General Motors verhökert die eigene Geschichte
Alles muss raus!

General Motors braucht Geld. So dringend, dass der US-Riese sich sogar von seinen Museumsfahrzeugen trennt. Das Tafelsilber wird versteigert – der Ausverkauf einer amerikanischen Ikone.
Bild: Volker Corell
- Jörg Maltzan
"Thirtyfive two" – nur 35.200 Dollar! Kenneth Mueller springt aus dem Stuhl, dreht sich zu seinem Kumpel und klatscht ihm seine Pranke auf die Hand: "Gimme five! Das ist mein Tag, meine Altersversorgung. Der ist das Zehnfache wert." Ungläubig schüttelt er den Kopf, unterschreibt einen Zettel – und ist Besitzer eines Cadillac Typ 57 Victoria von 1918. Auf der Auktionsbühne steht derweil das nächste Schnäppchen, ein 1960er Chevrolet Impala. Zum Ersten, zum Zweiten und zum Dritten. Rums! Verkauft. Für 24.200 Dollar. Der üppig verchromte Heckflossen- Straßenkreuzer mit Panoramascheiben und nur wenigen Meilen auf dem Tacho kostet umgerechnet 18.500 Euro. Fachleute hatten den perfekt erhaltenen Chevy zuvor auf 65.000 Euro taxiert. Irgendwo rechts im riesigen Versteigerungszelt ertönt ein Jubelschrei: Yes, nur 24.200! Billiger wird’s nie wieder.
Schlecht für GM, gut für Käufer: Billiger wird es nie wieder
Normalerweise sind Oldies wie ein 1968er Pontiac Catalina Cabrio oder Buick Series 60 von 1955 viel, viel teurer. Schlecht für GM, gut für Käufer. Das hier ist nämlich kein normaler Oldtimerhändler, sondern die Barrett-Jackson-Versteigerung in Scottsdale, Arizona. Bei der einwöchigen Auktion für Sammlerautos landen 1000 seltene Modelle unter dem Hammer. 235 davon stammen direkt aus dem GM-Museum in Detroit. So weit ist es also gekommen: Der bis vor Kurzem größte Autobauer der Welt verkloppt sein Tafelsilber. Die Entscheidung fiel kurzfristig. Nichts ist mehr tabu, auch nicht die eigene Geschichte. Ein trauriger Vorgang. Etwa so, als würde Mercedes seine Silberpfeile und Flügeltürer über die Resterampe schieben. GM braucht Geld. So dringend, dass der klamme Konzern im Dezember um 13,4 Milliarden Dollar Notkredit bei den US-Steuerzahlern betteln musste. Jetzt steht fest: Das reicht nicht.
"Als würde die Luftwaffe ihre Geheimwaffen verkaufen"

Bild: Volker Corell
Als Auktionsanheizer später die Corvette als wichtiges Stück GM-Historie anpreisen, stampft Mauzy zur Bühne. Mit glasigem Blick verfolgt er die Gebote. Sie kommen zäh: 50.000, 65.000, 70.000 Dollar. Viel zu wenig, findet der Mann mit dem Hammer. Ölbaron Mauzy kriegt schließlich den Zuschlag – bei 71.500 Dollar. Einmal in Fahrt, nimmt er die violette ZR1 von 1989 gleich auch noch mit. Hammerpreis: 44.000 Dollar. "GM fehlt die Liebe zu ihren Autos. So etwas darf man eigentlich nicht verkaufen", sagt er und geht zurück zur VIP-Bar. Das Bier ist kalt, die Stimmung unter den Bietern gut, und der Geldbeutel sitzt locker: 1954er Oldsmobile – 33.000 Dollar, Chevy-Caprice-Feuerwehrauto – 5720 Dollar, Indy 500 Cadillac Pacecar – 62.700 Dollar. Schlag auf Schlag, alle drei Minuten ein Auto. Für Pflege und Transport eines Ausstellungsstücks wendet General Motors rund 2000 Dollar pro Jahr auf; macht zwei Millionen für den Gesamtbestand. "Diese Kosten wollen wir reduzieren", rechtfertigt Museumsmanager Greg Wallace den Abverkauf.
Die Auktion brachte General Motors circa 6,9 Mio. Euro

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