Wer seinen Gebrauchten beim gewerblichen Händler kauft, profitiert für mindestens ein Jahr von der gesetzlichen Gewährleistungspflicht, der sogenannten Sachmängelhaftung. Kommt es während dieser Zeit zu einem Defekt am Auto, muss der Händler nachbessern, sofern es sich nicht um erwartungsgemäßen Verschleiß handelt.
Beim Privatkauf ist das anders, auch wenn er über eine der großen Onlinebörsen wie mobile.de oder AutoScout24 stattfindet: Private Verkäufer können die Sachmängelhaftung im Kaufvertrag ausschließen. Tritt nach dem Kauf ein Defekt auf, zum Beispiel am Motor oder Getriebe, bleibt der Käufer oft auf hohen Reparaturkosten sitzen, zumal auch die Herstellergarantie – sofern sie überhaupt greift – bei den meisten Gebrauchten bereits abgelaufen ist. Schützen kann man sich vor solchen Kostenfallen mit einer Reparaturkostenversicherung. Doch für wen lohnt sich das, was kostetes, und welche Leistungen sind enthalten? Hier kommen die wichtigsten Infos.

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Was ist eine Reparaturkostenversicherung?

Eine Reparaturkostenversicherung deckt Reparaturkosten an wichtigen Bauteilen wie Motor, Getriebe, Kraftstoffanlage oder auch Bremsen ab. Sie wird in der Regel nicht vom Verkäufer angeboten, sondern der Käufer muss sich selber darum kümmern. Die Leistungen sind je nach Tarif annähernd mit der Garantie eines gewerblichen Gebrauchtwagenhändlers zu vergleichen – der sich vor den Kosten der Garantieleistungen übrigens auch mit einer Versicherung absichert. Mitunter wird für eine Reparaturkostenversicherung auch der Begriff Gebrauchtwagenversicherung oder Gebrauchtwagengarantie verwendet – was allerdings etwas ungenau ist, denn eine Reparaturkostenversicherung kann auch für Neuwagen abgeschlossen werden.

Welche Kosten deckt die Versicherung im Detail ab?

Das hängt vom gewählten Tarif ab. In der Regel kann zwischen drei Tarifen ausgewählt werden: Ein Basistarif deckt die Baugruppen Motor, Schalt-/Automatikgetriebe und Achsgetriebe ab. Ein Komforttarif schließt zusätzlich Baugruppen wie Bremsanlage, Kraftstoffanlage, Lenkung, Elektrik, Abgasanlage, Klimaanlage und Kühlsystem, Kraftübertragungswellen und Fahrdynamiksysteme ein. Meist wird dann noch ein Premiumtarif angeboten, der darüber hinaus zum Beispiel noch Assistenzsysteme absichert. Zwischen Komfort- und Premiumtarif gibt es aber von Anbieter zu Anbieter einige Unterschiede – einzelne Bauteile, die bei Anbieter A bereits mit dem Komforttarif abgedeckt sind, fallen bei Anbieter B in den teureren Premiumtarif. Vergleichen Sie daher die Angebote.

Für wen lohnt sich die Reparaturkostenversicherung?

Das hängt natürlich auch vom persönlichen Sicherheitsbedürfnis und dem vorhandenen Budget ab. Lohnen kann sich die Versicherung vor allem, wenn weder Händlergarantie noch Gewährleistungspflicht gegeben sind, weil das Auto zum Beispiel von privat gekauft wurde, und obendrein auch noch die Herstellergarantie bereits abgelaufen ist. Ebenso für gebrauchte E-Autos, denn bei Stromern sind Reparaturen häufig teurer als bei Verbrennern.
Werkstatt, Hebebühne
Reparaturen an Motor oder Getriebe können sehr teuer werden. Doch Gewährleistung oder Händlergarantie entfallen beim Privatkauf.
Bild: Sandra Beckefeldt / AUTO BILD

Worauf sollte man achten?

Aufs Kleingedruckte. Denn im Detail gibt es zahlreiche Unterschiede zwischen den verschiedenen Anbietern, sodass man vergleichen muss, welches Angebot wirklich am besten passt. Außerdem sollte man genau verstehen, welche Kosten die Versicherung wirklich ab-deckt. Denn natürlich sind die Leistungen begrenzt und einige Reparaturen von vornherein ausgeschlossen. So etwa bei Wartungs- und Verschleißteilen (z. B.Reifen, Bremsbeläge, Motoröl, Scheibenwischergummis), aber auch bei Serienfehlern und Rückrufen. Auch Abschleppkosten werden nicht übernommen. Die Grenze der Entschädigung liegt je nach Anbieter beim Zeitwert des Fahrzeugs oder auch bei 50 Prozent des Zeitwerts. Zudem sind die maximalen Entschädigungssummen je nach Anbieter und gewähltem Tarif begrenzt – sie können von 2500 Euro bei einem Basistarif bis zu 7500 oder auch 10.000 Euro in einem Premiumtarif liegen.
Darüber hinaus fällt auf Materialkosten eine Selbstbeteiligung an, die nach Betriebsleistung der betroffenen Baugruppe gestaffelt ist. Das kann zum Beispiel bedeuten, dass bis 50.000 Kilometer Betriebsleistung die vollen Materialkosten übernommen werden und danach pro weitere 10.000 Kilometer etwa zehn Prozent Selbstbehalt anfallen. Ausgeschlossen sind zudem alle Schäden, bei denen üblicherweise eine Kaskoversicherung oder die Haftpflicht eines Unfallgegners greift (z. B. Unfallschäden oder Brand- und Unwetterschäden). Die Reparaturkostenversicherung ist daher kein Ersatz für eine Kaskoversicherung!

