Jeep Cherokee (KL, 5. Generation): Gebrauchtwagen-Test
Was hat der gebrauchte Cherokee noch drauf?

Bild: Tom Salt/AUTO BNILD
Markentradition verpflichtet. Den Jeep Cherokee lieben die Deutschen bereits seit Mitte der Achtziger. Auch die fünfte Generation (Werkscode KL) sollte Fans des kernigen amerikanischen Flairs erobern. Ein siebenteiliger Kühlergrill und stämmige Radhäuser erinnern an die legendär geländegängigen Ahnen. Um erfolgreich zu sein, sind aber nicht nur Kopfkino-, sondern auch solide Alltagsfähigkeiten gefragt.
Die Konkurrenz des Cherokee ist stark
Das ist er: Als 4,60-Meter-Mittelklässler tritt der Cherokee gegen diverse starke europäische und asiatische Konkurrenten an. Je nach Motorisierung hat er Active-Drive-Allrad oder einen konventionellen Frontantrieb. Was ein kleiner Imageschaden sein kann, aber kein grober praktischer Fehler sein muss. Denn tatsächlich konkurrierte der Cherokee mit bürgerlichen SUV-Modellen und Premiumvertretern süddeutscher Marken.
Das Platzangebot in Reihe eins und zwei ist klassentypisch angenehm, in beiden Reihen sitzt es sich recht erhaben auf dicken Polstern. Der gemessen an den Werksangaben recht überschaubare Gepäckraum mit seiner unangenehm hohen Ladekante überzeugt hingegen weniger.

Inklusive Extras kostete unser Fotofahrzeug neu 48.000 Euro. Nach vier Jahren sind es satte 30.000 Euro weniger!
Bild: Tom Salt/AUTO BNILD
Die Ausstattungslinie entscheidet übers Wohlbefinden
Das hat er: Einen gemütlichen und zugleich angenehm robusten Charakter. Die unterschiedlichen Ausstattungslinien beeinflussen das Wohlbefinden an Bord des Cherokee erheblich. Eher plastiklastig-spröde und entsprechend günstig sind die Sport- und Longitude-Versionen. Dem Ami-Klischee folgend, ist der von uns gefahrene Limited mit Nappa-Leder gut ausgestattet.
Speerspitzen sind der mit extraviel Luxus ausstaffierte Overland und die besonders kernige Trailhawk-Variante. Letztere fühlt sich sogar in unwegsamerem Gelände verblüffend wohl. Sie bietet die höchste Ausbaustufe des Active-Drive-Allradsystems mit Offroadprogrammen, Geländeuntersetzung und mechanischer Hinterachssperre.

