Hyundai Santa Fe: Gebrauchtwagen-Test
Hyundai Santa Fe gebraucht: Wie gut ist der Raum-Riese aus Korea?

Bild: Christoph Boerries
Nummer drei war der Wegbereiter. Mit dem Santa Fe von 2013 wechselte Hyundai endgültig auf die Überholspur. Er trug eine neue Design-Handschrift und war für ein Mittelklasse-SUV erstaunlich üppig geschnitten. Als er erstmals vom Stapel lief, staunten wir über seinen erwachsenen Auftritt. Und fragten uns, ob er sogar deutschen Premiummodellen Paroli bieten könnte.
Hyundai Santa Fe gebraucht: großer Allrounder zum Anpacken
Das ist er: Ein ausgewachsenes Korea-SUV für Menschen, die sich einen großen Allrounder zum Anpacken wünschen. Zwar ist das organische Design bereits sichtbar gealtert, doch dafür versöhnen die inneren Werte: Das Raumangebot ist von beeindruckender Großzügigkeit. Vorne thront man SUV-typisch erhöht, der Rückraum ist darüber hinaus sehr flexibel: Dadurch, dass die längs verschiebbare Bank in der zweiten Reihe im Verhältnis 60:40 oder 40:20:40 teilbar ist und die optionale dritte Sitzreihe plan im Kofferraumboden verschwindet, betont der Santa Fe seinen multifunktionalen Charakter.
Gutes SUV-Mittelklasseformat hat das Kofferraumabteil: Standardmäßig stehen 585 gut nutzbare Liter Volumen fürs Gepäck zur Verfügung, bei umgeklappter Fondlehne sind es sogar 1680 Liter. Eine Nuance kleiner ist der Siebensitzer mit 515 bzw. 1615 Liter Volumen geschnitten. Noch geräumiger wäre der 22 Zentimeter längere Grand Santa Fe. Die Furcht vor langen Aufpreislisten ist beim Santa Fe generell unangebracht.
Viel Auto fürs Geld bietet die von uns gefahrene Ausstattungslinie Premium, die einige premiumwürdige Details mitbringt: Ledersessel mit Heizung und Lüftung (vorn elektrisch verstellbar), eine voll versenkbare dritte Rücksitzbank, Xenonscheinwerfer, Spurhalteassistent und ein Infotainmentsystem mit Infinity-Hi-Fi-Lautsprechern sowie brauchbar auflösender Rückfahrkamera. Sogar eine 230-V-Steckdose im Heck ist an Bord. So viel Gutes macht den Santa Fe zwangsläufig schwer. Unser Testwagen vom Autohus in Bockel (bei Bremen) schrammt bereits leer an der Zwei-Tonnen-Marke, wiegt voll beladen satte 2,6 Tonnen!
Reichlich serienmäßige Wellness-Details
Das hat er: Während man andernorts daumendicke Aufpreislisten durchblättern musste, punktet der Santa Fe mit reichlich serienmäßigen Wellness-Details, die ihn einst besonders attraktiv für europäische Premiummarken-Kundschaft machen sollten. Von möglichem Standesdünkel abgesehen, fühlt man sich an Bord tatsächlich sehr bequem untergebracht.

Mit Allrad, Automatik und Premium-Paket kostete unser Testwagen Ende 2017 laut Liste 49.540 Euro neu. Jetzt wäre er für rund 40 Prozent des Neupreises zu haben.
Bild: Christoph Boerries
Auch wenn die fünf Jahre gültige Neuwagengarantie bereits abgelaufen ist: Nach sechseinhalb Jahren und gut 100.000 Kilometern darf man den Hyundai-Ingenieuren tatsächlich noch immer eine solide Leistung attestieren. Alle Verkleidungen sitzen korrekt an Ort und Stelle, Klapperneigung ist kein relevantes Thema. Die optisch eher einfachen Kunststoffoberflächen sind ohne Verfärbungen oder gravierende Kratzer, auch die Polster sind gut in Form geblieben.
Mit dem 2,2-Liter-Common-Rail-Turbodiesel souverän unterwegs
So fährt er: Wie eine Burg. Der 2.4-GDI-Benziner mit 188 PS hat leider nur maximal 241 Newtonmeter Drehmoment und wirkt daher stets angestrengt. Außerdem ist er recht durstig. Besser steht es um die Selbstzünder. Die Basis bildet ein vernünftig gedämmter, zwei Liter großer Common-Rail-Turbodiesel mit 150 PS und Frontantrieb. Bereits dieser Antrieb macht aus dem gewichtigen Santa Fe einen entspannten Gleiter.
