Honda CR-V: Dauertest
Note 2+ für den Vollhybrid-Honda CR-V e:HEV
Honda CR-V e:HEV AWD im Dauertest
Unser Dauertest-Vollhybrid Honda CR-V e:HEV AWD ist am Ziel. Um es vorwegzusagen: Er hat nicht in allen Lebenslagen vollkommen überzeugt. Aber bei der Zerlegung beeindruckt er uns trotz Rostansätzen mit seiner Verschleißfestigkeit.
Bild: AUTO BILD
Seit die Japaner die Lust am unruhigen Diesel-Markt (ohnehin eine europäische Spezialität) verloren haben und auf Vollhybride setzen, stehen die Marken aus Nippon vor einem Problem: Wie umschiffen wir die Patente des Hybridpioniers Toyota wie das Planetenradgetriebe? Die Lösung von Honda ist zumindest originell. Sie kennt drei Betriebszustände: Der CR-V e:HEV fährt bei Stadttempo elektrisch los, der Ladungsvorrat des kleinen 1,5-kWh-Akkus reicht aber nur bis zum nächsten Häuserblock.
Die Hybrid-Technik funktioniert ohne Zicken
Anschließend, oder bei kräftigem Beschleunigen, geht die Steuerung in Betriebsmodus zwei. Das hört man, denn jetzt erwacht der Benziner rumorend (oft kritisiert im Fahrtenbuch) und fungiert als Stromaggregat, ohne die Räder direkt anzutreiben. Die werden weiter elektrisch bewegt, mit dem vom Benziner produzierten Strom. Im Honda-Sprech: Hybrid Drive.

Keine Hektik, bitte – der CR-V ist komfortbetont. Auf Reisen gilt: je tempolimitierter das Land, desto besser der Honda.
Bild: Olaf Itrich
Ab 80 km/h bis circa 120 km/h schaltet der schlaue Antrieb in den dritten Modus Engine Drive. Jetzt schnappt eine Kupplung zwischen Benziner und Antriebsachse zu; der E-Motor wird abgetrennt. Das SUV fährt jetzt unter Verbrenner. Das tut es in einem günstigen Drehzahlbereich, sodass Honda auf ein herkömmliches Getriebe (und teure Toyota-Patente) verzichten kann.
Technische Daten
Motor | Vierzylinder, vorn quer |
|---|---|
Hubraum | 1993 cm3 |
Systemleistung | 135 kW (184 PS) bei 6200/min |
max. Drehmoment | 315 Nm bei 4000/min |
Antrieb | Allradantrieb/e-CVT |
Leergewicht | 1743 kg |
Zuladung | 532 kg |
Kofferraum | 497–1638 l |
Höchstgeschwindigkeit | 180 km/h |
Verbrauch | 6,9 l S/100 km (WLTP) |
Abgas | CO2 163 g/km (WLTP) |
Bei noch schnellerer Fahrt schaltet das System zurück in Betriebszustand zwei, mit dem Benziner als permanent laufendem Reichweitenverlängerer. Unsere Erfahrungen damit sind zwiespältig: Was komplex klingt, funktioniert bis Testende ohne Zicken. Nur ist bei deutschem Autobahntempo jeder Verbrauchsvorteil dahin.
Messwerte
bei Testbeginn | bei Testende | |
|---|---|---|
Beschleunigung | ||
0–50 km/h | 3,7 s | 3,6 s |
0–100/-130 km/h | 9,0/15,1 s | 8,8/15,0 s |
0–160 km/h | 27,2 s | 28,4 s |
Zwischenspurt | ||
60–100 km/h | 4,5 s | 4,5 s |
80–120 km/h | 6,4 s | 6,3 s |
Bremsweg | ||
aus 100 km/h kalt | 39,5 m | 40,1 m |
aus 100 km/h warm | 38,2 m | 38,9 m |
Innengeräusch | ||
bei 50 km/h | 55 dB(A) | 55 dB(A) |
bei 100 km/h | 62 dB(A) | 62 dB(A) |
bei 130 km/h | 67 dB(A) | 67 dB(A) |
Testverbrauch – CO2 | 7,0 l S – 166 g/km | 7,0 l S – 166 g/km |
Es ist spürbar, dass der e:HEV primär für den wichtigen US-Markt und den Heimatmarkt Japan (Tempolimit: 100 km/h) gemacht ist. Für Länder mit gleichmäßig trägem Verkehr also. Im hektischen Deutschland mit häufigen Tempowechseln wird der Antrieb laut, und sonderlich effizient arbeitet er dann auch nicht mehr. Das zeigt die Differenz zwischen dem Testverbrauch in unserer Standard-Verbrauchsrunde (7,0 l/100 km) und dem weit Autobahn-lastigeren Dauertestverbrauch von 9,1 Litern.
