Von Asphalt über Matsch und Waldboden bis hin zu Sand und Schotter – Gravelbikes sind für den Einsatz auf unterschiedlichsten Untergründen gebaut. Dabei spielt der Gravelbike-Reifen als direkte Verbindung zur Fahrbahn eine entscheidende Rolle für Grip, Komfort und Sicherheit. Ein guter Gravelreifen muss vielseitig einsetzbar sein und in mindestens einem Bereich Spitzenleistungen liefern.
Das Angebot am Markt ist groß: Es reicht von schmalen Allroad-Slicks für schnelle Touren bis hin zu breiten, extrem robusten Profilreifen, die beinahe Mountainbike-Charakter haben. Besonders beliebt ist aktuell die Kategorie der 40-mm-Gravelreifen für 28-Zoll-Felgen, oft mit einem ausgewogenen Mischprofil. Diese Dimension gilt als optimaler Kompromiss zwischen Rollwiderstand, Pannenschutz und Traktion – ideal für den Allround-Einsatz auf dem Gravelbike. Genau deshalb hat sich der AUTO BILD-Gravelreifen-Test auf diese Reifengröße konzentriert.

Gravelreifen (40 Millimeter) im Test

#Getestete ProduktePreisTestnote
1.
Testsieger
SCHWALBE G-One R
72,90 EUR
1,3 (sehr gut)
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2.
PIRELLI Cinturato Gravel M
60 EUR
2,0 (gut)
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3.
Preis-Leistungs-Sieger
TUFO Gravel Thundero
43,90 EUR
2,3 (gut)
4.
ZIPP G40
76 EUR
2,3 (gut)
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5.
CONTINENTAL Terra Trail
57,90 EUR
2,4 (gut)
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6.
WTB Nano
62,95 EUR
2,4 (gut)
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7.
MICHELIN Power Gravel
58,95 EUR
2,6 (befriedigend)
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8.
PANARACER Gravelking SK Plus
52,95 EUR
2,6 (befriedigend)
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9.
CHALLENGE Getaway
77,90 EUR
3,1 (befriedigend)
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10.
MAXXIS Rambler
59,90 EUR
3,3 (befriedigend)
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Sieger (2022) im Gravelreifen-Test von BIKE BILD

Schwalbe G-One R

Schwalbe

G-One R

1,3 (sehr gut)
  • Pro IconDurchschlagschutz
  • Pro IconPannenschutz
  • Pro IconPerformance
  • Contra IconPreis
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Fazit: Klarer Testsieger! Schwalbes Race-Reifen performt in allen Kategorien überdurchschnittlich gut. Aufgrund des Top-Pannenschutzes nicht nur eine gute Wahl am Renntag, sondern auch im täglichen Gebrauch sehr belastbar. Einziges Manko: der hohe Preis.

Preis-Leistungs-Sieger (2022) im Gravelreifen-Test von BIKE BILD

Tofu Gravel Thundero

Tofu

Gravel Thundero

2,3 (gut)
  • Pro IconRollwiderstand
  • Pro IconDichtigkeit
  • Pro IconPreis
  • Contra IconDurchschlagschutz
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Fazit: Der Gravel Thundero rollt auf dem Niveau der Klassenbesten, ohne dass die Hausaufgaben beim Pannenschutz und bei der Abdichtung vergessen wurden. Angesichts dieses Preises fragen wir uns: Warum mehr für einen Gravelreifen ausgeben?

