Hymer ML-T 570 Xperience: Test
Hymer ML-T 570 Xperience im großen Alltagscheck

Hymer legt die beliebte Baureihe ML-T als Sonderedition auf und geizt dabei weder mit Technik noch Ausstattung. Erfreulich: Mit Heckantrieb bleibt der Sprinter trotz All-inclusive-Paket unter der 3,5-Tonnen-Gewichtsmarke.
Bild: Sven Krieger
- Daniel Eilers
Wir leben in einer Welt der Kompromisse. Alles kann, nichts muss. Bei Wohnmobilen ist das nicht anders – nach oben sind den Wünschen kaum Grenzen gesetzt. Das Problem dabei ist nur, dass mit jedem weiteren verlockenden Häkchen auf der Ausstattungsliste das Fahrzeuggewicht schnell ansteigt. Solange der sinnvolle EU-Vorstoß, Wohnmobile bis 4,25 Tonnen freizugeben, nicht in nationales Recht überführt ist – realistisch dürfte das noch bis zu drei Jahre dauern –, bleibt die Gewichtsfrage ein zentrales Thema. Viele Fahrzeuge stoßen schneller an ihr zulässiges Gesamtgewicht, als ihren Besitzern lieb ist.
Die eigentliche Kunst bei der Entwicklung von 3,5-Tonnen-Fahrzeugen besteht derzeit also darin, den idealen Sweet Spot zwischen Ausstattung, Komfort und Gewicht zu treffen. Genau dieser Spagat gelingt dem ML-T, den Hymer als Sonderedition Xperience auf Sprinter-Basis auf die Räder gestellt hat, bemerkenswert gut. Man bekommt ein stimmig gestaltetes Fahrzeug mit nahezu allen Annehmlichkeiten, die man sich wünschen kann – und das im Fall unseres Testwagens bei einem Gewicht von nur 3047 Kilogramm. Damit bleiben immerhin rund 400 Kilogramm Zuladung. Für zwei Personen sollte das reichen, mit jeder weiteren Reisebegleitung wird es allerdings enger. Auch wenn Hymer mit dem ML-T nah dran ist, gelingt der perfekte Ausgleich zwischen Komfort und Gewicht nicht ganz.

Der 10,25 Zoll große Touchscreen des MBUX-Systems ist zentral im Cockpit positioniert.
Bild: Sven Krieger
Kompromisslos gut ist hingegen die Verarbeitung unseres 128.685 Euro teuren ML-T. Das Interieur mit Leder- und Stoffelementen, Flächen in Holzoptik und Filzapplikationen im Heck dürfte Jung und Alt ansprechen. Das zum Verwechseln echt wirkende Fliesen-Imitat in der Küche zeigt Liebe zum Detail. Besonders gelungen ist das Lichtkonzept mit hellen zentralen Spots und indirekten Lichtleisten, deren Leuchtstärke und Farbe sich über die Hymer-Connect-App fein justieren lassen. Vor allem beim Wohlfühlfaktor spielt der ML-T spürbar in seiner eigenen Liga. Umso spannender ist der Blick auf das, was er im Detail noch zu bieten hat.
Hymer ML-T 570 Xperience mit 6,74 Metern Länge
Das ist er: Ein halbwegs kompakter Teilintegrierter auf Mercedes-Sprinter-Basis. Der ML-T misst 6,74 Meter in der Länge und bleibt mit einer Aufbaubreite von 2,20 Metern angenehm schlank. Beim 417 CDI mit 170 PS muss man zugunsten der 3,5-Tonnen-Grenze mit Heckantrieb statt Allrad leben. Beim größeren ML-T-Bruder 580, der 24 Zentimeter länger ist, gelingt das 3,5-Tonnen-Kunststück nicht mehr.
Unser Testfahrzeug kam dann noch mit Klapp-Heckleiter und Dachreling, die in der Xperience-Edition aber nicht Serie sind. Ebenfalls mit an Bord: das MBUX-Infotainmentsystem von Mercedes. Zur Xperience-Edition gehören serienmäßig die kernige Fahrerhauslackierung in Grau sowie die Streifenbeklebung. Weitere Annehmlichkeiten unseres Testwagens waren das 9-Stufen-Automatikgetriebe und eine nützliche Rückfahrkamera.

