Kia Picanto III: Gebrauchtwagen-Test
Im Test: Ist der Kia Picanto III gebraucht eine Empfehlung?

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Als günstiger Kleinstwagen lockt der 2017 eingeführte Kia Picanto III (JA). Was taugt der Korea-Knirps als Gebrauchter?
Bild: Christoph Börries
Die Idee des Minmalismus ist seit Jahrhunderten ein fester Bestandteil in den verschiedensten asiatischen Kulturen, auch im Hause Kia. Der Kia Picanto bietet auf 3,60 Meter Länge das, was man wirklich braucht.
Kia Picanto: reduziert auf das Wesentliche
Das ist er: Kias Kleinster darf wohlwollend als automobiler Konzentrationsversuch auf das wirklich Notwendige verstanden werden. Dieses Konzept des 3,60 Meter kurzen Fünftürers verdient in Zeiten immer größerer und schwererer Modelle heute mehr Anerkennung denn je. Viele andere Marken haben sich in den letzten Jahren aus dem klassischen Einsteigersegment zurückgezogen und den Reiz des Einfachen zugunsten renditestärkerer XL-Modelle aufgegeben. Das macht den Picanto doppelt spannend, wenn es um bezahlbare Mobilität geht.
Einfach, aber durchdacht
Das hat er: Der Picanto bringt nicht mehr, aber auch nicht weniger mit als die wesentlichen Anlagen, um mit Anstand von A nach B zu kommen. Seine Bedienung gelingt auf Anhieb. Zwar wirkt sein Hartplastik-Cockpit in Zeiten riesiger Touchflächen bereits altmodisch, ist aber absolut selbsterklärend und routiniert verarbeitet. Wie einfach Innenraum und Polsterstoffe wirken, hängt nicht zuletzt von der gewählten Ausstattungslinie ab. Auf unnötigen Schnickschnack oder Effekthascherei an Bord verzichtete Kia zumindest bei den empfehlenswerten Basis-Ausstattungen gänzlich.
Technische Daten
1.0 | 1.2 | 1.0 T-GDI | |
|---|---|---|---|
Motor | Dreizylinder/vorn quer | Dreizylinder/vorn quer | Dreizylinder/vorn quer |
Ventile/Nockenwellen | 4 pro Zylinder/2 | 4 pro Zylinder/2 | 4 pro Zylinder/2 |
Hubraum | 998 cm³ | 1248 cm³ | 998 cm³ |
Leistung | 49 kW (67 PS) bei 5500/min | 62 kW (84 PS) bei 6000/min | 74 kW (100 PS) bei 4500/min |
Drehmoment | 96 Nm bei 3500/min | 122 Nm bei 4000/min | 172 Nm bei 1500/min |
Höchstgeschw. | 161 km/h | 173 km/h | 180 km/h |
0–100 km/h | 14,3 s | 12,0 s | 10,1 s |
Tank/Kraftstoff | 35 l/Super | 35 l/Super | 35 l/Super |
Getriebe/Antrieb | Fünfgang man./Vorderrad | Fünfgang man./Vorderrad | Fünfgang man./Vorderrad |
L/B/H | 3595/1595/1485 mm | 3595/1595/1485 mm | 3595/1595/1485 mm |
Kofferraumvolumen | 255-1010 l | 255-1010 l | 255-1010 l |
Leergewicht/Zuladung | 935/465 kg | 939/461 kg | 1034/416 kg |
Durchgestylt, aber leider gebraucht einige Tausend Euro teurer sind GT-Line (sportlich akzentuiert) und X-Line (mit Crossover-Elementen). Vorne genügt der Bewegungsraum auf den etwas kurz geschnittenen Sitzen auch 1,90 Meter großen Personen, das Raumgefühl profitiert von der großen Kopffreiheit. Auf der mit zwei Isofix-Aufnahmen ausgestatteten Rückbank werden auf Dauer jedoch nur Kleinkinder glücklich, für große Kindersitze kann es im Einzelfall zu eng sein.