So haben wir getestet

Unseren Gravelreifen-Test haben wir in Kooperation mit Schwalbe an deren Firmensitz in Reichshof durchgeführt. Für den Rollwiderstandstest lief der Reifen über eine Messtrommel auf einer Felge mit 25 Millimeter Innenweite, bei 2,5 Bar Luftdruck (tubeless) und 50 Kilogramm Gewichtslast. Um die Anfälligkeit für einen Durchschlag (Snakebite) zu bewerten, wurde der Reifen im Schlauchbetrieb dreimal von einem herabfallenden Keil attackiert. Je tiefer der Keil fallen musste, um den Schlauch zu perforieren, desto besser die Reifenstabilität.
Die Pannenschutzwertung ist das Ergebnis von drei Messungen, bei denen eine Nadel und eine Klinge in Lauffläche und Seitenwand gebohrt wurden. Je größer der notwendige Kraftaufwand zum Durchbohren, desto besser der Pannenschutz. Um zu messen, wie gut die Reifen dichthalten, haben wir alle Muster mit 60 Milliliter Dichtmilch befüllt, montiert, eingewalkt und mit 3 Bar Ausgangsdruck 24 Stunden hängen lassen. Der Druckverlust nach dieser Zeit gibt Auskunft über die Dichtigkeit. Ganz subjektiv haben wir die Montage getestet: Redakteur und Labortechniker haben alle Reifen montiert und die technische Herausforderung sowie den notwendigen Krafteinsatz bewertet.

Gravelreifen (40 mm) im Test

Gravelreifen (40 mm) im Test
Preis
72,90 Euro
60 Euro
43,90 Euro
76 Euro
57,90 Euro
62,95 Euro
58,95 Euro
52,95 Euro
77,90 Euro
59,90 Euro
Gewicht
495 Gramm
537 Gramm
430 Gramm
491 Gramm
465 Gramm
499 Gramm
484 Gramm
460 Gramm
462 Gramm
438 Gramm
Gemessene Breite
39,7 Millimeter
39,6 Millimeter
40,7 Millimeter
40,8 Millimeter
40,5 Millimeter
41 Millimeter
41 Millimeter
38,2 Millimeter
41 Millimeter
40,6 Millimeter
Rollwiderstand
★★★★★★★★★
★★★★★★★
★★★★★★★★★
★★★★★★★
★★★★★★★
★★★★★★
★★★★★★★★
★★★★★
★★★★★★★★★
★★★★★★★
Durchschlagschutz
★★★★★★★★★★
★★★★★★★★★★
★★★★★
★★★★★★★★★
★★★★★
★★★★★★★★★★
★★★★★★★★★
★★★★★★★★★★
★★★★★★★★★
★★★★
Pannenschutz
★★★★★★★★★★
★★★★★★
★★★★★★★
★★★★★
★★★★★★★
★★★★★★★★
★★★★★★
★★★★★★★★
★★★★★★★
★★★★★
Dichtigkeit
★★★★★★★★★
★★★★★★★★★
★★★★★★★★★★
★★★★★★★★
★★★★★★★★★★
★★★★★★★
★★★★★★
★★★★★★
★★★★★
★★★★★★★★★★
Montage
★★★★★★★★
★★★★★★★
★★★★★★★
★★★★★★★★★
★★★★★★★★
★★★★★★
★★★★★★
★★★★★★
★★
★★★★★
Summe
46
39
38
38
37
37
35
35
32
31
Note
1,3
2,0
2,3
2,3
2,4
2,4
2,6
2,6
3,1
3,3
Fazit
Klarer Testsieger! Schwalbes Race-Reifen performt in allen Kategorien überdurchschnittlich gut. Aufgrund des Top-Pannenschutzes nicht nur eine gute Wahl am Renntag, sondern auch im täglichen Gebrauch sehr belastbar. Einziges Manko: der hohe Preis.
Pirellis Cinturato verfolgt einen anderen Ansatz als Schwalbes G-One R. Der Italiener rollt auf glatter Oberfläche träge, das Profil ist eindeutig für grobes Gelände ausgelegt. Kommt der schwerste Reifen im Test erstmal ins Rollen, zeigt er kaum Schwächen.
Der Gravel Thundero rollt auf dem Niveau der Klassenbesten, ohne dass die Hausaufgaben beim Pannenschutz und bei der Abdichtung vergessen wurden. Angesichts dieses Preises fragen wir uns: Warum mehr für einen Gravelreifen ausgeben?
Ohne überragende Performance-Werte rollt der Zipp-Reifen nach vorn. Dank der einfachsten Montage und des guten Durchschlagschutzes ist der G40 unser Tipp für alle, denen Tubeless noch nicht ganz geheuer ist und die lieber mit Schlauch fahren.
Trotz der hauseigenen ProTection-Einlage schafft unser Continental-Kandidat es nicht, beim Pannenund Durchschlagschutz wichtige Punkte zu sammeln. Der Platz im Mittelfeld ist verdient, viel falsch machen kann man mit dem Terra Trail nicht.
Lange Zeit waren die beliebten WTB-Reifen relativ pannenanfällig. Das hat sich mit Einführung des SG2- Pannenschutzes merklich gebessert – gut so! Der grobe Nano, ein Klassiker im Sortiment, ist nach wie vor ein Tipp für matschiges und steiniges Gelände.
Michelins Problem ist nicht, dass der Power Gravel ein schlechter Reifen wäre – die anderen sind nur einfach besser. Wer das Modell auf seinem Rad fährt, kriegt viel Durchschlagschutz geboten. Dennoch ist der Power Gravel für viele nicht die erste Wahl.
Der Gravelking ist in der Gravelszene Liebling der Kenner, auf unserem Prüfstand indes kein Gewinner. Der steife Reifen sorgt für guten Durchschlagschutz, andererseits leidet die Montage. Trotz der feinen Noppen ist der Reifen bei Weitem nicht der schnellste.
Beim Rollwiderstand ist der Getaway der beste, auch der Durchschlagschutz ist auf Topniveau. Probleme bereitete der Reifen bei der Montage. Planen Sie daher beim Kauf ein großzügiges Trinkgeld für Ihren Radmechaniker oder aber viel Arbeitszeit ein.
Für das geringe Gewicht zahlt Maxxis einen hohen Preis – der Schutz vor Pannen und Durchschlägen ist nicht der beste. Gravelbiker, die selten unter Pannen leiden, dürften mit dem zügigen, leichten und gut abgedichteten Rambler aber gut klarkommen.

