Hyundai Tucson (NX4): Gebrauchtwagen-Test
Worauf sollte man beim gebrauchten Tucson achten?

Bild: AUTO BILD/Christoph Börries
Das Wandel lässt sich nicht übersehen. Mit einer mutigeren Designsprache und einem überraschend umfangreichen Technikpaket zieht der kompakte Hyundai Tucson seit seinem Modellwechsel 2020 zuverlässig neugierige Blicke auf sich – und lockt Pragmatiker genauso wie stilbewusste Kunden in die Verkaufsräume der Händler. Doch was bietet der Tucson als Gebrauchtwagen? Und worauf sollten Kaufinteressenten achten?
Groß genug für die Familie, kompakt genug für die City
Das ist er: Die intern als NX4 bezeichnete Generation des Tucson hebt sich optisch deutlich von ihren Vorgängern ab. Die markant gezeichnete Frontpartie trägt einen imposanten Kaskadengrill und eine LED-Leuchtengrafik, die nahtlos in die Kühleroptik integriert ist. Dadurch schindet das SUV unerwartet Eindruck. Die Dimensionen polarisieren weniger. Der Tucson ist im Innenraum und im Ladeabteil großzügig genug geschnitten, um als erwachsenes Familienauto durchzugehen, aber gleichzeitig eben noch kompakt genug zu bleiben für den urbanen Alltag. Mit einer Länge von 4,50 Metern konkurriert er mit Bestsellern wie dem VW Tiguan und dem Ford Kuga. Die schräg verlaufende Dachlinie und die markanten Heckleuchtengrafiken mühen sich um futuristische Akzente.

Auf 4,50 Meter Länge bietet der Tucson familientauglichen Raum und solide Zuladungswerte.
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Technische Daten
1.6 T-GDI | 1.6 CRDi 48V DCT | 1.6 T-GDI Hybrid Automatik | |
|---|---|---|---|
Motor | Vierzylinder/vorn quer | Vierzylinder/vorn quer | Vierzylinder/vorn quer |
Ventile/Nockenwellen | 4 pro Zylinder/2 | 4 pro Zylinder/2 | 4 pro Zylinder/2 |
Hubraum | 1598 cm³ | 1598 cm³ | 1598 cm³ |
Leistung/Systemleistung | 110 kW (150 PS) bei 5500/min | 100 kW (136 PS) bei 4000/min | 169 kW (230 PS) bei 5500/min |
Drehmoment | 250 Nm bei 1500/min | 280 Nm bei 1500/min | 350 Nm bei 1500/min |
Höchstgeschwindigkeit | 189 km/h | 180 km/h | 193 km/h |
0–100 km/h | 10,3 s | 11,4 s | 8,0 s |
Tank/Kraftstoff/Akku | 54 l/Super | 54 l/Diesel + 0,44 kWh Lithium-Polymer | 52 l/Super + 1,5 kWh Lithium-Polymer |
Getriebe/Antrieb | Sechsgang man./Vorderrad | Siebengang-DCT/Vorderrad | Sechsgang-DCT/Vorderrad |
Länge/Breite/Höhe | 4500/1865/1650 mm | 4500/1865/1650 mm | 4500/1865/1650 mm |
Kofferraumvolumen | 620-1799 l | 546-1725 l | 616-1795 l |
Leergewicht/Zuladung | 1500/550 kg | 1606/534 kg | 1639/536 kg |
Anhängelast (gebremst/ungebremst) | 1650/750 kg | 1650/750 kg | 1650/750 kg |
Preissensibel ist der Tucson nicht
Das hat er: Variantenvielfalt ist Trumpf. Karg ausgestattet fährt ein Tucson zum Glück nie wirklich vor, allerdings auch nicht wie ein Premiumauto. Preissensibel ist er leider auch nicht mehr. Bereits die Basisvariante Pure ist ausreichend. Sie bietet Tempomat, Rückfahrkamera und 8-Zoll-Touchscreen. Der höher positionierte Select lockt mit Annehmlichkeiten wie schmucken 19-Zoll-Alufelgen, elektrischer Heckklappe und Panorama-Glasdach. Die Topversion N Line bringt sportliche Akzente wie Kontrastnähte und eine knackigere Fahrwerksabstimmung mit. Und zur Sicherheit wurde aufgerüstet: Ein Center-Airbag wacht zwischen den Vordersitzen, dazu gibt es Anhängerstabilisierung, Berganfahrhilfe, Bergabfahrkontrolle und Multikollisionsbremse.

