Hyundai Bayon: Gebrauchtwagen-Test
Pragmatisch und klug

Vom SUV-Boom möchte der kleine Hyundai Bayon ein Stückchen abhaben. Wir klären Stärken und Schwächen des Gebrauchten.
Bild: AUTO BILD/Christoph Börries
Ganz schön unübersichtlich wirkt inzwischen manchmal die Flut gebrauchter SUV-Modelle. Wer urban lebt, kompakt denken muss und trotzdem etwas Überblick schätzt, dem raten wir, an den Hyundai Bayon zu denken. Der Koreaner ist seit 2021 am Start und füllt geschickt die Lücke zwischen i20 und Kona aus.
Er ist kein echter Geländegänger, aber ein massentauglich verpackter Typ ohne Allüren. Und damit für viele eine mögliche pragmatische Antwort auf zuletzt unangenehm gestiegene Preise und oft genug arg enge Parklücken. Als Gebrauchter findet man ihn bei Händlern meist mit moderaten Laufleistungen und in der Regel noch in der Hersteller-Restgarantie. Wäre der Bayon ein guter Fang oder doch nur hochbeiniges Kleinwagen-Allerlei?
Klassischer Vertreter der City-SUV-Klasse
Das ist er: Als klassischer Vertreter der City-SUV-Klasse zielt der Bayon auf den Massengeschmack. Mit 4,18 Meter Länge bleibt er handlich, wirkt durch seine erhöhte Bodenfreiheit aber erwachsener als ein i20. Er steht auf der gleichen Plattform, bietet Front- statt Allradantrieb, vorn MacPherson-Federbeine und hinten eine einfache Verbundlenkerachse – was solide und langfristig kostengünstig, weil wartungsarm sein dürfte. Optisch setzt der Bayon auf klare Kanten, hohe Gürtellinie und geteilte Leuchtgrafiken. Einzig die avantgardistische Heckform mit durchgezogenem LED-Band sorgt für soliden Wiedererkennungswert.
Wichtig für Freunde aktueller Auto-Mode: Das 2024er Facelift brachte nach nur drei Jahren eine modernisierte Front mit flachem Lichtband und neuer Schürze. Innen überrascht der Bayon mit großzügigem Raumkonzept. Der Zustieg gelingt bequem, die Sitzposition ist dezent erhöht, das angenehm traditionelle Cockpit übersichtlich. Selbst im Fond gibt es ausreichend Platz für zwei Jugendliche, nur die Kopffreiheit überzeugt nicht voll.

Bereits 2021 hat der Bayon den Trend zu kleinen SUV aufgegriffen. Sein unaufgeregter Charakter und die gute Effizienz des Hybrids machen ihn interessant.
Bild: AUTO BILD/Christoph Börries
Das Gepäckabteil bietet laut Hersteller 411 Liter, bei umgeklappter Rückbank 1205 Liter (Hybrid mit Akku unter dem Kofferraumboden 334 bis 1128 Liter), was starke Zahlen für das Segment sind. Die Zielgruppe lässt sich verhältnismäßig schnell und gut umreißen: junge Familien, Stadt-Land-Pendler sowie praktisch denkende Menschen.
Je nach Ausstattungslinie von günstig bis bezahlbar
Das hat er: Hyundai positionierte den Bayon je nach Ausstattungslinie von günstig bis bezahlbar, doch selbst die Basisversion Pure beinhaltet Klima, Radio und ein Sicherheitsgrundpaket. Der Select lockt mit Alurädern, Rückfahrkamera und digitalem Kombiinstrument. Der Trend hat zusätzlich mindestens LED-Licht sowie Sitz- und Lenkradheizung. Die Topversion Prime lässt mit Navigationssystem, Voll-LED und fast allen in dieser Fahrzeugklasse erwartbaren Assistenzsystemen kaum Wünsche offen. Neben Notbremsassistent, Spurhalte- und Aufmerksamkeitswarner gibt es optional Totwinkel- und Querverkehrsassistent.