Gefällt uns
- Gute Wirtschaftlichkeit
- Robuste Konstruktion
- Vorbliche Handlichkeit
Gefällt uns nicht
- Mäßiger Fahrkomfort
- Teils mangelhafter Pflegezustand
- Gemessen am Neupreis teuer
So richtig nach Askese fühlt sich ein Picanto dennoch nicht an. Was anfangs schmerzhaft fehlte, waren optionale Fahrassistenten. Zur 2021er-Modellpflege legte Kia jedoch bei den Ausstattungsumfängen nach. Je nach Ausstattungslinie (anfangs sechs, später nur noch zwei) und Bestellbereitschaft des Neuwagenkäufers konnten Spurassistent, Müdigkeitserkennung, Notbremsassistent, Müdigkeitswarner und Totwinkelüberwachung mit an Bord sein.
Spritziges Fahrverhalten trotz kleinerer Schwächen
So fährt er: Trotz seiner moderaten Leistung wirkt der Picanto im Stadtverkehr ausreichend spritzig. Gelungen ist seine direkt ansprechende Lenkung. Die Schaltfreude wird vom etwas hakeligen manuellen Fünfganggetriebe aber getrübt. Komforterwartungen sollten nicht ausufern: Das Wesen des Picanto versprüht eine gewisse Kernigkeit, die man so nur noch selten am Markt vorfindet. Durch die schwache Dämmung sind die Fahrgeräusche stets recht präsent. Man merkt, dass der Picanto für die Kurzstrecke konstruiert ist.
Unterhaltskosten
Testverbrauch | 5,6 l S/100 km |
|---|---|
CO2 gem. NEFZ-Zyklus | 113-115 g/km |
Inspektion | 220-450 Euro |
Haftpflicht (16)* | 515 Euro |
Teilkasko (16)* | 523 Euro |
Vollkasko (14)* | 727 Euro |
Kfz-Steuer (Euro 6) | 62 Euro |
Mehr als Dauertempo 120 widerspricht seinem seitenwindempfindlichen Wesen. Positiv: Das Leergewicht von unter einer Tonne und die direkte Lenkung erhöhen den Fahrspaß auf kurvigen Strecken. Der 67-PS-Motor ist unproblematisch und genügt für anspruchslose Pendler-Routinen.

Die zweckmäßige Form ermöglicht relativ viel nutzbaren Raum an Bord.
Bild: Christoph Börries
Spürbar flotter geht es mit dem 1.2 (84 PS) und dem 1.0 T-GDI (100 PS) zur Sache. Stets Standard ist die Abgasnorm Euro 6. Alternativ zum Handschalter gab es anfangs einen erstaunlich harmonischen Vierstufen-Automaten. Das 2020 eingeführte automatisierte Schaltgetriebe (AMT) arbeitet dagegen sehr träge. Top in engen Innenstädten ist der nur 9,60 Meter große Wendekreis.
Garantien, Wartung und Zuverlässigkeit
Das macht Ärger: Garantiert relativ wenig. Denn Kia Deutschland spendierte auch seinem Kleinsten eine vorbildliche, sieben Jahre gültige Neuwagengarantie, fünf Jahre auf den Lack (jeweils bis 150.000 Kilometer) und eine zwölf Jahre gültige Durchrostungsschutzgarantie. Wichtig für die Wahrung dieser Garantieansprüche ist, dass alle Wartungsintervalle (alle zwölf Monate oder 15.000 Kilometer) eingehalten wurden!
Ersatzteilpreise
Lichtmaschine | 678 Euro |
|---|---|
Anlasser | 697 Euro |
Wasserpumpe | 435 Euro |
Zahnriemen | entfällt, Steuerkette |
Nachschalldämpfer | 433 Euro |
Kotflügel vorn links, lackiert | 1165 Euro |
Bremsscheiben und -klötze vorn | 526 Euro |
Navi-Infotainment | 2754 Euro |
4 Sommerreifen (Dimension 175/65 R 14 T) | 450 Euro |
Zu Haltbarkeitsproblemen gibt es bis auf Kleinigkeiten wenig negative Rückmeldungen aus Werkstätten und der Marken-Community. Langfristig senkt die Steuerketten-Konstruktion des Saugrohreinspritzers die Werkstattkosten. Unser Unterbodencheck zeigte keine Schwächen, kritische Rostansätze sind kein Thema. Allerdings finden sich am Markt zahlreiche arg pragmatisch genutzte Exemplare mit deutlichen Gebrauchsspuren und Schäden. Beim Kraftfahrt-Bundesamt sind tatsächlich keinerlei Rückrufe hinterlegt.
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