den Top Ten der jemals von uns gemessenen Autos – moderne Elektrolimousinen wie ein BMW i5 sind auch nicht leiser.
Schwachstellen: Nicht nur die Gebrauchtpreise sind stabil, auch die Kosten für Reifen- und Bremsverschleiß, Wartung und Ersatzteile sind oberklassig: Die Federbälge der "adaptive air suspension" kosten vierstellig – pro Stück. Fällt die MMI-Bedieneinheit aus, was selten ist, aber vorkommen kann, sind ebenfalls rund 1000 Euro fällig. Bei Angeboten mit mehr als 200.000 Kilometer Laufleistung – nicht selten beim generell robusten 3.0 TDI – unbedingt beachten: Der Tausch der rückseitig verbauten Steuerkette dauert 25 Stunden.
- Bauzeitraum: 2014 bis 2019
- Leistung: 70 bis 207 PS
- Gebrauchtpreis: ab 3500 Euro
Dieser Opel Corsa hat zwei Gesichter. Die Wahl das Radsatzes entschied ab 2014, welches der beiden er offenbarte: Wer den Kleinwagen mit mindestens 17 Zoll großen Rädern orderte, bekam ein Sportfahrwerk unter die Radkästen verbaut. Mit 16-Zoll-Bereifung sind Federn und Dämpfer dagegen viel komfortabler ausgelegt. Ob sportlich oder entspannt, beides beherrscht der Corsa, Letzteres aber außergewöhnlich gut. Selten bei Kleinwagen: Beim stimmigen 1.4er-Benziner mit 90 PS kann man das Schalten einer echten Wandlerautomatik mit sechs Stufen überlassen.

Der Opel Corsa E nutzt die Basis des Vorgängers, wurde aber teils deutlich verbessert. Besonders gelungen: das Fahrwerk.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Die Konkurrenz aus Wolfsburg mag dank DSG effizienter und dynamischer arbeiten, so schön verschliffen wie im Corsa mit Automatik gelingen Anfahren und Gangwechsel da jedoch nicht. Trotz der vergleichsweise günstigen Preise sind Gebrauchte mit umfangreicher Ausstattung leicht zu finden. Auf Lenkradheizung, ein großes Schiebedach, Bi-Xenon-Licht oder hilfreiche Assistenten braucht man beim Corsa nicht zu verzichten.
Schwachstellen: Wie der Vorgänger bleibt auch der Corsa E sensibel, wenn es um das Fahrwerk geht. Lager und Buchsen sind frühzeitig ausgeschlagen. Beim Thema Rost wirkte Generation E allerdings im Gebrauchtwagentest besser konserviert. Vorsicht vor Easytronic-Getrieben: Dabei handelt es sich nicht um die komfortable und robuste Automatik, sondern um ein anfälligeres automatisiertes Schaltgetriebe. Richtig unterdurchschnittlich schneidet der Corsa beim TÜV ab, wenn es um Ölverlust, Lenkgelenke und die Bremse geht. Hebebühnen-Checks sind daher Pflicht vor dem Kauf.
- Bauzeitraum: 2012 bis 2020
- Leistung: 86 bis 245 PS
- Gebrauchtpreis: ab 8000 Euro
Platz schafft Entspannung. Und davon hat der Skoda Octavia jede Menge zu bieten. Obwohl er zur Kompaktklasse gehört, schauen sich Mittelklasse-Besitzer neidisch im großzügigen Innenraum um. Kein Kubikzentimeter der MQB-Plattform wurde verschwendet. Reisen im Octavia mit der Familie? Ein Genuss! Extras wie schlüsselloser Zugang oder Spurhalteassistent gestalten die Sache noch entspannter. Tipp: Mit der Top-Linie "Elegance" besitzt der Octavia zusätzlich clevere Fächer, Klimaautomatik oder die hinteren Parksensoren serienmäßig.

Ein ausgereiftes Kerlchen, dazu gibt es im Skoda Octavia mehr Platz als in mancher Mittelklasse.
Bild: Toni Bader
Wer ein Modell mit dem tollen DCC-Fahrwerk sucht, der findet es erst bei Modellen mit Erstzulassung ab Mitte 2016. Auch Leistung kann Komfort bedeuten, für den 184 PS starken TDI ist nicht zwingend die sportliche RS-Variante erforderlich. Erst ab 150 PS besitzt der Octavia die komfortablere Einzelradaufhängung hinten.
Schwachstellen: Vorsicht bei den Benzinern: 1.8 und 2.0 TSI gehören zur EA888-Motoren-Baureihe. Kolben früher Modelle (ab 2012) dürften noch mit falschen Ölabstreifringen bestückt sein, entwickeln im Alter krassen Ölverbrauch. Auch wenn der 2.0 TSI der Baureihe angehört, gilt spätestens die 190-PS-Variante (ab 2018) als sehr harmonische und standfeste Antriebswahl. Generell verträgt der Octavia hohe Laufleistungen, doch dann unbedingt den Zustand des DSG-Getriebes checken. Die Schaltgabeln sollten bei Gangwechseln immer geräuscharm arbeiten.
- Bauzeitraum: 2008 bis 2017
- Leistung: 109 bis 240 PS
- Gebrauchtpreis: ab 6500 Euro
Den herausragenden Citroën C5 schätzen vor allem Komfort-Liebhaber, denn mit seinem aufwendigen Hydraktiv-System mit hydropneumatischer Federung und automatischer Anpassung der Bodenfreiheit besitzt der C5 nicht nur ein einzigartiges Fahrwerk, sondern auch den wohl flauschigsten Federungskomfort diesseits der Oberklasse. Kleiner Nachteil der entkoppelten Fahrwerksabstimmung: In Kurven neigt sich der Franzose stark, für dynamische Ausflüge ist er nicht zu gebrauchen.

