Gebrauchte Karmann-Mobile auf MB 100 gibt es schon ab 5000 Euro. Doch wie lebt sich es mit so einem Nice-Price-Modell? AUTO BILD REISEMOBIL hat es getestet.
Der Himmel ist blau, aber es rumpelt so seltsam. Ein Gewitter? Wer morgens auf dem Campingplatz seinen MB 100 anlässt, dem ist die Aufmerksamkeit der Nachbarn sicher. Das Nageln des Mercedes-Vorkammerdiesels weckt Erinnerungen, du denkst an den TV-Dauerläufer "Auf Achse" mit Manfred Krug oder zumindest an eine Hamburger Hafenbarkasse. Kein Wunder, immerhin hört der Fronttriebler ja auch auf den Spitznamen "Kutter".
Der Diesel fuhr schon frühe Unimog durchs Wirtschaftswunder
Rustikal: Typisches Mercedes-Nutzfahrzeug-Ambiente der späten 80er. In der Mitte sitzt der Motor.
Bild: Sandra Beckefeldt / AUTO BILD
Mit dem hat der Mercedes Transporter die Fahrdynamik gemeinsam. Die Fernreise wird zur Zeitreise, wenn zwischen den Sitzen in der Kabine der 2,4-Liter-Motor mit dem spröden Namen O 616 hämmert. Denn immerhin hat dieser Diesel zu Beginn seiner Karriere schon Ponton-Benz und frühe Unimog durchs deutsche Wirtschaftswunder bewegt. Dazu passt das Grundkonzept des in Spanien gebauten Mercedes: Frontlenker-Bauweise, Motor vorn längs, Frontantrieb und eine nicht selbsttragende Karosserie auf einem Doppelrohrrahmen, das ist die Bauweise der Adenauer-Ära – ideal für Sonderaufbauten jeder Art. Der längst vergessene DKW-Schnelllaster war so konstruiert, und bis zu dem reicht die Ahnenreihe des 1987 vorgestellten MB 100 tatsächlich zurück. Das beweist auch die altmodische Drehstabfederung an der Vorderachse, die alle 10.000 Kilometer mit der Fettpresse abgeschmiert werden muss.
Landstraßentempo wird nur mit viel Anlauf erreicht
Qualitätssprung: Die überarbeiteten Schrägschnauzer ab 1991 sind deutlich ausgereifter als die früheren Typen.
Bild: Sandra Beckefeldt / AUTO BILD
Wer sich also für so einen Youngtimer interessiert, muss erst einmal das Grundkonzept schätzen und akzeptieren. Dem schmalbrüstigen Saugdiesel mit 72 oder 75 PS stehen die Sperrigkeit des Karmann-Alkovenaufbaus und ein Leergewicht von 2400 Kilogramm entgegen. Die Konsequenz ist, dass die Maschine fast immer unter Volllast läuft und selbst Landstraßentempo nur in der Ebene und mit viel Anlauf erreicht werden kann. Die elf Liter Diesel, die er dabei alle 100 Kilometer schluckt, sind dafür akzeptabel. Am Motor muss der Kauf meist nicht scheitern, Laufleistungen von 300.000 km und mehr sind drin. Öl verkleckert das Triebwerk im Alter aber gerne mal. Und Vorsicht bei der hydraulischen Kupplung der späteren MB-100-Modelle: Der Wechsel ist aufwendig und teuer. Bei den frühen Exemplaren zickt oft das Fünfganggetriebe (erkennbar am Rückwärtsgang vorn links): Alle Gänge sollten sich sauber und geräuschfrei schalten lassen. Die späteren Getriebe sind zwar ebenso hakelig wie die frühen, aber viel robuster.
Sanierungsstau kann das Aus bedeuten
Für den Karmann-Aufbau sprechen gute Verarbeitung und großzügiges Raumangebot, aber je nach Pflegezustand kann der Sanierungsstau zum K.-o.-Kriterium werden. Bekannte Schwächen sind Undichtigkeiten rund um die Fenster, an den Seitennähten sowie am Übergang zum Fahrerhaus – wer hier nicht schnell handelt, züchtet bald Schimmelkulturen. Bis Baujahr 1994 wird auch der Boden mit dem Alter weich. Die Ausstattung kommt von den bekannten Zulieferern und lässt sich leicht warten und reparieren. Ein Manko bleibt die fehlende Umweltplakette: Wer damit klarkommt, kann mit dem Kutter glücklich und günstig in See stechen. Neben dem Kapitänspatent schadet allerdings auch etwas Talent zum Schrauben nicht.
