Iveco Magirus 90-16 AW Doka vom THW: Glücksmobil
"Jede Fahrt ist ein Abenteuer"

Zwei Freunde, (k)ein Plan: Wie aus einer Schnapsidee ein Väter-Töchter-Mobil wurde. Christoph Beuten (51) und Marc Terstal (48) aus Mülheim an der Ruhr zeigen ihr Glücksmobil.
Bild: Thomas Starck
Christoph Beuten und Marc Terstal haben es schon vor ihrem inneren Auge gesehen: Die beiden Männer, im feinen Zwirn, grinsend vor dem Casino in Monte-Carlo, direkt daneben ihr alter THW-Mannschaftswagen zwischen all den luxuriösen Sportflitzern. Entstanden ist dieser Plan an einem feuchtfröhlichen Silvesterabend vor fünf Jahren.
Nun, in Monte-Carlo waren Christoph und Marc bisher nicht. Doch die Sache mit dem alten Lkw hat tatsächlich geklappt. "Die Ur-Idee hat eigentlich mit dem örtlichen Tennisclub zu tun, in dem auch unsere Töchter sind", erzählt Marc. "Früher ist die Tennismannschaft nämlich in einem alten Feuerwehrauto zu Auswärtsspielen gefahren. Wir dachten, wir könnten ein ähnliches Auto besorgen, das zum Camper umbauen und die Doppelkabine einfach so lassen. Dann können dort nämlich acht Leute plus Fahrer mitfahren, und die Tennismannschaft kann den wie früher für Fahrten nutzen. Und wir hätten einen Camper für spaßige Ausflüge. Uns war auch relativ schnell klar, dass es kein Lkw von der Feuerwehr wird, sondern ein THW-Mannschaftswagen. Die sind nämlich etwas länger übersetzt und eignen sich besser für Langstrecken."

Freiluftschlafen dank der Seitenklappen. Optimal fürs Campen im Sommer.
Bild: Thomas Starck
2018 machten sich die beiden auf die Suche nach einem passenden Gefährt. Nach einigen enttäuschenden Besichtigungen fanden sie schließlich in Berlin ihren Iveco Magirus Doka. Baujahr 1990, damals noch neun Tonnen schwer, sechs Liter Hubraum. Doch wie das so ist bei alten Fahrzeugen mit Vorgeschichte, entpuppte sich der THW-Wagen leider als gar nicht so kleine Diva.
THW-Auto als Camper: meist nicht in gutem Zustand
Und das begann schon auf der Heimfahrt, als das Getriebe Öl verlor. Nur eine Dichtung, wie sich später herausstellte. Doch die Männer ahnten da schon, dass die Umsetzung ihres Bierlaune-Projekts nicht so einfach werden würde, wie anfangs gehofft. Erst einmal mussten die Anlagen wie Sirenen und Leuchten des Technischen Hilfswerks entfernt werden. Und auch im Inneren war der Lastwagen noch mit den Stauräumen für die Ausrüstung ausgestattet. Platz für Betten? Fehl-anzeige! Während Marc und Christoph in Eigenregie begannen, die für sie unbrauchbaren Elemente zu entfernen, kam nach und nach die braune Pest zum Vorschein. "Am Ende mussten wir alles bis auf den Rahmen entfernen und von Rost befreien", erzählt Christoph. "Was wir nämlich nicht wussten: Die Einsatzfahrzeuge des THW werden wohl nicht ganz so liebevoll gepflegt wie die der Feuerwehr. Deshalb sind sie meist auch nicht im besten Zustand."

Für jeden ist ein bequemes Bett vorhanden.
Bild: Thomas Starck
Hinzu kam die für Reisen unbrauchbare Zwillingsbereifung. Um die Drehzahl herunterzuschrauben, wichen die Doppelreifen an der Hinterachse deutlich größeren und breiteren Einzelfelgen. Zum Glück haben die beiden eine hilfsbereite Nachbarschaft. Irgendjemand fand sich immer, der schweißen oder Reifen besorgen konnte oder Ahnung von Elektrik hatte. Nach und nach eigneten sich Christoph und Marc das Wissen auch selbst an, machten einige Kurse und bastelten in ihrer Freizeit an dem Iveco herum.

Sogar eine kleine Spüle mit Frischwasser haben die Männer verbaut.
Bild: Thomas Starck
Um den richtigen Grundriss zu finden, haben die beiden viel herumprobiert. Mit Camping hatten Christoph und Marc vorher nämlich überhaupt nichts am Hut. "Unsere Frauen haben heute noch keine Lust drauf. Das ist so ein Vater-Tochter-Ding bei uns", erklärt Marc lachend. Und die Mädels, Miriam Beuten (13) und Ella Terstal (12), lassen sich nicht zweimal bitten, wenn die Papas zur Tour einladen. "Da wird schließlich jede Fahrt zur Eisdiele zum Abenteuer", sagt Marc.

Alles, außer gewöhnlich: das Cockpit des Iveco.
Bild: Thomas Starck
Übrigens: Die Sache mit dem Tennisclub ist eigentlich kaum noch der Rede wert. Der Verein nutzt den Iveco selten. Dafür sind Marc, Christoph, Miriam und Ella umso öfter mit dem blauen Lkw unterwegs. Mal auf Festivals wie dem Haldern Pop, mal zum Kanufahren, Fahrradfahren oder auch zur Safari. Allerdings nicht in Namibia, sondern im Serengeti-Park im niedersächsischen Hodenhagen. "Die ein oder andere Vatertagstour mit Freunden haben wir natürlich auch schon gemacht. Dafür ist die Doppelkabine mit so vielen Sitzen perfekt. Alkoholisierter Personentransport nennen wir das aus Jux. Also natürlich nur die Besatzung, nicht der Fahrer", sagt Christoph.

Der Iveco taugt sogar zur Dachterrasse.
Bild: Thomas Starck
Natürlich hat der alte Einsatzwagen auch einen Spitznamen. Wegen seiner Farbe haben Christoph und Marc ihn "Blaue Elise" getauft. Nach dem blauen Ameisenbären beim "Rosaroten Panther". "Der Komfort ist nicht riesig", sagt Christoph, "viel größer ist dagegen der Spaß."
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