Mit dem größeren, immerhin 200 PS starken 2,2-Liter-Common-Rail-Turbodiesel fährt der Santa Fe selbst nach heutigen Maßstäben souverän. Das Euro-6b-Triebwerk besitzt einen NOx-Speicher-Kat und schiebt mit der Kraft von 440 Newtonmetern bereits aus dem Drehzahlkeller ordentlich an. Wahlweise gibt es ein überraschend sauber geführtes Sechsganggetriebe oder eine Sechsstufenautomatik. Als Dynamiker sollte man den Santa Fe nicht missverstehen: Seine Lenkung ist auch mit intakten Lagern träge, beim Ansprechverhalten der Bremse ist der Abstand zu den deutschen Mitbewerbern noch fühlbar groß.
Technische Daten
2.0 blue CRDi | 2.2 blue CRDi 4WD Aut. | |
|---|---|---|
Motor | Vierzylinder/vorn quer | Vierzylinder/vorn quer |
Ventile/Nockenwellen | 4 pro Zylinder/2 | 4 pro Zylinder/2 |
Hubraum | 1995 cm³ | 2199 cm³ |
Leistung | 110 kW (150 PS) bei 4000/min | 147 kW (200 PS) bei 3800/min |
Drehmoment | 400 Nm bei 1750/min | 440 Nm bei 1750/min |
Höchstgeschw. | 187 km/h | 203 km/h |
0-100 km/h | 10,8 s | 9,6 s |
Tank/Kraftstoff | 64 l/Diesel | 64 l/Diesel |
Getriebe/Antrieb | Sechsgang manuell/Vorderrad | Sechsstufenautomatik/Allrad |
L/B/H | 4700/1880/1685 mm | 4700/1880/1675 mm |
Kofferraumvolumen | 585-1680 l | 515-1615 l (7-Sitzer) |
Leergewicht/Zuladung | 1812/698 kg | 1940/660 kg |
Ordentlich Boden gut macht der Santa Fe wieder, wenn es um seine handfesten Qualitäten geht: Der Allradantrieb hat nicht nur Alibi-Funktion. Er taugt notfalls für mehr als unbefestigte Feldwege. Serienmäßig ist eine zuschaltbare Sperre verbaut. Der vordere Böschungswinkel beträgt 16,9 Grad, der hintere 21,5 Grad. Maximal sind 53,2 Grad steile Steigungen erklimmbar. Oder dank einer angegebenen Wattiefe von soliden 500 Millimetern kleinere Wasser furten durchfahrbar. Ebenfalls brauchbar sind 2000 Kilogramm Anhängelast (750 Kilogramm ungebremst).
Fünf Jahre Neuwagengarantie ab Werk
Das macht Ärger: Ab Werk spendierte Hyundai fünf Jahre Neuwagengarantie, drei Jahre Lackgarantie sowie bei lückenloser Wartung zwölf Jahre Durchrostungsschutzgarantie von innen nach außen. Gegenüber den älteren Santa-Fe-Generationen hat die Qualität spürbar zugelegt, ganz ohne Fehler ist sie jedoch nicht. Recht sensibel ist der Allradantrieb: Rumort die Hinterachse, ist meist entweder die dort verbaute Magnetkupplung oder die Verzahnung zum Winkelgetriebe defekt. Im Worst Case steht dann ein teurer Getriebewechsel an. Um den Antrieb zu schonen, sollten ungleiche Profiltiefen an Vorder- und Hinterachse unbedingt vermieden werden!
Als Geländewagen genutzte Fahrzeuge sollten auf der Hebebühne am Unterboden inspiziert werden. Bei älteren Fahrzeugen setzen sich die Federn am Heck, sodass dieses häufig seltsam optisch hängt. Manche Santa Fe zeigen Startprobleme. Meist ist dann der Nockenwellen- oder Kurbelwellensensor defekt. Auch Masseprobleme sind möglich. Vereinzelt fällt die Temperaturregelung der Klimaanlage durch einen Defekt des Steuergeräts aus. Weitere häufiger auftretende Fehler sind chronisch leckende Kühler und defekte AGR-Systeme. Reparaturen gehen oftmals deutlich ins Geld, da viele Ersatzteile recht hochpreisig kalkuliert sind. Beim Kraftfahrt-Bundesamt sind insgesamt fünf Rückrufe hinterlegt.
Unterhaltskosten
Testverbrauch | 8,7 l D/100 km |
|---|---|
CO2 | 174 g/km |
Inspektion | 400-850 Euro |
Haftpflicht (21)* | 734 Euro |
Teilkasko (24)* | 936 Euro |
Vollkasko (23)* | 1524 Euro |
Kfz-Steuer (Euro 6) | 367 Euro |
Ersatzteilpreise*
Lichtmaschine (AT) | 1082 Euro |
|---|---|
Anlasser | 853 Euro |
Wasserpumpe | 502 Euro |
Zahnriemen | entf., Steuerkette |
Hauptschalldämpfer | 923 Euro |
Kotflügel vorn links, lackiert | 2017 Euro |
Bremsscheiben und -klötze v. | 772 Euro |
Infotainmenteinheit | 5432 Euro |
4 Sommerreifen (Dimension 235/55 R 19 H) | 650 Euro |
Service-Links



























