Jeep Compass: Gebrauchtwagen-Test
Stimmt der Kurs?

Bild: AUTO BILD/Christoph Börries
Als Grenzgänger trat der Jeep Compass 2017 an. Die zweite Generation, intern als MP bezeichnet, galt als globaler Hoffnungsträger der Stellantis-Marke, die wie kaum eine andere für Abenteuer steht. Gebaut in Mexiko und Italien, sollte er nicht weniger als den Spagat schaffen zwischen US-Offroad-Seele und europäischem SUV-Zeitgeist.
Stämmiger als die Konkurrenz von VW, Hyundai oder Opel
Das ist er: Optisch macht der Compass vieles richtig. Seine Front trägt stolz den typischen Seven-Slot-Grill, muskulös ausgestellte Radhäuser und ein plastisch geformter Unterfahrschutz lassen ihn stämmiger als die Konkurrenz von VW, Hyundai oder Opel vorfahren. Er versprüht einen Hauch von Abenteuer, ohne dabei ins Peinliche abzudriften. Mit 4,39 Meter Länge positioniert er sich im hart umkämpften C-Segment, nutzt die FCA Small-Wide-4x4-Plattform.
Sein Platzangebot ist okay, wenn auch nicht üppig. Vorne sitzt man recht bequem, hinten wird es für große Mitfahrer ab etwa 1,80 m eng. Der Kofferraum fasst je nach Variante und Lehnenstellung 420 und 1387 Liter – das reicht für den Alltag, kaum für großes Urlaubsgepäck.
Deutlich schwankende Verarbeitungsqualität
Das hat er: Die Ausstattungen sind klar strukturiert. Die Basis ist mit Klimaanlage und Radio bestückt, wirkt insgesamt karg. Wer Komfort wünscht, sollte mindestens zum Longitude greifen. Dann sind ein 8,4-Zoll-Touchscreen, Parksensoren und Tempomat an Bord. Edel wird es mit der Limited-Version: LED-Scheinwerfer, Fahrassistenten, beheizbare Lederpolster, Navigation und schlüsselloser Zugang machen den Alltag angenehmer. Kerniger Toptyp ist der Trailhawk: Er gibt sich rustikal mit mehr Bodenfreiheit, Unterfahrschutz und echter Offroad-Technik. Deutlich schwankend ist die Verarbeitungsqualität.
Technische Daten
1.3 T-GDI | 1.4 MultiJet AWD | 1.3 T-GDI PHEV 4xe Aut. | |
|---|---|---|---|
Motor | Vierzylinder/vorn quer | Vierzylinder/vorn quer | Vierzylinder-Hybrid/vorn quer + E hinten |
Ventile/Nockenwellen | 4 pro Zylinder/2 | 4 pro Zylinder/2 | 4 pro Zylinder/2 |
Hubraum | 1332 cm³ | 1956 cm³ | 1332 cm³ |
Leistung/Systemleistung | 96 kW (130 PS) bei 4750/min | 103 kW (140 PS) bei 3750/min | 177 kW (240 PS) bei 5750/min |
Drehmoment/Systemdrehmoment | 270 Nm bei 1560/min | 350 Nm bei 1500/min | 250 Nm bei 1850/min + 250 Nm Elektro |
Höchstgeschwindigkeit | 192 km/h | 190 km/h | 200 km/h |
0-100 km/h | 10,3 s | 10,1 s | 7,3 s |
Tank/Kraftstoff | 55 l/Super | 60 l/Diesel | 36,5 l/Super + 11,4 kWh/Strom |
Getriebe/Antrieb | Sechsgang manuell/Vorderrad | Sechsgang manuell/Allrad | Sechsstufenautomatik/Allrad |
L/B/H | 4394/1819/1629 mm | 4394/1819/1644 mm | 4394/1819/1649 mm |
Kofferraumvolumen | 438-1387 l | 438-1269 l | 420-1230 l |
Leergewicht/Zuladung | 1505/460 kg | 1615/516 kg | 1935/465 kg |
Anhängelast (gebr./ungebr.) | 1750/600 kg | 1900/545 kg | 1250/600 kg |
Ein Compass will cruisen, nicht hetzen
So fährt er: Auf der Straße gibt sich der Compass souverän, aber keinesfalls sportlich. Die Lenkung wirkt synthetisch, die Abstimmung leicht unbeholfen. Der Schwerpunkt liegt auf Gelassenheit, ein Compass will cruisen, nicht hetzen. Unter der Haube sind entweder 1.4-Multi-Air-Benziner mit 140/170 PS oder Diesel mit 1,6 bzw. 2,0 Liter Hubraum gängig. Letzterer war lange Zugpferd der Baureihe, ein weiterer Pluspunkt die Neunstufenautomatik. Die Kraftentfaltung der Selbstzünder ist solide, die Geräuschkulisse dafür kernig.

