Offenbar ist der klassische Mittelklasse-Geländewagen heutzutage kaum mehr gefragt. Wie ist es sonst zu erklären, dass immer mehr Hersteller ihre Angebote in diesem Segment zurückziehen? Jeep Cherokee und Nissan Patrol fielen ohne Nachfolger aus den Europa-Programmen, Kia hat bei der Neuauflage des Sorento einem weniger belastbaren SUV den Vorzug gegeben und Hyundai den Terracan weltweit komplett gestrichen. Bleiben in der früher beliebten 30.000-Euro-Klasse mit hoher Anhängelast fast nur Gebrauchte. Der Trost: Noch gibt es viel Auswahl. Denn heute kommen diese robust konzipierten Geländewagen als Gebrauchte zurück in den Markt.

Überblick: News und Tests zum Hyundai Terracan

Hyundai Terracan
Weiße Ziffernblätter gab es im Hyundai Terracan ab 2005. Zwei Airbags waren Standard.
Bild: Toni Bader
Der Hyundai Terracan ist dabei typisch für diese einst erfolgreiche Sparte: klassische Konstruktion mit Leiterrahmen und aufgeschraubter Karosserie, kraftverstärkende Geländeuntersetzung, robuste Starrachse hinten, großes Raumangebot, bis zu 3500 Kilogramm Anhängelast. Damit machte Hyundai Deutschland von 2001 bis 2008 gute Geschäfte. So gut, dass man in besonders guten Zeiten mehrmals pro Jahr die Preise erhöhen konnte, ohne die Nachfrage zu torpedieren. Sparfüchse griffen deshalb gern zu EU-Importen. Denn speziell aus Frankreich konnte man den Terracan mit höherwertiger Ausstattung (beispielsweise mit Schiebedach) zu niedrigeren Preisen importieren lassen.

Zuschaltbaren Allradantrieb testen

Hyundai Terracan
Der Fond bietet erstaunlich viel Beinfreiheit – aber die Zeitung sollte während der Fahrt doch etwas tiefer gehalten werden.
Bild: Toni Bader
Besonderheit dieser Grauimporte: Anders als die für Deutschland vorgesehenen Version mit starr zuschaltbarem Allradantrieb gab es im EU-Ausland auch Varianten mit automatisch-permanentem Allradantrieb über eine elektronisch geregelte Mehrscheibenkupplung. Diese Technik macht nach unserer Auswertung genauso wenig Probleme wie der Antriebsstrang der streng deutschen Ware. Da wie dort sollte man bei der Probefahrt aber die Funktion des elektrischen Allrad-Wählschalters überprüfen. Denn nach einigen Jahren und Wasser- oder Schlammdurchfahrten können Schmutz und Oxidation die elektrische Umschaltung lahmlegen. Also: Geländeuntersetzung im Stand einlegen, auf die entsprechenden Kontrollleuchten achten und durch Anfahren prüfen, ob der Schaltbefehl auch tatsächlich ausgeführt wurde.

Klagen über hohe Betriebskosten

Die restliche Technik des Terracan ist robust, auch der 2,9 Liter große und stets kräftig wirkende Turbodieselmotor. Er mag jedoch keine hohen Geschwindigkeiten auf der Autobahn, denn speziell der Schalt-Terracan ist viel zu kurz übersetzt – hoher Verbrauch, viel Verschleiß. Es gibt vereinzelt vorzeitige Schäden an den teuren Einspritzdüsen, aber auch Zylinderkopfschäden, meist durch zu spät entdeckten Kühlwasserverlust, aber auch durch Billigdiesel im Ausland. Ölspuren am Kühlerdeckel und bräunliche Ablagerungen am Öleinfülldeckel sind Alarmzeichen. Beschwerden gibt es wegen der Bremsscheiben (42 Prozent), die selten länger als 50.000 km durchhalten, und der hohen Kfz-Steuer (51 Prozent) und Versicherungstarife (28 Prozent). Häufig ratlos sind die Terracan-Besitzer, wenn es um die Frage nach dem nächsten Auto geht. Immerhin 17 Prozent wollen einen gebrauchten Terracan kaufen. Elf Prozent liebäugeln mit einem Mitsubishi Pajero. Sonst herrscht die große Ratlosigkeit. Welchen nehmen?

Fazit

von

Martin Braun
Ein robuster Geländewagen für alle Zwecke, mit höchster Anhängelast zum günstigen Preis: Damit war der Terracan sehr erfolgreich im Verkauf. Viele Besitzer sind auch heute noch sehr glücklich mit dem großen Hyundai, denn er ist bei pfleglicher Behandlung und mäßigem Tempo zuverlässig und dauerhaft. Ein Auto für alle, die auf Nutzwert mehr Wert legen als auf Image und Dynamik.