NRW schafft Sichtschutzwände gegen "Gaffer" an

Kampf gegen Gaffer am Unfallort

Kampf gegen Gaffer

Bundesrat will härtere Strafen für Gaffer

Unfallgaffer sollen härter bestraft werden, fordert der Bundesrat. Insbesondere geht es um Fotos und Videos, die Gaffer von Todesopfern machen.
(dpa/cj) Gaffer, die Rettungseinsätze stören, sollen nach dem Willen des Bundesrats härter bestraft werden. Die Länderkammer forderte den Bundestag am 17. Mai 2019 auf, strengere Gesetze gegen Schaulustige an Unfallorten einzuführen. Bisher seien lediglich lebende Personen davor geschützt, dass bloßstellende Fotos und Videos gemacht und verbreitet werden, heißt es in dem Beschluss. Das solle auf Tote ausgeweitet werden. Bundestagsabgeordnete von Union und SPD äußerten sich zustimmend: Eine solche Änderung sei in dieser Legislaturperiode geplant. Immer wieder werden Polizei, Feuerwehr und Ärzte gebremst, weil ihnen der Weg von neugierigen Gaffern mit gezückten Smartphones versperrt ist. Bereits 2017 führte der Bundestag härtere Strafen ein. Seitdem drohen beim Gaffen als Ordnungswidrigkeit bis zu 1000 Euro Bußgeld. Fotos oder Filme von einem Unfall zu machen, die "die Hilflosigkeit einer anderen Person zur Schau stellen", gilt laut Paragraf 201a des StGB sogar als Straftat, die theoretisch mit bis zu zwei Jahren Haft bestraft werden kann.

Polizei fotografiert Unfall-Gaffer

Anti-Gaffer-Video mit bösem Ende

Auch außerhalb der Gesetzgebung gibt es diverse Maßnahmen gegen Gaffer. So produzierten Anfang 2018 zwei professionelle Filmemacher in Zusammenarbeit mit der Freiwilligen Feuerwehr Osnabrück und dem Bürgerverein Wüste e.V. ein Video, das sich auf Youtube und Facebook schnell verbreitet hatte. Der Inhalt: Drei junge Autoinsassen kommen an einem Unfall mit Feuerwehreinsatz vorbei, fotografieren, filmen und prahlen noch vor Ort in den sozialen Netzwerken – und erleben am Ende eine bitterböse Überraschung. Titel: "Schaulustige – sei kein Gaffer". Ein sehenswerter Film:

Ratingen: Polizei filmt zurück

Die Polizei filmt auf der A 3 bei einem schweren Unfall vorbeifahrende Autos, um Gaffer zu identifizieren.

Bei einem "echten" schweren Unfall im November 2017 auf der A3 bei Düsseldorf, bei dem zwei Menschen starben, waren ebenfalls Gaffer am Werk. Sie versuchten ungeachtet der schrecklichen Bilder und trotz aufgestellter Sichtblenden, die Unfallstelle zu fotografieren und zu filmen. Doch diesmal ging die Polizei gegen sie vor: Beamte stellten sich schließlich mit einer Videokamera an der Mittelleitplanke auf, um Gaffer im Gegenverkehr zu filmen und später ermitteln zu können. "Die Kollegen standen durch Zufall im Stau auf der Gegenfahrbahn. Weil sie die notwendige Technik dabei hatten, haben sie spontan die Kräfte vor Ort unterstützt", sagte eine Polizeisprecherin.

Feuerwehrmann bespritzt Gaffer mit Wasser

Wenige Tage zuvor war die Feuerwehr bei einem schweren Unfall mit drei Toten auf der A3 bei Weibersbrunn (Landkreis Aschaffenburg) mit dem Wasserstrahl gegen Gaffer vorgegangen. Dafür hatte sie viel Sympathie geerntet, es gab aber auch kritische Töne. Die Polizei hatte die jeweiligen Fahrer angehalten, Personalien festgestellt und Ordnungswidrigkeitsverfahren eingeleitet.
Feuerwehr bespritzt Gaffer mit Wasser

Drei Menschen sind bei einem Lastwagen-Unfall auf der A3 gestorben. Wieder gab es etliche Gaffer, wieder wollten vorbeifahrende Autos das Unglück filmen. Diesmal wehrt sich die Feuerwehr mit ungewöhnlichen Mitteln:

Gepostet von ZDF heute am Freitag, 10. November 2017

Gaffer kennen keine Grenzen

Sichtschutzwände sollen in Nordrhein-Westfalen Unfallopfer vor Gaffern schützen.

Durchweg kritisch äußern sich Opferschützer gegenüber den zunehmenden Gaffern: "Der Voyeurismus hat zugenommen, es gibt keinen schweren Unfall mehr, bei dem nicht gefilmt wird", sagt Hartmut Berg, Opferschützer bei der Kölner Polizei. "Unerträglich", findet auch Nordrhein-Westfalens Innenminister Ralf Jäger: "Wenn Autofahrer von der anderen Seite extrem langsam fahren, um den Unfallort mit der Handykamera filmen zu können, dann ist eine Grenze überschritten", so der Sozialdemokrat. Sein Bundesland und Niedersachsen haben als erste reagiert: Mit mobilen Sichtschutzwänden werden Neugierige ausgesperrt. Außerdem filme die Polizei zurück, um Autofahrer zu überführen, die gegen das Handyverbot am Steuer verstoßen. "Nach einem schweren Unfall haben Polizisten und Rettungskräfte eigentlich Besseres zu tun", so AUTO BILD-Redakteur Claudius Maintz. "Da Gaffen an sich nicht verboten ist, wird der blick- und kameradichte Mobilzaun die meisten Video-Voyeure aber zumindest ärgern – zumindest, solange sie nicht auf der anderen Seite liegen.

Kampf gegen Gaffer am Unfallort

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