Das Frontdesign des Jeep Compass erinnert an den viel teureren Grand Cherokee. Mit Allradantrieb geht es im Gelände sicher voran.
Bild: AUTO BILD/Christoph Börries
Der Allrad passt gut: Zwar handelt es sich primär um ein zuschaltbares System, aber es ist recht leistungsfähig. Im Trailhawk mit Geländeuntersetzung, Sperre und elektronischem Differenzial zeigt das Compass-Konzept Offroad-Kompetenz. 2020 folgte ein neuer Turbo-Benziner mit 130 oder 150 PS. Der Compass-4xe-Plugin-Hybrid kombiniert 1.3 Turbo und E-Motor an der Hinterachse – mit 190 oder 240 PS Systemleistung: ein Konzept mit E-Reichweite um 50 km, das eher für die Kurzstrecke interessant ist.
Gefällt uns
- SUV mit starkem Charakter
- Solides Ausstattungsniveau
- Leistungsfähige Allradvarianten
Gefällt uns nicht
- Im Detail Qualitätsschwächen
- Teuer im Unterhalt
- Begrenztes Raumangebot (Fond, Kofferraum)
Mittelprächtig bei der Zuverlässigkeit
Das macht Ärger: Vier Jahre Garantie für den Neuwagen, zwei Jahre auf Lack und nur sieben Jahre gegen Durchrostung sowie acht Jahre oder 150.000 Kilometer auf die Hochvolttechnik bietet Jeep. Bei der Zuverlässigkeit schneidet der Compass beim ADAC mittelprächtig ab.
Probleme gab es vereinzelt mit defekten Turboladern, knochigen Schaltgetrieben, ruckelnden Automatikgetrieben und vielfältigen Elektronikmacken, besonders im Infotainment-Bereich. Fahrwerksseitig gilt er als robust, die Bremsanlage quietscht oft und gilt eher als unterdurchschnittlich dimensioniert. Häufiger monieren Eigner außerdem Feuchtigkeit im Innenraum. Beim Kraftfahrt-Bundesamt sind 32 Rückrufe hinterlegt.
Unterhaltskosten
Testverbrauch | 7,3 l D/100 km |
|---|---|
CO2 gem. WLTP-Zyklus | 171 g/km |
Inspektion | 300-800 Euro |
Haftpflicht (19)* | 738 Euro |
Teilkasko (21)* | 875 Euro |
Vollkasko (19)* | 1376 Euro |
Kfz-Steuer (Euro 6) | 342 Euro |
Ersatzteilpreise*
Lichtmaschine (AT) | 1399 Euro |
|---|---|
Anlasser | 1153 Euro |
Wasserpumpe | 647 Euro |
Zahnriemen | 831 Euro |
Nachschalldämpfer | 843 Euro |
Kotflügel vorn links, lackiert | 1472 Euro |
Bremsscheiben und -klötze v. | 952 Euro |
Infotainmenteinheit | 1649 Euro |
Sommerreifen (225/60 R 17 V) | 600 Euro |
Service-Links

























