Kia Picanto: Schwachstellen, Mängel, Stärken
Nur der aktuelle Picanto glänzt beim TÜV

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Während Kias junger Kleinstwagen in dritter Generation beim TÜV einen soliden Eindruck hinterlässt, bremst sich sein Vorgänger teilweise ins Aus.
Bild: Toni Bader / AUTO BILD
Der Kia Picanto ist ein spritziger Cityflitzer und vor allem in der aktuellen Generation eine gute Wahl: Über 90 Prozent der Wagen bestehen die erste HU ohne Beanstandung – das reicht für den Klassensieg unter den Minis. Wer sich allerdings ein älteres Modell anschaut, sollte genauer prüfen, denn dort zeigen sich vereinzelt Schwächen. Der Überblick aus dem aktuellen TÜV-Report.
Kia Picanto (JA)
- Bauzeit: 2017 bis heute
- Motoren: 67 PS (1.0 MPI) bis 100 PS (1.0 T-GDI)
- Preis: ab 7700 Euro
Das ist er: Sportlicher als der Vorgänger – gerade in der Topversion GT-Line. Ansonsten ist der Korea-Knirps aufs Wesentliche reduziert. Gegen Aufpreis gibt es mehr Komfort, Assistenten und Konnektivität. Innenraum und Kofferraum sind alltagstauglich, Verarbeitung und Materialien im Vergleich zu Mitbewerbern mustergültig. 2021 gab's ein Facelift light. Kia gewährt sieben Jahre Vollgarantie.

Der aktuelle Picanto gefällt mit seiner gesunden Mischung aus Komfort und Agilität.
Bild: Tobias Kempe
Das kann er: Als Kleinstwagen eine relativ hohe Sitzposition bieten. Die 67-PS-Version ist eine Wahl der Vernunft, mit 100 Turbo-PS werden Ur-GTI-Erinnerungen geweckt. Letztere sind auch ein Verdienst der knackigen Lenkung und des gut abgestuften Schaltgetriebes. Fahrwerksseitig gelingt dem Picanto eine gesunde Mischung aus Komfort und Agilität.
Das macht Ärger: Sehr wenig. Der Benzin-Direkteinspritzer kann unter Umständen bei hohen Laufleistungen konstruktionsbedingte Verkokungen zeigen. Die Versionen mit Wandlerautomatik sind relativ durstig. Vereinzelt schwächelt die Innenraumbelüftung. Ältere Exemplare sind nicht immer so perfekt verarbeitet wie jüngere. Ein Argument für Gebrauchtkäufer: Die meisten Fahrzeuge haben noch mehrere Jahre Restgarantie. Rückrufe gab es laut Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) bislang nicht.
Kia Picanto (TA)
- Bauzeit: 2011 bis 2017
- Motoren: 67 PS (1.0 LPG) bis 86 PS (1.2)
- Preis: ab 3000 Euro
Das ist er: In zweiter Generation modernisiert und als erster im Segment der Minis mit einem optionalen Knieairbag versehen. Sechs Zentimeter mehr Außenlänge dienten weniger dem Innenraumwachstum als dem Fußgängerschutz. Das Platzangebot ist überschaubar. Für Technikfreaks gab es bereits Features wie ein Keyless-Go-System und elektrisch anklappbare Außenspiegel.

Die zweite Generation gab es wahlweise als Benziner und für Sparfüchse mit LPG-Antrieb.
Bild: Uli Sonntag
Das kann er: Ohne Kulleraugen erwachsener fahren. Die Materialanmutung ist recht einfach. Dafür gab es die zweite Generation wahlweise als Benziner und für Sparfüchse mit LPG-Antrieb. Keine Empfehlung ist die träge Automatik der 1,2-Liter-Version. Das Fahrwerk fällt deutlich straffer aus als beim Vorgänger, was nicht jedem gefällt.
Das macht Ärger: Schwach ausgelegte Klimaanlage. Die LPG-Autogasmodelle sind bei hohen Laufleistungen defektanfälliger als die Benziner. Das KBA meldet drei Rückrufe, darunter wegen schwergängiger Bremssättel hinten (2013) und fehlerhafter Benzinleitungen (2018). Betroffen sind jeweils Exemplare, die zwischen 2011 und 2012 produziert wurden.
Das TÜV-Urteil
Fahrwerk
Wenig auszusetzen gibt es an Federn und Dämpfern sowie Achsaufhängungen des Picanto JA. Letztere werden dem Vorgänger TA vermehrt zum Verhängnis, wie gelegentlich defekte Lenkgelenke. Top bei beiden Modellen sind Lenkanlage, Antriebswellen.
Licht
Die älteren TA-Picanto patzen bei den Rückleuchten fast doppelt so häufig wie die Vergleichsklasse. Auch die Scheinwerfer werden öfter moniert. Für die anderen Baujahre sowie den Nachfolger JA sieht es lichttechnisch eher durchschnittlich aus. Am besten schneiden die Blinker ab.
Bremsen
Der Picanto JA macht seine Sache souverän: An der Bremsfunktion und den Bremsbauteilen wird kaum gekrittelt. Der Vorgängertyp TA ist weniger solide: mangelhaft in allen Disziplinen. Bei ihm sind nur die Bremsschläuche perfekt, Leitungen und Scheiben verschleißen überproportional.
Umwelt
Ein versöhnliches Kapitel für beide Typen: JA und TA kleckern unterdurchschnittlich Öl. Die Abgasanlagen sind vorbildlich. Nur die Abgasuntersuchung wird für die elfjährige TA-Generation verstärkt zur Hürde.
Kia Picanto: Mängeleinteilung*
Ohne Mängel | Geringe Mängel | Erhebliche Mängel | Verkehrsunsicher | |
|---|---|---|---|---|
Alter | ||||
2-3 Jahre | 92,6 (Ø 90,1) | 3,6 (Ø 3,5) | 3,8 (Ø 6,4) | 0,0 (Ø 0,0) |
4-5 Jahre | 88,9 (Ø 85,9) | 4,5 (Ø 5,0) | 6,6 (Ø 9,1) | 0,0 (Ø 0,0) |
6-7 Jahre | 75,9 (Ø 79,1) | 6,3 (Ø 7,3) | 17,8 (Ø 13,6) | 0,0 (Ø 0,0) |
8-9 Jahre | 68,6 (Ø 72,4) | 10,5 (Ø 9,7) | 20,9 (Ø 17,9) | 0,0 (Ø 0,0) |
10-11 Jahre | 59,2 (Ø 64,8) | 11,9 (Ø 12,2) | 28,9 (Ø 23,0) | 0,0 (Ø 0,0) |
Fazit
Der spritzige Knirps ist ideal für den Cityeinsatz. Die HU-Ergebnisse bekräftigen den Trend: Ja zum neuen Typ JA, er überzeugt mit über 92 Prozent mängelfreien Exemplaren beim ersten Prüftermin. Das bringt den Sieg in der Mini-Klasse! Die vorherige Baureihe TA zeigt Schwächen hinsichtlich Bremsfunktion, Leitungen und Scheiben. Kaufinteressenten sollten genau hinschauen.
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