Bernd Mayländer weiß, wie es geht. Er ist in der Formel 1 der Fahrer des Safety Cars. Er rückt aus bei Unfällen in der Motorsport-Königsklasse, aber auch bei extremen Wetterbedingungen. Mayländer ist daher der ideale Experte, wenn es darum geht, wie man auf herbstlichen Straßen gelassen bleiben und sicher ans Ziel kommen kann.
Sein wichtigster Grundsatz-Tipp: Immer aufmerksam sein und mit allem rechnen. Das bedeutet zunächst: Keine zu große Ablenkung durch Bord-Infotainment, Mitfahrer oder gar das Handy.
"Zu oft lassen wir uns durch die Routine einlullen und entwickeln ein trügerisches Sicherheitsgefühl", weiß der Rennstrecken-Profi. "Dann halten wir zum Beispiel nicht genügend Abstand zum vorausfahrenden Fahrzeug - aber gerade dieser Sicherheitsabstand kann in einer kritischen Situation den entscheidenden Unterschied ausmachen."

Aquaplaning: Wenn das Auto buchstäblich schwimmt

Derart vorausschauendes Fahren hilft beispielsweise, die Gefahren durch das so genannte Aquaplaning möglichst gering zu halten. "Je früher ich sehe, dass vor mir die Straße mehr als nur nass ist, umso besser kann ich darauf reagieren", erklärt Mayländer. Am wichtigsten: runter mit der Geschwindigkeit. Denn: "Bremsen und Lenken sind dann schwierig, weil die Räder keine gute Verbindung zum Asphalt haben. Wenn ich aber schon vorher die Geschwindigkeit reduziert habe, kann das helfen, damit die kritische Situation gar nicht erst entsteht."
Auch die Reifen sind wichtig, damit es beim Fahren zu keinen bösen Überraschungen kommt.
Bild: Toni Bader
Auch der Reifenzustand und vor allem die Profiltiefe spielen beim Thema Aquaplaning eine Rolle. "Die Erfahrung aus dem Rennsport ist, dass Reifen ohne Profil praktisch kein Wasser ableiten können. Da ist es schon schwierig, auf nasser Strecke überhaupt geradeaus zu fahren", so Mayländer.

Reifenzustand und Profiltiefe wichtig

Ähnlich ist es mit dem normalen Pkw auf der Straße: Je besser das Reifenprofil, umso eher bleiben die Räder bei Nässe lenkfähig und können auch Bremskräfte besser übertragen. "Wir müssen uns klarmachen, dass die Reifen unsere einzige Verbindung zur Straße sind, und deshalb auf das Profil, auf den Luftdruck und auf den Reifenzustand insgesamt achten", sagt der Experte.
Ein weiterer Appell ist Bernd Mayländer außerdem besonders wichtig: Er warnt Autofahrer vor blindem Vertrauen auf die im Fahrzeug verbauten Sicherheitssysteme. "Natürlich verhindert beispielsweise ESP bei 'normaler' Fahrt zuverlässig, dass das Fahrzeug ins Schleudern kommt. Aber die Gesetze der Physik kann auch das beste System nicht außer Kraft setzen. Das heißt: Wenn ich extrem fahre, fliege ich auch mit ESP von der Straße." Für viel zu hohe Geschwindigkeiten ließen sich solche Systeme gar nicht auslegen, erklärt der Safety-Car-Fahrer.