Der Ilusion XMK 650 ist ein Teilintegrierter mit originellem Grundriss, viel Bewegungsfreiheit und ambitionierter Verarbeitung. Sein Preis beginnt knapp über 50.000 Euro. Warum kauft den keiner? Weil die Produkte der Spanier bisher nur in Mini-Stückzahlen auf den deutschen Markt tröpfeln. Eine Massenmarke will Ilusion mit einer Jahresproduktion von 500 Wohnmobilen gar nicht sein. Aber ein bisschen sichtbarer wollen sie werden – und haben den illusionsfreien Testern von AUTO BILD REISEMOBIL deshalb den neuen XMK 650 geschickt. Das ist er: Einen Designpreis gewinnt er schon mal nicht mit seinem hoch liegenden GFK-Aufbau, der Starrachse und Blattfedern in ihrer ganzen Nacktheit zur Schau stellt. Auch der Einstieg ist mehr ein Erklimmen, weil dem Ilusion eine Trittstufe fehlt – es gibt sie auch gegen Aufpreis nicht. Aber drinnen wird's reizvoll: Zwei elektrische Hubbetten verziehen sich auf Knopfdruck unters Dach und lassen tagsüber viel Platz zum Leben und Wohnen. Zur üblichen Dinette, die hier sehr zierlich geraten ist, kommt noch eine zweite Sitzgruppe im Heck, bestehend aus C-förmigem Sofa und großem Hubtisch.

Zähneputzen macht in die Küche mehr Spaß

Ilusion XMK 650
Platz für vier im Heck – weil sich die Sitzecke zum Notbett umbauen lässt. Kostet aber 350 Euro extra.
Das hat er: Eine Menge praktisches Talent, denn der Grundriss funktioniert im Alltag ziemlich gut. Die Hubbetten sind zwar vergleichsweise schmal, doch für 350 Euro extra lässt sich auch die hintere Sitzgruppe zur Liegefläche umbauen, dann reicht der Platz für vier. Eine große Gepäckhöhle ist bei diesem Layout nicht mehr drin, nur ein schlitzartiges Fach im Parterre. Bei aller Enge ist es mit strapazierfähigem Warzenblech ausgeschlagen und über zwei Türen erreichbar. Ilusion löst das Gepäckproblem unter anderem mit drei gedeckelten Truhen hinterm Hecksofa. Sonst fordert der spanische Einzelgänger keine Kompromissbereitschaft, im Gegenteil: Seine Küche hält nicht nur viel Stauraum und eine riesige Arbeitsfläche bereit, sondern auch ein Barfach wie in den Schleiflack-Wohnzimmern des deutschen Wirtschaftswunders. Auch das Bad ist üppig geschnitten, es fehlt weder an Stehhöhe noch an Platz fürs Waschzeug, sogar eine Dachluke gibt es – aber nur ein winziges Waschbecken, eines der wenigen Details, die wirklich kleinlich wirken. Wer dann aber zum Zähneputzen in die Küche geht, wo es ein großes Edelstahl-Waschbecken gibt, hat eine solide Holztür mit vier Scharnieren und Metalldrücker in der Hand. Das alles wirkt ein bisschen, als hätten sich die Controller beim Würfeln geeinigt. Insgesamt aber ist der Ilusion so ordentlich zusammengebaut, wie wir's an Kleinserien-Mobilen mögen.
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Die Unangestrengtheit des stärkeren Motors lohnt den Aufpreis

Ilusion XMK 650
Dreie Sicht auf die Blattfedern: Die Bodenfreiheit ist üppig. Gut, wenn's mal auf Seitenwege geht.
So fährt er: Gefühlt eine Preisklasse höher, was auch daran liegt, dass der Testwagen mit dem aufpreispflichtigen 163-PS-Diesel (1369 Euro) kam. Ilusion baut seine Teilintegrierten prinzipiell auf Citroën Jumper auf, das Basismodell hat 130 PS – wir würden immer die Unangestrengtheit des stärkeren Motors bevorzugen. Auf unserer Proberunde durch den Pfälzer Wald war er leise und verbrauchte im Schnitt 10,8 Liter Diesel. Vor allem aber hielt sich der Ilusion-Aufbau akustisch zurück: kein Rumpeln aus dem Heck, kein Rauschen vom (serienmäßigen) Skyview-Fenster. Ein leises Knistern aus der Verkleidung der Aufbautür war das einzige Störgeräusch. Kleines Wortspiel zum Schluss? Na gut. Muss keine Illusion sein, das mit Ilusion und dem deutschen Markt.

Fazit

von

Christian Steiger
Attraktiver Preis, gute Qualität und ein pfiffiger Grundriss, wie's ihn bei den Deutschen nicht gibt: Als Nischenmodell hat der Ilusion auch bei uns eine Chance. Zumindest bei Leuten, denen die Lounge im Heck wichtiger ist als eine große Garage. Urteil: vier von fünf Punkten.

Von

Christian Steiger