Kosten
Betriebskosten/Garantien (Fixkosten pro Jahr) | |
|---|---|
Haftpflicht 16 (100 %, SF 5)* | 382 Euro |
Vollkasko 22 (500 € SB, SF 5)* | 861 Euro |
Teilkasko 23 (150 € SB, SF 5)* | 479 Euro |
Kfz-Steuer (Euro 6dISC-FCM) | 197 Euro |
Kraftstoffkosten für 100 229 km | |
9395,15 Liter Super (= 9,4 l/100 km) | 16.692,05 Euro |
Motoröl-Nachfüllbedarf 4,2 Liter | 92,11 Euro |
Inspektionskosten (inklusive Ölwechsel) | |
20.000 km | 283,62 Euro |
40.000 km | 357,95 Euro |
60.000 km | 201,98 Euro |
80.000 km | 580,07 Euro |
100.000 km | 452,35 Euro |
Reifenkosten (inklusive Montage) | |
Sommerreifen 235/60 R18 (Bridgestone Dueler H/L) | 655 Euro |
Winterreifen 235/60 R 18 (Michelin Pilot Alpin 5) | 852 Euro |
Preise/Wertverlust | |
Testwagenpreis 10/21 (inkl. Extras) | 47.850 Euro |
Aktueller Neupreis (inkl. Extras)** | 57.190 Euro |
Schätzpreis 02/24 | 25.150 Euro |
Wertverlust des Testwagens | 22.000 Euro |
Gesamtkosten für zweieinhalb Jahre | |
auf 100.229 km | 22.692,99 Euro |
Kosten pro km | 0,23 Euro |
Kosten pro km mit Wertverlust | 0,45 Euro |
Komfortables Fahrwerk, bequemen Sitze, viel Platz im Fond
Wer den kultivierten Diesel älterer CR-V kennt (2005 bis 2016), trauert selbigem nach, wenn er der rumorenden Sänfte e:HEV lauschen muss. Denn der Benziner jault oft ohne erkennbaren Anlass auf, jubelt hoch in absurd hohe Drehzahlregionen. Das Eigenleben des Hybridantriebs lässt sich im Zentralinstrument verfolgen – mit der Gefahr, dass dem Fahrer schwindlig wird, so wild zappt er seine Betriebsmodi durch. Tröstlich: Soeben ist der CR-V der Serie sechs erschienen, und Honda hat erkennbar an Geschmeidigkeit und akustischer Beruhigung des Hybridantriebs gearbeitet.

Laderaum: Wir staunen, was in den Honda alles hineinpasst.
Bild: Olaf Itrich
Die Dynamiker unter den Kollegen schimpfen viel im Fahrtenbuch ("Viel Lärm und kein Vortrieb!"); wer sich einlässt auf den eigenwilligen Gesellen, lobt meist die gefühlvolle Lenkung, den Fahrwerkskomfort, die bequemen Sitze, den Platz im Fond und den großzügigen Laderaum. Dem AUTO-BILD-Klassik-Kollegen Frank B. Meyer sind einige versteckte gute Lösungen aufgefallen: "Die Sitzheizung denkt mit und legt nach einer Pause mit offenen Türen im Winter automatisch einen Scheit drauf. Die Windschutzscheibe ist unter den Wischern beheizbar. Auch das Brillenfach im Dachhimmel mit Innenraumspiegel ist eine nette Idee."