Technische Daten
1.2 MPI | 1.0 T-GDI | 1.0 T-GDI 48V-Mildhybrid DCT | |
|---|---|---|---|
Motor | Vierzylinder/vorn quer | Dreizylinder/vorn quer | Dreizylinder-Mildhybrid/vorn quer |
Ventile/Nockenwellen | 4 pro Zylinder/2 | 4 pro Zylinder/2 | 4 pro Zylinder/2 |
Hubraum | 1197 cm³ | 998 cm³ | 998 cm³ |
Leistung | 62 kW (84 PS) bei 6000/min | 74 kW (100 PS) bei 4500/min | 88 kW (120 PS) bei 6000/min |
Drehmoment | 118 Nm bei 4200/min | 172 Nm bei 1500/min | 200 Nm bei 2000/min |
Höchstgeschwindigkeit | 165 km/h | 183 km/h | 185 km/h |
0–100 km/h | 13,5 s | 10,7 s | 10,4 s |
Tank/Kraftstoff | 40 l/Super | 40 l/Super | 40 l/Super |
Getriebe/Antrieb | 5-Gang man./Vorderrad | 6-Gang man./Vorderrad | 7-Gang-DCT/Vorderrad |
Länge/Breite/Höhe | 4180/1775/1490 mm | 4180/1775/1490 mm | 4180/1775/1500 mm |
Kofferraumvolumen | 411-1205 l | 411-1205 l | 334-1128 l |
Leergewicht/Zuladung | 1045/535 kg | 1095/535 kg | 1145/535 kg |
Anhängelast (gebremst/ungebremst) | 910/450 kg | 1100/450 l | 1110/450 kg |
Die Verarbeitung ist ordentlich, manches Detail aber sichtbar dem Kostendruck geschuldet. Die Bedienung gelingt recht intuitiv, das Infotainmentsystem funktioniert meist solide, Apple CarPlay und Android Auto sind sauber integriert. Die Smartphone-Ladeschale funktioniert nicht immer ganz zuverlässig.
Verlässlicher Begleiter im Alltag
So fährt er: Im Alltag zeigt sich der Bayon als verlässlicher Begleiter. Seine Lenkung arbeitet leichtgängig, das Fahrwerk straff, aber nicht unkomfortabel. Schlaglöcher gibt er schon mal spürbar weiter, nach 70.000 Kilometern polterte nichts. Motorisch dominieren zwei Versionen: der 1,2-Liter-Vierzylinder mit 84 PS als knauserig-müder Einstieg und der 1,0-T-GDI-Dreizylinder mit 100 oder 120 PS, teils mit 48-Volt-Mildhybridtechnik. Letzterer ist empfehlenswert, wirkt recht kultiviert, ist ausreichend kräftig und dank Turbo lebendig. Das manuelle Sechsganggetriebe schaltet sauber, der 7-Gang-Doppelkuppler arbeitet grundsätzlich flüssig, nur bei Stop-and-Go teils ruckelig.
Gefällt uns
- Überzeugendes Raumangebot
- Lange Garantien
- Beachtlicher möglicher Assistenzumfang
Gefällt uns nicht
- Recht kostspielige Verschleißteile
- Phlegmatischer Basisbenziner
- Gut ausgestattet nicht billig
Auf der Autobahn läuft der Bayon bis 130 km/h angenehm. Darüber steigt der Geräuschpegel spürbar an, was auf Langstrecken nerven kann. In der Stadt fühlt sich das kleine SUV ohnehin am wohlsten. Dort ist es übersichtlich, wendig und leicht zu parken. Und der Verbrauch? Der liegt erfreulich niedrig: Der 1,0-T-GDI mit 100 PS benötigt rund 6 Liter Super. Beim 48-Volt-Mildhybrid fällt dieser Wert im Stadtverkehr oft geringer aus.
Das macht Ärger: Hyundai gewährt fünf Jahre Herstellergarantie ohne Kilometerbegrenzung, inklusive Lackgarantie. Gegen Durchrostung garantiert Hyundai zwölf Jahre Sorgenfreiheit. Die Mobilitätsgarantie ist auf 15 Jahre erweiterbar. Empfindlich ist die Sensorik und Kalibrierung der Assistenzsysteme. Die Antriebe nerven teils mit Start-Stopp-Problemen, bei hohen Laufleistungen sind Injektordefekte möglich. Vereinzelt machen die Turbolader Probleme. Die Bremse ist nicht sonderlich standfest ausgelegt. Beim Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) sind für den Bayon zwei Rückrufe hinterlegt.
Unterhaltskosten
Hyundai Bayon 1.0 T-GDI 48V Hybrid DCT | |
|---|---|
Testverbrauch | 6,1 l S/100 km |
CO2 gem. WLTP-Zyklus | 124 g/km |
Inspektion | 300-550 Euro |
Haftpflicht (16)* | 574 Euro |
Teilkasko (23)* | 804 Euro |
Vollkasko (19)* | 1169 Euro |
Kfz-Steuer (Euro 6) | 70 Euro |
Ersatzteilpreise*
Lichtmaschine | 1066 Euro |
|---|---|
Anlasser | 664 Euro |
Wasserpumpe | 420 Euro |
Zahnriemen | entf., Steuerkette |
Nachschalldämpfer | 638 Euro |
Kotflügel vorn links, lackiert | 1341 Euro |
Bremsscheiben und -klötze v. | 1036 Euro |
Infotainmenteinheit | ab 2500 Euro |
Sommerreifen (195/55 R 16 H) | 700 Euro |
Service-Links

























