Gebrauchtwagenmarkt: Mercedes-Benz 600 SE (W 140)
S-Klasse mit 408 PS für nur 20.000 Euro!

Ausstattung ohne Ende, seltene Farbe und über 400 PS! Aktuell steht diese Mercedes S-Klasse zum Verkauf – für nur 20.000 Euro!
Bild: AutoScout24/Privat
Zwölf Zylinder, 408 PS, kurzer Radstand: Diese S-Klasse (W 140) stammt aus jener Phase, in der Mercedes noch einmal zeigen wollte, was technisch möglich ist. In Rosenheim wird aktuell so ein Exemplar aus dem Jahr 1992 angeboten. Der Preis: 20.500 Euro Verhandlungsbasis. Auf dem Tacho stehen 160.500 Kilometer, HU läuft laut Inserat noch bis April 2027.
Der Reiz dieses Autos liegt nicht nur im Motor, der 600 SE ist die kurze V12-Version des W 140. Davon wurden nach Produktionsdaten nur 3399 Exemplare gebaut.
"Malachitgrün" und dicke Ausstattung
Laut Verkäufer handelt es sich bei dem angebotenen Wagen um einen von nur 67 V12-W-140 in "Malachitgrün". Offiziell kann diese Zahl jedoch nicht bestätigt werden. Diese Angabe sollte sich ein Käufer unbedingt anhand der Datenkarte und der angekündigten VIN-Dokumentation zeigen lassen.
Unabhängig davon lässt die Farbe den W 140 besonders herausstechen: kein Schwarz, kein Silber, kein protziger Auftritt. Sondern eine frühe S-Klasse im besonderen Neunziger-Jahre-Ton.
Auch die Ausstattung ist bemerkenswert. Das Inserat nennt unter anderem Klimaautomatik, elektrisch verstellbare Sitze mit Heizfunktion vorn und hinten, Lederausstattung, Schiebedach, elektrisch verstellbarer Innenspiegel, elektrische Gardinen sowie Soft-Close-Türen.
Gute Geschichte, aber nicht ohne Fragezeichen
Der Wagen soll in Deutschland produziert, aber nicht als US-, Dubai- oder Japan-Import gelaufen sein. Laut Inserat wurde er im Juni 1992 in Madrid erstmals zugelassen, hatte zwei Besitzer, stand rund 15 Jahre in einer Garage und wurde 2024 in Spanien wieder zugelassen. Außerdem verweist der Verkäufer auf ein Serviceheft, einen Nichtraucherzustand, eine nachvollziehbare Laufleistung und diverse erledigte Arbeiten – darunter Öl- und Filterservice, Getriebearbeiten, Handbremsarbeiten, neue Räder und neue Querlenker.
Auf den Bildern fällt am rechten hinteren Seitenteil eine deutliche Schramme auf. Das ist bei einem über 30 Jahre alten Auto kein Drama, aber ein Punkt für die Besichtigung und die Preisverhandlung. Entscheidend ist, ob nur der Lack beschädigt ist oder der Bereich bereits nachlackiert, gespachtelt oder angerostet ist. Gerade beim W 140 lohnt sich ein genauer Blick an Radläufen, Wagenheberaufnahmen, Türkanten und unter den Saccobrettern.
Der W 140 ist nicht unproblematisch
Vom geringen Kaufpreis sollten sich Interessenten aber nicht blenden lassen. Abgesehen von den hohen Unterhaltskosten sind frühe Mercedes der Neunzigerjahre für zerfallende Kabelisolierungen bekannt. Betroffen waren unter anderem W 124, W 140 und W 202 aus den Jahren 1991 bis 1996.

Leder, Holzdekor und viele Spielereien: Diese S-Klasse hat einiges zu bieten, doch mit viel Ausstattung können auch viele Probleme kommen.
Bild: AutoScout24/Privat
Die Isolierung kann mit der Zeit spröde werden, bröseln und Kurzschlüsse oder schwer greifbare Motorprobleme verursachen. Typische Folgen: Startprobleme, unrunder Leerlauf, Aussetzer, schlechte Gasannahme oder Fehlzündungen. Beim V12 ist das Thema besonders teuer, weil schlicht mehr Technik verbaut ist. Laut Verkäufer wurden bei diesem Exemplar die Kabelbäume durch neue Exemplare von Kurth Classics ersetzt. Ein wichtiger Pluspunkt, aber kein Freibrief.
Dann sind da noch die Motorsteuergeräte: Beim M120-V12 arbeitet die Motorsteuerung bankweise. Vereinfacht gesagt hat der Zwölfzylinder zwei Seiten, die jeweils überwacht und angesteuert werden. In Unterlagen zur Mercedes-Motorsteuerung werden für die Zwölfzylinder-Systeme LH-SFI/ME-SFI separate linke und rechte Komponenten aufgeführt; im Teile- und Reparaturumfeld ist häufig von LH1 und LH2 die Rede. Fällt eine Seite aus, kann der V12 im Extremfall nur noch auf einer Bank laufen. Dann bleibt vom 600 SE gefühlt ein schwerer Sechszylinder übrig.
Das sollten Interessenten bei einer Besichtigung beachten
Deshalb gehört zur Besichtigung unbedingt ein Kaltstart, ein Warmstart, eine längere Probefahrt und ein sauberer Diagnosecheck. Der Motor muss gleichmäßig anspringen, stabil im Leerlauf arbeiten, sauber hochdrehen und darf weder Aussetzer einzelner Zylinderbänke noch ASR-, LH- oder Drosselklappen-Probleme zeigen. Auch Verteilerkappen, Zündgeschirr und Kerzen sind beim M120 keine Nebensachen. Der Verkäufer nennt neue Verteilerkappen und neue Zündkerzen; auch dafür sollten Rechnungen vorliegen.
Und grundsätzlich gilt natürlich: Wenn bei einem Oldtimer so viel Technik verbaut ist, ist das Risiko eines Schadens entsprechend höher. Natürlich sind nicht alle Reparaturen zwingend für den normalen Betrieb nötig, doch besonders bei einer alten S-Klasse können schon vermeintlich kleinere Probleme tief ins Portemonnaie greifen.
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