Was kostet die Versicherung?

Die Kosten richten sich nach dem gewählten Tarif und nach der Motorleistung. Für einen VW Golf 1.4TSI mit 122 PS fallen bei garantie-direkt.de im Jahr circa 160 Euro für einen Basistarif und 335 Euro für einen Komforttarif an. Ein Premiumtarif ist deutlich teurer. Für einen Passat 2.0 TSI mit 210 PS beträgt der Beitrag für einen Basistarif etwa 360 Euro, für einen Komforttarif rund 475 Euro.

Welche Anbieter gibt es?

Es gibt nur etwa eine Handvoll Anbieter von Reparaturkostenversicherungen für Privatkunden. Dazu gehört zum Beispiel garantie-direkt.de (Direktvertrieb der DEVK-Tochter Freeyou InsuranceAG), die ihre verschiedenen Tarife gerade nach und nach auch unter der Marke Freeyou anbietet. Die DEVK hat in Zusammenarbeit mit der Freeyou Insurance AG das Produkt "bestGarantie-Auto" im Programm, das einem Premiumtarif entspricht, also sämtliche Baugruppen umfasst. Ein weiterer wichtiger Anbieter ist Rekoga (Versicherungen werden über den Kooperationspartner Europa Versicherungen angeboten), auch die Europa selbst bietet die Reparaturkostenversicherung an.

Muss ich mit meinem Auto vorher zum Check?

Das hängt vom jeweiligen Anbieter ab. Zum Teil ist ein Sicherheitscheck durch einen Kfz-Meisterbetrieb oder ein gerade durchgeführter Inspektions- oder HU-Termin Voraussetzung für den Abschluss der Versicherung. Außerdem beginnt der Versicherungsschutz je nach Tarif erst nach einer Wartezeit von bis zu 60 Tagen. So soll ausgeschlossen werden, dass Schäden bereits bei Vertragsabschluss vorlagen.

Wann kann ich die Versicherung kündigen?

Wie eine Kfz-Versicherung zum Ablauf jedes Jahres und nach einem Schadenfall. Die Kündigungsfrist beträgt vier Wochen. Wird der Vertrag nicht gekündigt, verlängert er sich automatisch um ein Jahr.

Was muss ich im Schadenfall tun?

Informieren Sie Ihre Versicherung, und warten Sie auf eine schriftliche Schadenfreigabe, bevor Sie eine Werkstatt verständigen.

Kann ich die ausführende Werkstatt frei wählen?

Auch das kann je nach Anbieter variieren. Zum Teil wird gefordert, dass es sich bei der Werkstatt um eine Vertragswerkstatt oder zumindest einen Kfz-Meisterbetrieb handelt, zum Teil behält sich die Versicherung auch eine Prüfung der Auswahl des Betriebs vor.

Gibt es auch Reparaturkostenversicherungen für E-Autos?

Ja. Zu beachten ist, dass diese nicht immer auch den Antriebsakku umfassen. garantie-direkt.de etwa versichert ihn bewusst nicht mit, da einerseits die Risiken in Bezug auf den Akku noch nicht verlässlich kalkuliert werden können und andererseits die Garantiezeiten der Hersteller für den Akku in der Regel länger sind als für andere Bauteile. Rekoga/Europa versichern im Premiumtarif auch den Akku – damit der Leistungsfall eintritt, muss sich die zu Vertragsbeginn im Sicherheitscheck festgestellte Ladekapazität um mehr als75 Prozent reduziert haben.

Fazit

Für rund 200 Euro im Jahr lassen sich mit einem Basistarif kostspielige Reparaturen an Motor oder Getriebe absichern. Wer mehr Schutz will, greift zu einem Komforttarif. Ein Premiumtarif bietet sich vor allem für E-Autos an, zum Teil erfordern Stromer auch gesonderte Tarife. Immer ratsam: Die Versicherungsbedingungen genau durchlesen, damit man weiß, was wirklich abgedeckt ist.