Honda Civic: Gebrauchtwagen-Test
Im Check: Sechs Jahre alter Civic für 17.000 Euro
Gebrauchter Honda Civic im Test
Sportlich ging die zehnte Generation des Honda Civic ab 2017 ins Rennen. Wie schlägt der Kompakte sich gebraucht?
Bild: AUTO BILD
Bei Triebwerken sollte Honda so schnell niemand etwas vormachen. Die japanische Marke ist in Stückzahlen der Motorenbau-Weltmeister – und pflegt seit Jahrzehnten den Ruf solider und innovativer Fahrzeuge. Die hierzulande von Anfang 2017 bis Mitte 2022 angebotene zehnte Civic-Generation blieb dennoch stets ein Exot.
Unser Testwagen stammt von Honda-Händler Hansen aus dem schleswig-holsteinischen Braack bei Hamburg und wurde im März 2017 erstmals zugelassen. Neu kostete er inklusive generöser Elegance-Ausstattung, Metalliclackierung und Anhängerkupplung rund 26.750 Euro. Jetzt wären noch 17.777 Euro fällig. In schickes Brilliant-Sporty-Blau gehüllt sieht man dem Elegance-Modell seine sechs Jahre nicht an.
Der im englischen Werk Swindon vom Band gelaufene Schrägheck-Civic wirkt noch immer sportlich, ist in Designfragen deutlich gefälliger als sein bemüht-futuristischer Vorgänger. Doch bei Kompakten geht es natürlich nicht nur um die Optik, sondern primär um die inneren Werte. Für seine Fahrzeugklasse ist das Format des Civic riesig.
Honda Civic gebraucht: Raumgefühl erinnert an einen Mittelklässler
Die Kombination aus einer Fließheckkarosserie mit 4,52 Meter Fahrzeuglänge und einem Radstand von 2,70 Meter sorgt erwartungsgemäß für viel Bewegungsfreiheit. Vorne erinnert das Raumgefühl eher an Mittelklässler. Die sportlich-niedrige Sitzposition auf den straffen Polstern passt größeren und kleineren Fahrern. Auf den hinteren Sitzplätzen berührt trotz abfallender Dachlinie selbst bei 1,85 Meter Körpergröße der Scheitel nicht den Innenhimmel.

Civic-Innenraum: Angenehm reduziertes, fahrerorientiertes Cockpit. Digitale Instrumente, gute Haptik.
Bild: Christoph Boerries / AUTO BILD
Dem logisch aufgebauten Cockpit gelingt der Spagat aus digitalen Instrumenten und klassischem, schalterbasiertem Bedienkonzept für alle wesentlichen Funktionen. Japanisch vollständig ist die Komfortausstattung: Multifunktionslenkrad, Zwei-Zonen-Klima, Touch-Infotainment mit DAB-Radio, Navigationsfunktion, induktive Smartphone-Ladefunktion sowie Sprachsteuerung und Sitzheizung sind mit an Bord. Die Verarbeitung wirkt insgesamt routiniert, ist aber nicht in allen Details perfekt.
Sechsgang-Schaltgetriebe rastet leicht und präzise
Überbetont dynamisch ist der Fahreindruck. Das manuelle Sechsgang-Schaltgetriebe rastet leicht und präzise, die variabel übersetzte Lenkung arbeitet insgesamt sehr direkt, das Fahrwerk erweist sich als ziemlich trocken abgestimmt, funktioniert aber nach wie vor geräuschlos. Gegen Aufpreis war der Civic auch mit adaptiven Dämpfern erhältlich, die bei Defekt aber teuer kommen (pro Dämpfer vorn ca. 550 Euro).
2017 erreichte der Civic volle fünf Sterne im Euro-NCAP-Crashtest. Honda spendierte zudem ungewöhnlich viele serienmäßige Schutzengel: Kollisionswarner, Spurassistent, Bremsassistent, adaptiver Tempomat, Fernlichtassistenz und Verkehrszeichenerkennung fahren immer mit. Zur Kompensation der mäßigen Übersicht nach hinten gibt es außerdem eine nur durchschnittlich auflösende Rückfahrkamera.