Labortests wichtiger Bestandteil

Unseren Vergleichstest haben wir im Reifenlabor von Schwalbe vorgenommen. Nur unter kontrollierten Bedingungen und strenger Aufsicht von Redakteur und Techniker lassen sich reproduzierbare und aussagekräftige Ergebnisse erzielen. Insbesondere beim Thema Pannenschutz ist eine Vergleichbarkeit in der Praxis unmöglich. Ob man mit einem bestimmten Reifen häufiger eine Panne hat, hängt von der Umgebung ab, in der man fährt, und vom Glück oder Pech des jeweiligen Fahrers.
Störfaktoren, die die Klinge auf dem Prüfstand eliminiert. Auch der Durchschlagstest, der einen sogenannten Snakebite simulieren soll, lässt sich nur im Labor seriös durchführen. Ein interessanter Teil des Tests war auch die Luftdruckmessung im Tubeless-Betrieb beziehungsweise die Abdichtung im genormten Set-up über mehrere Tage. Für die Praxistauglichkeit vieler Gravelbiker ein entscheidender Faktor, schließlich unternehmen viele Biker Mehrtagestouren, auf denen nicht immer eine große Pumpe bereitsteht. Und im täglichen Pendelbetrieb haben viele schlicht keine Lust, jeden Tag nachzupumpen.

Performance und Montage

Klar, nicht nur die Alltagstauglichkeit ist wichtig für Gravelbiker, sondern auch die Performance. Der Rollwiderstandstest gibt Aufschluss darüber, wie effizient der Pneu abrollt. Nicht in die Wertung aufgenommen, aber ausgewiesen, haben wir den Punkt Gewicht. Wenngleich es auch im Gravelbereich Leichtbau-Enthusiasten gibt, beweisen unsere Daten, dass der Rollwiderstand der wesentliche Faktor ist, wenn es ums Fortkommen geht. Der beste Reifen nützt Ihnen nichts, wenn Sie ihn nicht auf das Rad oder im Fall einer Panne von der Felge ziehen können. Deshalb haben wir auch die Montage in unsere Bewertung aufgenommen. Qualität hat ihren Preis, viele der 40-Millimeter-Reifen sind ohne Online-Rabatt daher sehr teuer – mit einer erfreulichen Ausnahme.