Wertung
Zuverlässigkeit | Anzahl | Fehlerpunkte |
|---|---|---|
Liegenbleiber | 0 x 15 | 0 |
Motor-/Getriebeschaden | 0 x 15 | 0 |
Defekte Antriebs-/Funktionsteile | 0 x 5 | 0 |
Zusätzlicher kurzer Werkstattbesuch | 0 x 3 | 0 |
Zusätzlicher mehrtägiger Werkstattaufenthalt | 0 x 5 | 0 |
Defekte und Sonderarbeiten (Radio/Navi/Flüssigkeiten etc.) | 0 x 2 | 0 |
Defekte Kleinteile (Lampen etc.) | 0 x 1 | 0 |
Langzeitqualität (aus Demontage) | ||
Karosserie (Konservierung, Lack, Teppiche, Verkleidungen) | 0–5 | 5 |
Motor (Leistung, Dichtigkeit, Ablagerungen, Laufspuren) | 0–5 | 1 |
Getriebe (Dichtigkeit, Abrieb, Zustand, Kupplung) | 0–5 | 0 |
Abgasanlage (Zustand, Kat, Aufhängung, Abschirmbleche) | 0–5 | 0 |
Fahrwerk (Achsen, Federung, Lenkung, Befestigung) | 0–5 | 0 |
Elektrik (Kabel, Stecker, Steuergeräte, Sicherungen) | 0–5 | 0 |
Alltagswertung/Fahren | ||
Ergibt sich aus den Eintragungen im Fahrtenbuch | 0–10 | 3 |
Gesamtpunkte | 9 | |
Note | 2+ |
In der Stadt spüren wir wieder den Entwickler-Fokus auf den US-Markt: 1,86 Meter Breite – muss der so fett sein? Die auch nicht beengte Serie zwei von 2001 war volle sieben Zentimeter schlanker. Rostansätze nehmen bei unseren Dauertestwagen wieder zu, auch dieser hier zeigt sie – offenbar eine Folge der Verwendung aggressiver, flüssiger Sole durch die Winterdienste; in Österreich kommt ein Teufelszeug namens Kalziumchlorid hinzu. Beides klebt am Auto, eine Unterbodenwäsche nutzt wenig. Da nicht neu, sollten auch die Japaner dieses Problem auf dem Schirm haben und die Hohlräume besser schützen. Fehlt uns der Honda? Ja, denn er hat uns entspannt. Seine Eigenwilligkeit kann man mögen.
Das sagt der Hersteller
... zum nicht wirklich niedrigen Autobahnverbrauch: Unser Multi-Mode-Drive ist optimiert für typische Pendlerfahrten im Alltag. Im Gegensatz zu anderen europäischen Ländern sind in Deutschland weit über 120 km/h erlaubt – der von Ihnen ermittelte Verbrauch entspricht unseren Erwartungen.
... zu den Korrosionsansätzen und dem offenbar fehlenden Hohlraumschutz des CR-V: In Relation zu Alter und Fahrleistung ist das im von uns erwarteten Rahmen. Ein sofortiger Handlungsbedarf besteht nicht. Unsere umfangreiche Garantie gibt unseren Neuwagenkunden Sicherheit.
... zum Faltenwurf des Fahrersitzbezugs: Den Verschleiß sehen wir angesichts der Laufleistung und der Vielzahl der Testfahrer ebenfalls auf akzeptablem Niveau.
Fazit
Die Haltbarkeit der Mechanik dieses Honda beeindruckt: Lange haben wir keine derart sauberen Kolben und Ventile mehr gesehen! Verbrauchsvorteile entfaltet sein Hybridsystems aber nur bei ruhiger Fahrweise. Sein größter Feind ist der Rost – dessen Ansätze nehmen in unseren Dauertests generell wieder zu. Gegen die zunehmend verwendeten, aggressiven Salze hilft nur besserer Hohlraumschutz, bitte ab Werk!
Service-Links


















