Es ist eines der prestigeträchtigsten Rennen des Jahres: die 24 Stunden von Daytona. Im Speed-Tempel Floridas wird auch ein großer Teil des Ovals befahren – mit einer Steigung von bis zu 31 Grad. Es rasen die besten Fahrer Amerikas mit – aus der IndyCar, der Sportwagenszene, aber auch zehn Piloten mit Formel-1-Erfahrung.
2023 ist das Rennen sogar noch wichtiger als je zuvor: Es ist der Start in eine neue Ära. Die neuen LMDh-Prototypen sind die ersten Fahrzeuge seit Jahren, die nicht nur in der amerikanischen IMSA-Serie an den Start gehen dürfen, sondern auch in der Sportwagen-WM – und damit bei den 24 Stunden von Le Mans, dem Sportwagenrennen schlechthin. Die LMDh kämpfen dort gemeinsam mit den Hypercars von Ferrari, Peugeot, Toyota, Glickenhaus und Vanwall um den Gesamtsieg.
Aber erstmal geht es um die 24 Stunden von Daytona. Porsche, Acura und BMW bringen jeweils zwei dieser Fahrzeuge an den Start, Cadillac drei. Während Designer bei den Hypercars weitgehend freie Hand haben, gelten für die LMDh strenge Vorschriften: Die Chassis müssen auf den LMP2-Prototypen basieren. Die Motoren dürfen 680 PS nicht überschreiten, 68 PS davon kommen durch einen Einheits-Elektromotor von Bosch. Das drückt die Kosten: Zwischen 15 und 30 Millionen Euro sollen die Hersteller für ein Jahr mit dem LMDh berappen müssen. Bei den Hypercars liegen die Kosten wegen der Freiheiten doppelt so hoch.
BMW hat erst einmal die 24h von Daytona gewonnen.

Zuverlässigkeit macht Sorgen

Aber die Einheitstechnik bringt Zuverlässigkeitsprobleme mit sich. Viele Systeme müssen zusammen interagieren und harmonieren – ohne, dass die Hersteller darauf Einfluss haben. „Das ist eine komplett neue Fahrzeuggeneration. Es ist alles neu und da läuft nun mal nicht immer alles rund. Das geht jedem so“, erklärt zum Beispiel BMW-Motorsport Andreas Roos. Die 24 Stunden von Daytona werden also auch über die Zuverlässigkeit entschieden.
Bei BMW kommt dazu, dass die Bayern erst im Juli mit dem BMW M Hybrid V8 erstmals auf die Strecke gegangen sind – ein halbes Jahr später als Porsche zum Beispiel.
BMW hat erst einmal die 24h von Daytona gewonnen – und das ist lange her (1976).

Motor basiert auf DTM-Triebwerk

Damit sich der Sieg wiederholt, spannt BMW mit erfolgreichen Partnern zusammen. Als Einsatzteam fungiert Rahal Letterman Lanigan – ein Rennstall, der im IndyCar-Sport groß geworden ist. Teambesitzer Bobby Rahal war 1986 Indy-500-Meister. Teilhaber sind Talk-Master David Letterman und Geschäftsmann Mike Lanigan. Mit dem Rennstall arbeitet BMW immer wieder zusammen – schon von 2009 bis 2013 mit dem BMW M2 GT3 in der American Le-Mans-Serie sowie von 2016 bis 2021 mit dem BMW M6 GTLM in der IMSA.
Das Chassis basiert auf dem LMP2 von Dallara. Zwar ist Oreca mit Abstand der erfolgreichste Hersteller in der LMP2-Klasse. Aber Dallara hat sich in der Zusammenarbeit mit den Herstellern als besser erwiesen. Schon die letzte Generation der Daytona-Prototypen mussten auf den LMP2-Flitzern basieren und da war Cadillac mit 27 Siegen und einem Dallara als Grundlage am besten.
Neun Autos von vier Herstellern kämpfen am kommenden Wochenende um den Sieg bei den 24 Stunden von Daytona.

Als Motor setzt BMW auf den P66/3 – ein ausrangiertes DTM-Triebwerk aus den Jahren 2012 bis 2018. Der Vierzylinder-Turbomotor, der ab 2019 in der DTM eingesetzt wurde sowie der P63-Achtzylinder-Turbo aus dem M8 GTE wurden ebenfalls evaluiert, „aber gegen den P48 sprach die geringere Haltbarkeit und gegen den P63 das hohe Gewicht“, erklärt Motorenchef Ulrich Schulz.

Teile noch aus der Formel 1

Der jetzt eingesetzte P66 war ursprünglich ein Sauger. Er musste in einem ersten Schritt also auf die Turbo-Technik umgerüstet werden. In einem zweiten Schritt folgte die Hybridisierung des 4-Liter-Achtzylinders.
Übrigens ist im BMW M Hybrid V8 nicht nur alte DTM-Technik verbaut. „Wir können sogar auf Bauteile und Materialien aus unserer Formel-1-Zeit zurückgreifen – wie Stähle und Aluminium“, so Roos. Dabei endete das Formel-1-Projekt schon Ende 2009.
Für BMW fährt auch der einzige Deutsche in der Topklasse: Marco Wittmann. Er schwärmt von seinem neuen Arbeitsgerät: „Das Fahrzeug hat viel Abtrieb, viel Leistung, keine Fahrhilfen wie ABS – ein richtiger Prototyp eben.“ Das Auto teilt er sich mit Augusto Farfus, Philipp Eng sowie Colton Herta, dem jüngsten IndyCar-Sieger aller Zeiten. Im zweiten BMW sitzen Nick Yelloly, Connor de Phillippi sowie DTM-Meister Sheldon van der Linde.
Das Rennen startet am Samstag um 19.40 Uhr deutscher Zeit. Im Livestream mit englischem Kommentar ist es kostenlos auf IMSA.com zu sehen. Der Pay-TV-Sender Motors-TV überträgt das Rennen mit deutschem Kommentar ebenfalls live.

Von

Michael Zeitler