So ein gepflegter MB 100 mit KarmannAufbau ist ein knorriger und geräumiger Typ für Individualisten. Die günstigen Preise sind ein starkes Argument, der phlegmatische Diesel aber fordert Nachsicht. Wer gern durch die Alpen oder in Umweltzonen reist, schaut sich besser woanders um.
Karmann auf Mercedes MB 100: Gebrauchtwagen-Test
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Wer morgens auf dem Campingplatz seinen MB 100 anlässt, dem ist die Aufmerksamkeit der Nachbarn sicher. Das Nageln des Mercedes-Vorkammerdiesels lässt einen an eine Hamburger Hafenbarkasse denken. Kein Wunder, immerhin hört der Fronttriebler ja auch auf den Spitznamen "Kutter". Gebrauchte Karmann-Mobile auf MB 100 gibt es schon ab 5000 Euro. Doch wie lebt sich es mit so einem Nice-Price-Modell?
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Mit einem Kutter hat der Mercedes Transporter die Fahrdynamik gemeinsam. Die Fernreise wird zur Zeitreise, wenn zwischen den Sitzen in der rustikalen Kabine der 2,4-Liter-Motor mit dem spröden Namen O 616 hämmert. Denn immerhin hat dieser Diesel zu Beginn seiner Karriere schon Ponton-Benz und frühe Unimog durchs deutsche Wirtschaftswunder bewegt.
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Dazu passt das Grundkonzept des in Spanien gebauten Mercedes: Frontlenker-Bauweise, Motor vorn längs, Frontantrieb und eine nicht selbsttragende Karosserie auf einem Doppelrohrrahmen, das ist die Bauweise der Adenauer-Ära – ideal für Sonderaufbauten jeder Art. Der längst vergessene DKW-Schnelllaster war so konstruiert, ...
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... und bis zu dem reicht die Ahnenreihe des 1987 vorgestellten MB 100 tatsächlich zurück. Das beweist auch die altmodische Drehstabfederung an der Vorderachse, die alle 10.000 Kilometer mit der Fettpresse abgeschmiert werden muss.
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Dem schmalbrüstigen Saugdiesel mit 72 oder 75 PS stehen die Sperrigkeit des Karmann-Alkovenaufbaus und ein Leergewicht von 2400 Kilogramm entgegen. Die Konsequenz ist, dass die Maschine fast immer unter Volllast läuft und selbst Landstraßentempo nur in der Ebene und mit viel Anlauf erreicht werden kann. Die elf Liter Diesel, die er dabei alle 100 Kilometer schluckt, sind dafür akzeptabel.
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Am Motor muss der Kauf meist nicht scheitern, Laufleistungen von 300.000 km und mehr sind drin. Öl verkleckert das Triebwerk im Alter aber gerne mal. Und Vorsicht bei der hydraulischen Kupplung der späteren MB-100-Modelle: Der Wechsel ist aufwendig und teuer.
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Bei den frühen Exemplaren zickt oft das Fünfganggetriebe: Alle Gänge sollten sich sauber und geräuschfrei schalten lassen. Die späteren Getriebe sind zwar ebenso hakelig wie die frühen, aber viel robuster.
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Clevere Aufteilung: Wohnbereich vorn, Wirtschaftsräume im Heck. Wer sich aber dort begegnet, sollte gelenkig sein.
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Die Ausstattung kommt von den bekannten Zulieferern und lässt sich leicht warten und reparieren. Für den Karmann-Aufbau sprechen gute Verarbeitung und großzügiges Raumangebot, aber je nach Pflegezustand kann der Sanierungsstau zum K.-o.-Kriterium werden.
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Die Trittstufe ist massiv gemacht und schafft Vertrauen.
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Die Küche bietet Zweiflammenherd, Spüle und Ablage ums Eck.
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Unser Wohnmobil hat ein vollständiges Bad an Bord. Aber ist es auch dicht? Bekannte Schwächen ...
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... sind Undichtigkeiten rund um die Fenster, an den Seitennähten sowie am Übergang zum Fahrerhaus – wer hier nicht schnell handelt, züchtet bald Schimmelkulturen. Bis Baujahr 1994 wird auch der Boden mit dem Alter weich. Ein Manko bleibt auch die fehlende Umweltplakette: Wer damit klarkommt, kann mit dem Kutter glücklich und günstig in See stechen. Talent zum Schrauben schadet aber nicht.
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Fazit von Redakteur Malte Büttner: So ein gepflegter MB 100 mit KarmannAufbau ist ein knorriger und geräumiger Typ für Individualisten. Die günstigen Preise sind ein starkes Argument, der phlegmatische Diesel aber fordert Nachsicht. Wer gern durch die Alpen oder in Umweltzonen reist, schaut sich besser woanders um. Urteil: 3,5 von fünf möglichen Punkten.