Hollywoods Schuh-Guru entwirft Pumps für H&M, Star-Designer Pininfarina den Hyundai Matrix. Ist das eine Qualitäts-Garantie oder doch nur stylisch verpackte Normalo-Technik?
Hat Ihre Frau neulich auch die Nerven verloren? Samstagmorgen, es nieselt, es ist kalt, vor H&M tobt der größte Zickenkrieg der Stadt. Hunderte Frauen wollen Pumps von Jimmy Choo, für 99 Euro. Klappergestelle aus den Klatschspalten wie Victoria Beckham tragen so was. Nun auch Ihre Frau? Schicke Designerware von der Stange. H&M kennt sich damit aus. Schon Karl Lagerfeld und Roberto Cavalli entwarfen Kollektionen, die der schwedische Moderiese zum Dumping-Preis verkauft hat. So was gibt’s auch im Autobau. Glauben Sie nicht? Nehmen wir mal Pininfarina. Die italienische Designschmiede hat Herz-Schmerz-Autos wie den Ferrari 612 Scaglietti entworfen oder den Maserati Quattroporte. Und auch – jetzt kommt’s – den Hyundai Matrix.
Gewöhnungsbedürftig: Armaturentafel mit Kombiinstrument in Wagenmitte.
Bild: Sven Krieger
Matrix? Genau, das ist der kleine rote Kerl, der da vor H&M parkt, direkt neben dem stylishen Jimmy-Choo-Schuh. Wir müssen Ihnen den Wagen so zeigen, denn nur so sehen Sie die unverwechselbare Linie des Koreaners. Pininfarina muss das Modellauto im Studio mit der Laubsäge bearbeitet haben, auf jeden Fall erinnert der Matrix mit der tiefen Einkerbung zwischen A- und C-Säule irgendwie an eine Badewanne. Da können Sie sagen, was Sie wollen. Von 2001 bis 2008 haben die Koreaner den Matrix so gebaut. Dann, im März letzten Jahres, kam der Nachfolger. Dunkle Folie kaschiert die Stufe in der Seitenfensterlinie. Pininfarina steht nicht mehr drauf. Was der Matrix nach einigen Jahren so taugt? Auf jeden Fall ist er günstig, schon für weniger als 3000 Euro gibt’s den kleinen Familienvan. Er spielt in der Opel-Mariva-Liga, in der die Autos vier Meter kurz sind, um die 100 PS haben und eine verschiebbare Rückbank für mehr Flexibilität. Bleibt zu klären, ob der Hyundai auch so gut ist wie der Opel.
Die Probefahrt von AUTO BILD
Dauerläufer: Der 1.6er hält – aber auf Zahnriemen achten.
Bild: Sven Krieger
Unser Testwagen: Er ist rot und glänzt wie eine Speckschwarte: Den Matrix 1.6 GLS aus Baujahr 2003 finden wir im Autopark Hamburg. 106.000 km stehen auf der Uhr, die Service-Intervalle wurden eingehalten, als Extra hat sich der Erstbesitzer das Klimapaket inklusive Fernbedienung für die Zentralverriegelung gegönnt. Winterreifen auf Stahlrädern, Sommerreifen auf Alu und ein Navi sind im Preis von 4950 Euro enthalten. Unser Fahreindruck: Erst mal das Sitz-System ausprobieren. Die Rückbank lässt sich um knapp 20 Zentimeter verschieben – falls Mama im Kofferraum mal etwas mehr Platz braucht. Klappt man die Sitze komplett nach vorn, schluckt der Hyundai zwei Kinderfahrräder. In Sachen Materialanmutung ist er ein Vertreter der 80er-Jahre: viel unansehnliches Hartplastik. Dafür fährt er nach sechs Jahren immer noch ordentlich, federt komfortabel. Leider ist die Schaltung hakelig, das war sie aber schon 2003, und auch damals konnte man die 103 PS nicht wirklich spüren. Egal: Als kleiner Familientransporter kann der 4,03 Meter lange Koreaner Großes bewegen. Eine interessante Alternative zum Opel Meriva. Der Vertreter aus Fernost ist ein unterschätzter Minivan.
Das macht Ärger
Die Bremsen: Beim TÜV schlägt sich der Matrix eigentlich recht wacker. Aber viele Exemplare haben ein und dieselbe Schwachstelle: korrodierte Bremsleitungen. Spätestens bei der dritten Hauptuntersuchung, dann ist der Matrix sieben Jahre alt, macht sich hier die braune Pest breit. Und dann lässt auch die Wirkung der Fußbremse zu wünschen übrig. Und noch mal Rost: Viele der verbauten Schrauben und Blechteile machen keinen guten Eindruck, in einigen Blechfalzen macht sich erster Flugrost breit. Nicht dramatisch – aber auch nicht schön. Erhöhte Aufmerksamkeit gilt auch den Antriebswellen, die verschleißen relativ schnell. Zu großes Lenkungsspiel ist ein anderes Problem beim TÜV-Termin. Im AUTO BILD-Kummerkasten sind zudem Schäden am Verdichter der Klimaanlage verzeichnet. So richtig Ärger machen beim Matrix aber die Diesel. Vor allem in der Anfangszeit gab es Motorschäden wegen versagender Hochdruckpumpen oder undichter Einspritzpumpen. Ein Preisbeispiel: Ist die Hochdruckpumpe defekt, kostet der Ersatz etwa 750 Euro.
Das Design des Matrix gefällt nicht jedem, sorry, Herr Pininfarina. Aber der kleine Koreaner ist ein brauchbarer Minivan inklusive verschiebbarer Rückbank, zahlloser Ablagen, guter Rundumsicht. Und der Preis stimmt. Wer 5000 Euro hat und dafür ganz viel Auto will, fährt mit dem Matrix gut, Design hin oder her.