Technische Daten
Honda Civic 1.0 Elegance | |
|---|---|
Motor | Dreizylinder/vorn quer |
Ventile/Nockenwellen | vier pro Zylinder/2 |
Hubraum | 988 cm³ |
Leistung | 95 kW (129 PS) bei 5500/min |
Drehmoment | 200 Nm bei 2250/min |
Höchstgeschw. | 203 km/h |
0-100 km/h | 10,9 s |
Tank/Kraftstoff | 46 l/Super |
Getriebe/Antrieb | Sechsgang man./Vorderrad |
L/B/H | 4518/1799/1434 mm |
Kofferraumvolumen | 478-1267 l |
Leergewicht/Zuladung | 1275/500 kg |
Wie gut sind Pflegezustand und Langzeitqualität? Gravierende Steinschläge und Dellen sind bei dem penibel gemäß Scheckheft gepflegten Exemplar nach 59.126 Kilometern kein Thema. Und auch die Verfassung des Unterbodens überzeugt uns. Die Bodengruppe zeigt sich erfreulich immun gegen Rost, auch Achsen und Auspuffanlage sind fit.
Wir entdecken lediglich einen kleineren Bordsteinschaden an einer schwarz lackierten 17-Zoll-Alufelge und mittlerweile sechs Jahre alte Reifen. Kleinere Abzüge gibt es außerdem für die schlecht sitzenden Fensterschachtleisten, die nicht sonderlich strapazierfähigen Sitzpolster und die seltsam verwitterten Blinkleuchten.
Vorsicht bei frühen Exemplaren des 1.0-Motors
Und wie gut steht der Antrieb noch da? Selbst das 129 PS starke Ein-Liter-Basistriebwerk wird dem sportlichen Charakter des Civic gerecht. Der Dreizylinder klingt kernig und hält subjektiv absolut ausreichende Kraftreserven bereit. Vorsicht ist allerdings bei frühen Exemplaren des 1.0-Motors (interner Code P10A2) geboten: Ein scharfkantiges Kurbelwellenzahnrad kann für Riemenschäden sorgen, was verstopfte Ölbohrung und in der Konsequenz Kurbelwellenlagerschäden zur Folge haben kann.
Spürbar forscher und problemloser erweist sich der 182 PS starke 1,5-Liter-VTEC-Turbomotor. Er reicht für Acht-Sekunden-Sprints auf 100 km/h und Spitzentempo 220. Auch solvente Fans hat Honda bedacht: 320 PS leistet das gebraucht mindestens 33.000 Euro teure Spitzenmodell Type R. Letzteres macht aus dem Kompakten ein rundstreckentaugliches Spoilermonster. Exotenstatus hat die von 2018 bis 2019 angebotene Diesel-Variante 1.6 i-DTEC. Sie leistet 120 PS und 300 Newtonmeter.
Unterhaltskosten
Testverbrauch | 6,2 l S/100 km |
|---|---|
CO2 gem. NEFZ-Zyklus | 117 g/km |
Inspektion | 280-450 Euro |
Haftpflicht (16)* | 489 Euro |
Teilkasko (24)* | 622 Euro |
Vollkasko (22)* | 952 Euro |
Kfz-Steuer (Euro 6) | 50 Euro |
Ersatzteilpreise*
Lichtmaschine | 1502 Euro |
|---|---|
Anlasser | 1074 Euro |
Wasserpumpe | 418 Euro |
Zahnriemen | 858 Euro |
Haupt- und Nachschalldämpfer | 821 Euro |
Kotflügel vorn links, lackiert | 1172 Euro |
Bremsscheiben und -klötze v. | 491 Euro |
Infotainmentbildschirm | 1408 Euro |
Sommerreifen (235/45 R 17 W) | 540 Euro |
Turbolader | 2352 Euro |
Querlenker vorn links | 383 Euro |
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