Elegant gezeichnetes Cockpit mit digitalen Anzeigen. Bedienbarkeit, Verarbeitung und Materialanmutung sind für ein Volumenmodell tadellos.
Bild: AUTO BILD/Christoph Börries
Das Antriebsportfolio deckt unterschiedlichste Fahrprofile ab
So fährt er: Recht effizient, betont komfortabel, selten dynamisch. Die verschiedenen Antriebskonzepte werden unterschiedlichsten Fahrprofilen gerecht. Neben den klassischen Benzin- und Dieselantrieben gibt es den Tucson auch als Mildhybrid, Vollhybrid und seit 2021 als Plug-in-Hybrid (PHEV). Fast schon als Traditionsmotor darf der 1.6 TGDI mit 150 bis 180 PS gelten. Er bietet ein recht ausgewogenes Verhältnis zwischen Leistung und Effizienz.
Der von uns gefahrene 1.6 CRDi Mildhybrid-Diesel mit 136 PS ist ein Fall für Vielfahrer. Er punktet mit gutem Drehmoment und niedrigen Verbrauchswerten. Der 230 PS starke Vollhybrid kombiniert den Benzinmotor mit einem Elektromotor und überzeugt durch einen kräftigen Antritt und je nach Fahrprofil einen Verbrauch von rund sechs Litern im Alltag. Der Plug-in-Hybrid mit 265 PS Systemleistung und einer rein elektrischen Reichweite von bis zu 50 Kilometern eignet sich besonders für Pendler mit Lademöglichkeiten zu Hause und/oder bei der Arbeit.

Durch seine eher softe Abstimmung ist der Tucson kein Kurvenräuber.
Bild: AUTO BILD/Christoph Börries
Auf der Straße zeigt sich der Hyundai Tucson vielseitig. Der serienmäßige Frontantrieb wird in den stärkeren Varianten optional durch einen Allradantrieb ersetzt – was ideal ist für Fahrten abseits befestigter Straßen, im Gebirge oder bei miesem Wetter. Im Alltag wirkt der Tucson solide, unser Testwagen zeigt nach knapp über drei Jahren keine offensichtlichen verschleißbedingten Formschwächen. Im Hybridmodus glänzt der Tucson mit leisem Antrieb und sanften Übergängen zwischen Elektro und Verbrennungsmotor. Als Plug-in-Hybrid fährt er innerorts sehr leise und beschleunigt gleichmäßig – was ideal für die Stadt ist. Enge Kurven meistert der Tucson neutral, jedoch ist man aufgrund der eher soften Abstimmung nicht ganz so agil unterwegs wie in manch anderem Kompakt-SUV. Bei Autobahntempo fühlt sich der Tucson dagegen wohl. Er vermittelt einen souveränen Eindruck, störende Windgeräusche oder verschlissene Fahrwerkslager sind bislang kein Thema.
Der Verbrauch schwankt relativ stark, abhängig von der Motorisierung. Während der von uns gefahrene Mildhybrid-Diesel mit 6,0 l/ 100 km noch sparsam ist, genehmigen sich die TGDI-Benziner bei flotter Fahrweise gern acht Liter und mehr. Der kräftige Plug-in-Hybrid taugt für rund 40 rein elektrische Kilometer. Er kann diesen Vorteil jedoch nur ausspielen, wenn er regelmäßig nachgeladen wird – sonst fällt der Verbrauch ähnlich hoch aus wie beim 230-PS-Vollhybrid.
Stärken
- Innenraum geräumig und gut verarbeitet
- Beachtliche Antriebsvielfalt
- Sicherheitsniveau hoch
Schwächen
- Hybrid-Verbrauchsvorteil oft niedriger als erhofft
- Relativ hohes Gebrauchtpreisniveau
Die Qualität im Detail ist nicht optimal
Das sind die Mängel: Hyundai spendierte dem Tucson solide fünf Jahre Neuwagen und Lackgarantie sowie zwölf Jahre Durchrostungsschutzgarantie. Auf die Hochvoltbatterie gibt es acht Jahre Garantie. Einige Nutzer berichten von plötzlichen Abstürzen des Infotainmentsystems. Software-Updates sorgen in der Regel für Abhilfe. Beim Plug-in-Hybrid zeigen sich teils frühzeitige Verschleißerscheinungen an den Bremsen, da diese durch das hohe Gewicht stärker beansprucht werden. Wer sich für ihn entscheidet, sollte realistisch sein: Ohne regelmäßiges Laden steigen die Verbräuche leicht auf über acht Liter pro 100 Kilometer.
Das Thermomanagement des Diesels erweist sich in der Praxis als nicht optimal, der TÜV moniert erschreckend häufig Ölundichtigkeiten. Einige Modelle zeigen Fehler an Parksensoren und der adaptiven Geschwindigkeitsregelung. Die Konservierung ist im Detail nicht optimal, der Lack neigt zu feinen Kratzern im Bereich der Türgriffe und des Kofferraumdeckels. Beim Kraftfahrt-Bundesamt sind insgesamt sieben Rückrufe hinterlegt.
Unterhaltskosten
Testverbrauch | 6,1 l D/100 km |
|---|---|
CO2 | 139 g/km |
Inspektion | 250-500 Euro |
Haftpflicht (18)* | 606 Euro |
Teilkasko (24)* | 813 Euro |
Vollkasko (21)* | 1192 Euro |
Kfz-Steuer (Euro 6) | 246 Euro |
Ersatzteilpreise*
Startergenerator (AT) | 1499 Euro |
|---|---|
Anlasser | 671 Euro |
Wasserpumpe | 726 Euro |
Zahnriemen | 753 Euro |
Nachschalldämpfer | 737 Euro |
Kotflügel vorn links, lackiert | 1326 Euro |
Bremsscheiben und -klötze v. | 772 Euro |
Digitale Instrumententafel | 5327 Euro |
4 Sommerreifen (Dimension 215/65 R 17 103 V) | 680 Euro |
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