Kampf gegen Feinstaub
Moos am Straßenrand

Das Wundermittel gegen Feinstaub? Wurzellose Pflanzen, die Feinstaub fressen: Gute Idee – aber sie kommt nicht voran. Die Umweltämter blockieren Messungen, weil sie dem grünen Wunder misstrauen.
- Roland Niederlich
Umweltzonen, Tempo 30, intelligente Ampeln – im Kampf gegen Feinstaub schlagen Städte und Gemeinden vielfältige Wege ein. Professor Jan-Peter Frahm von der Uni Bonn forscht an einer besonders grünen Lösung des Problems: Moose sollen die Drecksarbeit übernehmen. Der Biologe fand heraus, dass der schwebende Dreck "nicht nur aus Abrieb von Bremsen und Reifen besteht, sondern zu 40 bis 50 Prozent aus Ammoniumsalzen". Und genau davon ernähren sich die flachen Pflanzen, die ihre Nahrung nicht über Wurzeln, sondern die Blätter aufnehmen. Außerdem, so Frahm weiter, fräßen auf dem Moos lebende Bakterien sogar Reifengummi. Und weil die Oberfläche negativ, die Ammoniumsalze aber positiv geladen sind, zieht das Gewächs seine Nahrung regelrecht an.
Ein richtiger Praxistest wäre hochinteressant

Bild: Prof. Jan-Peter Frahm
Im Umweltbundesamt sitzen keine Biologen
Dabei bekommt Frahm sogar Unterstützung von anderen Wissenschaftlern: "Seine Idee ist genial. Klar, es fehlen genaue Zahlen. Aber darum wäre ein richtiger Praxistest ja so interessant", so Dr. Oliver Dürhammer, Herausgeber des Moosatlas Deutschlands. Auch im Umweltbundesamt (UBA) hält man nichts von Moosen als Feinstaubfresser. Vielmehr sei bereits der Ansatz, nämlich die Symptombekämpfung, kontraproduktiv. Frahm fühlt sich missver-standen: "Natürlich lässt ein Fahrverbot punktuell erst gar kein Feinstaub entstehen. Aber sperren Sie mal ein Autobahnkreuz." Zudem will der Forscher rechtlich gegen einige Aussagen auf der Internetseite des Amtes vorgehen, die wissenschaftlich nicht haltbar seien: "Da wird teilweise schlicht die Unwahrheit gesagt." Unter anderem, dass "Passivsammler wie Moose für Abscheider, die eine vorgegebene, nachprüfbare Wirkung haben sollen, nicht infrage" kämen. Frahm: "Schon seit 1990 gibt es das Schwermetallmonitoring der EU." Das misst die Schwermetall-Belastung der Luft – mit Hilfe von Moosen.
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