Jutta Kleinschmidt über ihren Dakar-Sieg
Vor 15 Jahren auf dem ersten ABMS-Titel

AUTO BILD MOTORSPORT feiert Jubiläum - genauso wie Rallye-Ikone Jutta Kleinschmidt. Ein Interview mit der Dakar-Siegerin aus gegebenem Anlass.
Bild: Picture-Alliance
Vor genau 15 Jahren erschien die erste AUTO BILD MOTORSPORT mit DAKAR-Siegerin Jutta Kleinschmidt auf dem Titel. Heute erscheint die erste AUTO BILD MOTORSPORT des Jahres 2016, und das im neuen Design. Aus Anlass des Jubiläums erinnert sich Kleinschmidt an ihren Erfolg vor 15 Jahren.
Was ist das für ein Gefühl, 15 Jahre nach Ihrem Sieg bei der Dakar wieder auf das Titelblatt der ersten AUTO BILD MOTORSPORT zu schauen?
Jutta Kleinschmidt: Es ist natürlich schön, wenn man da wieder dran erinnert wird. Von solchen Momenten zehrt man. Und die Erinnerungen sind natürlich immer noch präsent. Das ist etwas, was dich dein ganzes Leben begleitet – ein Erfolg, von dem du immer profitierst. Es ist einfach etwas anderes, zu gewinnen statt Zweiter zu werden.
Wie wurde es damals aufgenommen, dass Sie als erste Frau die Rallye Dakar gewinnen konnten?

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War das Jubiläum etwas Besonderes für Sie?
Für mich ist es gar nicht so wichtig, ob es jetzt zehn oder 15 Jahre her ist. Das einzige, was einem dadurch bewusst wird: Die Zeit vergeht rasend schnell. Im selben Jahr meines Dakar-Sieges ist auch eine meiner Nichten geboren – jetzt ist sie schon so groß und erwachsen, das ist der Hammer.
Was ist Ihre stärkste Erinnerung an Ihren Sieg bei der Dakar?

2001 Dakar-Sieg für Mitsubishi: Als erste Frau überhaupt
Sie sind die Dakar noch in Afrika gefahren. Wie schwer ist es so eine mehrwöchige Wüsten-Rallye zu bestreiten, anzukommen und dann auch noch zu gewinnen?
Damals war es noch viel länger als heute. Wenn man sich die Gesamtzeit anschaut, dann sind wir fast das Dreifache gefahren. Es war ein anderes Gelände mit sehr viel mehr Offroad und mehr Dünen als heute. In diesem Jahr war der erste Teil ja fast wie bei Spezialprüfungen in der Rallye-Weltmeisterschaft. Im Gelände konnte damals wahnsinnig viel passieren, weil man es nicht kennt. Man kommt da hin und kriegt ein Road-Book in die Hand gedrückt. Das geht man dann am Abend vorher zusammen mit dem Beifahrer durch. Und das ist eigentlich auch das Spannende daran: Dieses riesengroße Abenteuer, das Ungewisse.
Und das Drumherum? Wie sahen die Nächte aus?

Anschließend fuhr Kleinschmidt auch noch für VW ...
Verfolgen Sie die Rallye Dakar noch immer regelmäßig?
So weit es geht. Das Interesse steigt wieder, weil Peugeot so gut geworden ist. Das freut mich, weil es in den letzten Jahren eher ein Mini-Cup war. Um so ein Auto zu bekommen, muss man aber viel Geld mitbringen. Ich habe es die letzten Jahre auch immer mal wieder probiert, aber wer da nicht fast eine Million Euro mitbringt, der hat keine Chance. Bei Werksteams wie Peugeot haben wieder professionelle Fahrer ohne viel Mitgift die Möglichkeit auf eine Teilnahme.
Es würde Sie also wieder reizen dort mitzufahren?

... und zum Schluss für BMW bei der Dakar
Wie sieht im Moment Ihr Alltag aus? Was haben Sie für Projekte?
Im letzten Jahr habe ich gemeinsam mit Michele Mouton und der FIA ein nagelneues Projekt gegründet: Women’s Cross Country Selection. Eine Schulung für junge talentierte Rennfahrerinnen. Ich hoffe, dass endlich auch im Cross Country-Bereich ein weiblicher Nachwuchs kommt, weil nach mir da nichts kam. Das ist schade, denn ich glaube, dass gerade Cross-Country-Rallyes sehr geeignet sind für Frauen.
Warum sind gerade in dieser Disziplin Chancen für Frauen da, den Männern ebenbürtig zu sein?

Deutsche Rallye-Ikone: Jutta Kleinschmidt heute
Welche konkreten Pläne haben Sie Ihre eigenen Stärken bei der Dakar wieder unter Beweis zu stellen?
Ich bin letztes Jahr zwei Rennen mit einem Polaris-Buggy gefahren. Diese Buggys sind eigentlich der Hammer, weil sie relativ wenig kosten. Einen Standard-Buggy kann man für 25.000 Euro kaufen. Ich war damit letztes Jahr bei einem 24-Stundenrennen in Polen dabei und bin damit die schnellste Rundenzeit von allen Autos gefahren – und da war zum Beispiel auch mein ehemaliges Dakar-Auto dabei. Die gehen zwar nur maximal 140 km/h, aber bis dahin richtig gut. Gewinnen kann man die Dakar damit nicht, aber es ist ein super Einstieg in den Cross-Country-Sport für die junge Generation. Dieses Jahr versuche ich erst einmal Sponsoren für die Silk Way Rallye (Peking-Moskau; d. Red.) zu finden. Und für noch mehr Aufmerksamkeit hoffe ich auch, mit dem Buggy die Dakar fahren zu können. Mit meiner Teilnahme will ich ein bisschen Aufmerksamkeit bekommen, um so eine Art Juniorenteam zu machen.
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