Die Leder-Stoff-Kombi wirkt wertig; die L-Sitzgruppe ist großzügig.
Bild: Sven Krieger
Im Innenraum folgt der Grundriss einer bewährten, alltagstauglichen Logik mit hochwertigen Oberflächen: Wer durch die Aufbautür einsteigt, hat linker Hand direkt die Küche, gegenüber schließt die L-förmige Sitzgruppe mit Zweierbank an. Sie verfügt über zwei Dreipunktgurte und höhenverstellbare Kopfstützen; für mehr Reisekomfort lassen sich nach Abnahme des Polsters links ein Teil des Längsschenkels wegklappen sowie der Tisch verschieben, damit der dort sitzende Passagier die Beine ausstrecken kann. Dahinter liegt das Vario-Bad, im Heck folgen zwei Längseinzelbetten, die sich mit wenigen Handgriffen zu einer rund zwei Meter breiten Liegewiese verbinden lassen. Die von beiden Seiten zugängliche Heckgarage darunter bietet reichlich Stauraum.
Das hat er: Eine Markise, 93-Liter-Kraftstofftank, Dieselheizung und 32-Zoll-TV zählen zu den Annehmlichkeiten an Bord. Im Innenraum zeigt sich Hymer von Designelementen inspiriert, die man bereits vom Venture S kennt: Wände in Holzoptik, heller Boden in Betonoptik, Lederschlaufen an den Softclose-Schränken und ein gerundeter Tisch in Bambusoptik. Die edle Leder-Stoff-Kombination Moreno kostet 2990 Euro Aufpreis.

Trotz der Breite von "nur" 2,20 Metern bleibt genug Bewegungsfreiheit, auch für ein entspanntes Miteinander an Bord.
Bild: Sven Krieger
Im Eingangsbereich bündelt Hymer Connect die Steuerung von Licht, Heizung und weiteren Bordfunktionen. Viel Tageslicht bringt das Dachfenster über der Küche mit Dometic-Dreiflammkocher, mattschwarzen Armaturen und Rückwand in Fliesenoptik. Hinzu kommt ein großer Dometic-Kühlschrank mit beidseitig zu öffnender Tür und Eisfach. Das Variobad bietet eine schnell einsatzbereite Dusche und auch großen Menschen gute Stehhöhe. Im Schlafbereich sorgen 60 Zentimeter Kopffreiheit für ein angenehm luftiges Raumgefühl.
So fährt er: In nur einem Wort: butterweich. Denn Mercedes-typisch ist das Fahrverhalten stark auf Komfort ausgelegt. Der 170 PS starke Turbodiesel bietet Kraft und Gelassenheit. Die 9-Stufen-Automatik wechselt die Gänge dezent und geschmeidig. Wind- und Fahrgeräusche halten sich während der Fahrt angenehm zurück.
Der Sprinter bringt zudem eine Vielzahl an Fahrassistenzsystemen mit, darunter den praktischen Abstandsassistenten, der auf Autobahnfahrten eine echte Erleichterung ist. Ebenfalls eine Klasse für sich sind neben dem durchdachten MBUX-System die bequemen Mercedes-Sitze, die sich dem Rücken passgenau anschmiegen – auch wenn sie sich fürs Wohnen etwas hakelig drehen lassen. Aber Obacht: Der kurze Radstand und die gute Übersicht können dazu verleiten, den Überhang zu unterschätzen. Umso besser, dass neben dem MBUX-System auch eine Rückfahrkamera beim Xperience serienmäßig an Bord ist.
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