Fahrerplatz mit reichlich klassischen Tasten. Die Qualität schwankt zwischen edel und erschreckend einfach.
Bild: Tom Salt/AUTO BNILD
Lohnt sich der Preisaufschlag für ein spätes Exemplar? Durchaus! 2019 wurde der Cherokee spürbar moderner. Neben einer Front mit LED-Scheinwerfern ist auch der von uns gefahrene Euro-6d-Temp-Diesel mit 150 oder 194 PS erwähnenswert. Frische Assistenten machten den Ami sicherer: Abstandstempomat, Spur- und Notbremsassistent sowie ein Querverkehrswarner und eine neue Rückfahrkamera waren in Kombination mit dem neuen uConnect-Infotainment sinnvolle Updates.
Technische Daten
2.2 MultiJet II | 2.0 T-GDI Trailhawk | 3.2 V6 Pentastar Trailhawk | |
|---|---|---|---|
Motor | Vierzylinder/vorn quer | Vierzylinder/vorn quer | V6/vorn quer |
Ventile/Nockenwellen | vier pro Zylinder/2 | vier pro Zylinder/2 | vier pro Zylinder/4 |
Hubraum | 2174 cm³ | 1995 cm³ | 3239 cm³ |
Leistung | 143 kW (194 PS) bei 3500/min | 200 kW (272 PS) bei 5250/min | 200 kW (272 PS) bei 6500/min |
Drehmoment | 450 Nm bei 2000/min | 400 Nm bei 3000/min | 315 Nm bei 4300/min |
Höchstgeschw. | 202 km/h | 206 km/h | 180 km/h |
0–100 km/h | 8,6 s | 7,2 s | 8,4 s |
Tank/Kraftstoff | 60 l/Diesel | 60 l/Super | 60 l/Super |
Getriebe/Antrieb | Neunstufenautomatik/Vorderrad | Neunstufenautomatik/Allrad | Neunstufenautomatik/Allrad |
Länge/Breite/Höhe | 4623/1859/1670 mm | 4623/1859/1724 mm | 4626/1904/1722 mm |
Kofferraumvolumen | 448-1555 l | 448-1555 l | 412-1267 l |
Leergewicht/Zuladung | 1834/456 kg | 2010/443 kg | 2036/459 kg |
Entspannte Langstrecken liegen dem Cherokee
So fährt er: Wer ernsthaft mit einen Cherokee liebäugelt, sollte sich von allzu ambitionierten Verarbeitungs- und Fahrwerksvorstellungen besser früh verabschieden. Weder das Fahrwerk noch die Lenkung oder die Fertigungsgüte können es mit europäischen Platzhirschen aufnehmen. Dafür passen, abgesehen vom 140-PS-Diesel, die Leistungsreserven. Der Cherokee ist ein wohldosierter amerikanischer Traum, der auch vor deutschen Vorstadt-Doppelhaushälften nicht lächerlich wirkt. Bei ernsthaften Geländeambitionen sollte man die Trailhawk-Variante in Erwägung ziehen.

Das Fahrverhalten des Cherokee wirkt eher schwammig. Das hohe Gewicht ist deutlich spürbar.
Bild: Tom Salt/AUTO BNILD
Stärken
- Individueller Fahrzeugcharakter
- Mit Allrad verblüffend geländegängig
- Ausstattungsniveau meist generös
Schwächen
- Qualitätsdefizite im Detail
- Fahrwerk mit wenig Feinschliff
- Relativ teurer Unterhalt
Weder besonders robust noch günstig bei Reparaturen
Das macht Ärger: Vier Jahre Neuwagengarantie (ab 7/2015) und zwei Jahre Lackgarantie sind ordentlich. Mäßig dagegen die sieben Jahre Durchrostungsschutzgarantie. Vorsicht vor im Gelände geschundenen Exemplaren. Elektronikprobleme betreffen insbesondere die elektrische Parkbremse, das Kombiinstrument, das Infotainment und die Servolenkung. Die Automatikgetriebe schalten oft unangenehm hart und neigen zu kapitalen Schäden. Der 2,4-Liter-Motor zeigt teils Probleme mit dem Ölverbrauch. Leckende Kühler und Kühlmittelthermostate sind auch ein Thema.
Unterhaltskosten
Testverbrauch | 7,9 l D/100 km |
|---|---|
CO2 gem. WLTP-Zyklus | 188 g/km |
Inspektion | 350-800 Euro |
Haftpflicht (18)* | 603 Euro |
Teilkasko (24)* | 779 Euro |
Vollkasko (22)* | 1315 Euro |
Kfz-Steuer (Euro 6) | 395 Euro |
Ersatzteilpreise*
Lichtmaschine | 1290 Euro |
|---|---|
Anlasser | 1031 Euro |
Wasserpumpe | 695 Euro |
Zahnriemen | 666 Euro |
Endschalldämpfer | 1013 Euro |
Kotflügel vorn links, lackiert | 1425 Euro |
Bremsscheiben und -klötze v. | 1016 Euro |
Infotainmenteinheit | 5708 Euro |
4 Sommerreifen (Dimension 225/55 R18 V) | 680 Euro |
Service-Links






























