Genesis Magma Racing holt sich Erfahrung von Motorsport Legende
Mit 81 im Le-Mans Hypercar

Generationen-Experiment im Genesis: Renn-Legende Jacky Ickx wagt sich ans Steuer.
Bild: Genesis
- ABMS
Jacky Ickx (81) ist 60 Jahre nach seinem ersten Start bei den 24h von Le Mans zurück im Cockpit: Im Vorfeld des Langstreckenklassikers an der Sarthe dreht der langjährige Rekordsieger einige Runden im neuen Hypercar von Genesis Magma Racing.
Für Hyundais Luxus-Ableger ist die Ikone aus Belgien als Berater und Markenbotschafter tätig. Doch bei schönen PR-Worten belässt es Ickx nicht, auch mit 81 Jahren macht er sich lieber selbst ein Bild: „Es bietet mir die Chance, in der Gegenwart zu leben und in Aktion zu bleiben“, sagt der sechsfache Le-Mans-Sieger, der trotz seiner glorreichen Karriere nur ungern in Erinnerungen schwelgt: „Ich bin nicht nostalgisch in Bezug auf meine Vergangenheit, bei mir zu Hause steht kein einziger Pokal!“
Helmdesign-Hommage rührt Ickx
Als ihn das Team zur Testfahrt allerdings mit einer dunkelblau-weißen Speziallackierung überrascht, als Hommage an sein ikonisches Helmdesign, wird Ickx dann doch emotional. Sobald es aber um das moderne Lenkrad geht, sind die wässrigen Augen schnell wieder passé. „Wir hatten damals überhaupt nur drei Anzeigen im Auto: Drehzahl, Öl und Benzin. Ich habe also gleich gesagt: Erzählt mir bitte nichts von den ganzen Knöpfen, die verwirren mich nur. Ich weiß, wo die Schaltwippen sind, das ist alles, was ich brauche.“

Genesis-Stammpilot André Lotterer (links, 44, Duisburg) schaut Jacky Ickx über die Schulter.
Bild: Genesis
Das anschließende Fazit des Generationen-Vergleichs fällt schnörkellos aus: „Es gibt nur eine Antwort, die ich geben kann: Es ist wie Tag und Nacht, man kann es nicht vergleichen“, sagt Ickx. „Verglichen mit dem, was ich kannte, ist es viel, viel komplizierter. Zwar ist es immer noch Wettbewerb, aber die Fahrzeuge und der Rennsport, den wir heute sehen, haben nichts mit der Welt zu tun, aus der ich komme.“ Auch, weil der Belgier findet: „Langstrecke ist heute keine Langstrecke mehr. Für mich stimmt der Name nicht mehr, es ist mehr ein Sprint, die ganze Zeit Vollgas.“ Er stamme eben aus einer anderen Epoche des Motorsports, sagt der Mann, der sich selbst als „Dinosaurier“ bezeichnet: „Aus dieser Ära sind nur noch sehr wenige übrig“, lächelt Ickx im Gespräch mit AUTO BILD.
Genesis Magma Racing setzt auf Ickx – Erfahrung für die Sportwagen-WM
Bei Genesis Magma Racing, dem Neueinsteiger in der Sportwagen-WM, ist man umso glücklicher, noch ein solches Ur-Exemplar in den eigenen Reihen zu wissen: „Ich schätze es extrem, mit so einer Legende zusammenzuarbeiten, die so viel Ahnung von Motorsport hat und genau weiß, worauf es ankommt“, erklärt Teamchef Cyril Abiteboul (48): Ickx sei „ein Sparringspartner, jemand, bei dem ich immer ein offenes Ohr finde.“

Nach der Ausfahrt ist Ickx zu Scherzen aufgelegt: „André ist glücklich, weil sein Auto noch in einem Stück ist“.
Bild: Genesis
Denn Genesis hat binnen kurzer Zeit Großes vor: In nur knapp 500 Tagen ab Projektbeginn hat man ein wettbewerbsfähiges Rennteam aus dem Boden gestampft, will ab 2027 neben der Sportwagen-WM WEC auch in der nordamerikanischen IMSA an den Start gehen. „Ende nächsten Jahres würden wir gerne um Siege kämpfen“, gibt Abiteboul die Losung aus. Ob er Ickx’ Absage da mit einkalkuliert hat? Der sagt nämlich: „Ich fahre nächstes Jahr keine Rennen …“ (fh)
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