Gemacht für elegantes Reisen: Das optionale Dämmglas senkt das Geräuschniveau im Citroën C5.
Bild: Toni Bader
Klar, dass so ein gelassener Typ mit viel Platz und gemütlichen Sesseln oft auf der Langstrecke eingesetzt wird. Deshalb nicht überrascht sein, wenn man in den Börsen auf Angebote mit mehr als 400.000 Kilometer Laufleistung stößt. Seine Langlebigkeit bewies der C5 auch im AUTO BILD-Dauertest als HDi-Kombi mit 140 PS.
Schwachstellen: Gerade die Federzylinder des Fahrwerks litten oft an Undichtigkeit. Im Dauertest fiel der erste nach rund 60.000 Kilometern aus, der zweite vordere zeigte sich bei Testende ebenfalls verschlissen. Doch Citroën besserte im Laufe der Produktion nach und brachte optimierte Zylinder. Als anfällig gilt der Turbolader des 1.6 THP. Doch die überwiegende Mehrheit der Käufer wählte den 2.0 HDi mit 163 PS oder den 2.2 HDi (170/204 PS). Im Dauertest wurde zudem die lahme elektrische Heckklappe bemängelt sowie leichter Ölverlust am Motor.
- Bauzeitraum: 2012 bis 2017
- Leistung: 142 bis 600 PS
- Gebrauchtpreis: ab 12.000 Euro
Klar kann man den BMW 5er als Oberklasse-Sportler einordnen, schließlich strahlt der M5 als sportliches Topmodell seit 1986 auf die gesamte Baureihe ab. Doch der 5er hat auch eine sanfte Seite. Und die begeistert nicht erst seit der Generation F10 die 5er-Freunde. Was den 5er so komfortabel macht? Eine kurze Erklärung gibt es nicht, beginnen wir also bei der Bedienung. Dank Drehdrücksteller erfordert die besonders wenig Aufmerksamkeit während der Fahrt. Das bereits vom Vorgänger bekannte System wirkt im F10 endlich ausgereift.
Dass der ambitionierte Audi A6 beim ersten Vergleichstest in puncto Dynamik am 5er vorbeizog, überraschte die Tester. Dafür schlug die Stunde des Münchners in der Disziplin Fahrkomfort. Und die ist für eine Business-Limousine doch auch viel wichtiger.

Vor allem mit kleiner Bereifung (17 oder 18 Zoll) und dem Adaptiv-Fahrwerk begeistert der BMW 5er durch viel Komfort.
Bild: Toni Bader
In das Bild des ausgereiften 5er passen die kultivierten Motoren, die aufgrund ihrer guten Effizienz Reichweiten von über 1000 Kilometern ermöglichen. Hinzu kommen die effektive Geräuschdämmung, clevere Assistenten und das optionale Head-up-Display. Für Entspannung sorgt zudem das tolle Scheinwerfersystem mit Kurvenlicht.
Schwachstellen: Auch der F10 krankt an seiner aufwendig konstruierten Vorderachse, die hohen Fehlerquoten beim TÜV belegen es. Zudem fällt er mit erhöhtem Ölverbrauch auf und besteht überdurchschnittlich oft die Abgasuntersuchung nicht. Immerhin liest sich der Rest der TÜV-Bilanz recht positiv. Die N47-Dieselmotoren mit ihrem anfälligen Steuerkettentrieb wurden ab 2014 durch den neu entwickelten B47 abgelöst, überlebten im 520d EfficientDynamics jedoch bis 2017.
- Bauzeitraum: 2013 bis 2020
- Leistung: 231 bis 630 PS
- Gebrauchtpreis: ab 29.000 Euro
Magischen Federungskomfort prognostizierten die Entwickler und brachten in der neuen Mercedes S-Klasse endlich das, was lange nur ein unerfüllter Traum blieb, in einem Lexus-Prototyp aber schon Jahre zuvor für Aufsehen sorgte: Eine Stereo-Kamera scannt den Straßenbelag vor dem Benz und bereitet die Dämpfer auf das vor, was sie in Kürze unter die Räder bekommen, um Stöße und Schwingungen so fast gänzlich zu eliminieren. Ein Technik-Highlight mit dem märchenhaften Namen "Magic Body Control", das in der Praxis weit weniger beeindruckte als beim Lesen der Pressemitteilung. Viel mehr imponiert dafür der Feinschliff des rollenden Edelsteins, denn selbst mit der konventionelleren Airmatic flufft der Zweitonner fast alle Kanten und Buckel glatt.

Bild: Werk
Selbst bei spitzem Kopfsteinpflaster scheint jemand schnell noch eine dicke Dämmmatte zwischen Reifen und Straßenbelag gelegt zu haben. Weil Mercedes auch beim Luftwiderstand viel Grips in die Entwicklung steckte, träumt der Vorstand im Fond selbst bei Tempo 200 ungestört vom nächsten Bonus. Nicht mal Rolls-Royce oder Bentley können das besser.
Schwachstellen: Der hohe Wertverlust stört nur Erstbesitzer. Die sollten die Wartung deswegen nicht vernachlässigt haben. Die V6- und V8-Benziner M 276 und M 278 sind als Steuerketten-Problemkinder bekannt. Sie stecken in den 500er- und 560er-Modellen. Gleiches gilt für den M 157 (S 63 AMG) – die Reparatur verschlingt teilweise fünfstellige Beträge. Vom Panoramadach sind einige Besitzer aufgrund von Windgeräuschen genervt. Klar, wenn es sonst so verdammt leise ist.
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