Der Camper-Hype ist ungebrochen. So sind nach Angaben des Caravaning Industrie Verbandes (CIVD) allein in diesem Jahr (2024) bisher rund 60.000 Wohnmobile neu zugelassen worden. Rastanlagen an deutschen Autobahnen haben diesen Trend aber offenbar verpasst. So hat der ADAC nun bereits zum zweiten Mal rund 80 Raststätten auf ihre Campertauglichkeit hin überprüft. Dabei herausgekommen sind eklatante Mängel in Bezug auf Angebote für Wohnmobil- und Gespannfahrer.
Zum Beispiel gibt es auf keiner der untersuchten Rastanlagen Camping-Service. Reisemobilisten können an deutschen Raststätten also weder Frischwasser tanken noch Grauwasser entsorgen oder die Toilettenkassette reinigen. Auch CEE-Steckdosen für eine zwischenzeitliche Stromversorgung sucht man an deutschen Autobahnen vergebens.

Rastplätze: selten eigene Parkflächen für Camper, kein Strom, kein Frischwasser

Hinzu kommt: Nur wenige Anlagen haben eigene Parkflächen für Camper. Zwar können Fahrer eines durchschnittlich großen Wohnmobils auch Pkw-Parkflächen nutzen, allerdings ist das Rangieren mit einem sechs Meter langen und mehr als 2,30 Meter breiten Kastenwagen auch für geübte Camper kein Kinderspiel. Große Wohnmobile oder Gespanne haben es noch schwerer.
Nach Angaben des ADAC haben gerade mal ein Viertel der untersuchten Raststätten eigene Parkflächen für Camper. Das umfasst allerdings auch Flächen, die sich die Reisemobilisten mit Lkw teilen müssen. Darüber hinaus ist es oftmals schwierig, die ausgewiesenen Parkplätze überhaupt zu finden. So sind die Parkflächen häufig schlecht oder gar nicht ausgeschildert.

E-Autos müssen Wohnwagen oft abkuppeln

Auch bei der Ladesituation für E-Autos auf Rastanlagen ist noch Luft nach oben. So ist es für Gespannfahrer oftmals schwierig oder gar unmöglich, das Zugfahrzeug zu laden, ohne den Caravan abzukoppeln. Ein kurzer Tankstopp wird dadurch zu einem Riesenaufwand. Lediglich in Hessen auf der Anlage Werratal Süd an der A4, in Mecklenburg-Vorpommern an der Raststätte Lindholz an der A20 und in Sachsen auf der Anlage Auerswalder Blick Süd an der A4 können Fahrer von Caravan-Gespannen längs parken und müssen ihren Wohnwagen nicht abkoppeln.
Bei der steigenden Zahl an Campern in Deutschland wünscht sich der ADAC eine deutlich bessere Versorgung auf deutschen Raststätten. "In anderen Ländern, vor allem in der Schweiz, finden Camper an Autobahnen ein weitaus besseres Angebot vor", sagt ADAC-Camping-Experte Martin Zöllner.