Kia Sorento 4. Gen. (MQ4) : Gebrauchtwagen-Test
Ist der gebrauchte Sorento eine gute Option?

Bild: AUTO BILD/Christoph Börries
Nummer vier setzt neue Akzente. Die 2020 vorgestellte Generation des Sorento (MQ4) ist ein ausgewachsenes SUV von Kia im Volumensegment. Spannend sind besonders jene Details, die da Premiumestablishment herausfordern. Cooles Design, vielfältige Antriebe und ein erhabenes Raumangebot sind unbestreitbar. Doch wie gut schlägt sich der inzwischen für unter 30.000 Euro erhältliche Koreaner als Gebrauchter?
Der Sorento nimmt fünf bis sieben Passagiere mit
Das ist er: Optisch sieht der in dieser Form bis 2024 gebaute Sorento tatsächlich viel teurer aus, als er ist. Betrachtern imponiert er mit seiner klotzig-kraftvoll gezeichneten Frontpartie, serienmäßigen LED-Scheinwerferschlitzen und einem bulligen Heckdesign. Die nackten Abmessungen bestätigen diesen stattlichen Eindruck: 4,82 Meter Länge, 1,90 Meter Breite und ein Radstand von 2,82 Metern ermöglichen großzügige Platzverhältnisse für die je nach Neuwagen-Konfiguration fünf bis sieben Insassen. In mancher Großraumlimousine muss man sich mit weniger Platz begnügen.

Für ein Mittelklasse-SUV wirkt der Sorento üppig. Die Front trägt bis zum Facelift noch das Tigernasen-Design von Kia.
Bild: AUTO BILD/Christoph Börries
Dem Innenraum gelingt es entsprechend locker, mit deutschen Konkurrenten mitzuhalten. An Bord unseres vier Jahre alten Testwagens fallen die erstaunlich hochwertigen Materialien und die Verarbeitung positiv auf. Nach immerhin 137.000 Kilometern sind weder auffällig abgenutzte Oberflächen noch etwa lästige Knarz- oder Klappergeräusche zu bemängeln.
Technische Daten
2.2 CRDi 2WD DCT8 | 2.2 CRDi 4WD DCT8 | 1.6 T-GDI Hybrid | |
|---|---|---|---|
Motor | Vierzylinder/vorn quer | Vierzylinder/vorn quer | Vierzylinder/vorn quer |
Ventile/Nockenwellen | 4 pro Zylinder/2 | 4 pro Zylinder/2 | 4 pro Zylinder/2 |
Hubraum | 2151 cm³ | 2151 cm³ | 1598 cm³ |
Leistung/Systemleistung | 148 kW (202 PS) bei 3800/min | 148 kW (202 PS) bei 3800/min | 169 kW (230 PS) bei 5500/min |
Drehmoment/Systemdrehmoment | 440 Nm bei 1750/min | 440 Nm bei 1750/min | 350 Nm bei 1500/min |
Höchstgeschwindigkeit | 202 km/h | 202 km/h | 193 km/h |
0–100 km/h | 9,0 s | 9,2 s | 9,0 s |
Tank/Kraftstoff | 67 l/Diesel | 67 l/Diesel | 67 l/Super |
Getriebe/Antrieb | Achtgang-DCT/Vorderrad | Achtgang-DCT/Allrad | Sechsstufenautomatik/Vorderrad |
Länge/Breite/Höhe | 4810/1900/1695 mm | 4810/1900/1695 mm | 4810/1900/1595 mm |
Kofferraumvolumen | 705-2100 l | 705-2100 l | 179/813-1996 l |
Leergewicht/Zuladung | 1790/720 kg | 1852/658 kg | 1881/649 kg |
Anhängelast | 2500/720 kg | 2500/750 kg | 1659/750 kg |
Schon die Basis bringt einigen Komfort mit
Das hat er: Großen Koreanern eilt oftmals der Ruf einer Komplettausstattung voraus. Und tatsächlich zeigt auch die serienmäßige Ausstattung des Sorento sowohl bei Assistenz- als auch bei Komfortthemen keine groben Lücken. Anderswo teils aufpreispflichtige Features wie ein digitales 12,3-Zoll-Kombiinstrument, ein zentral angeordnetes Infotainment mit je nach Version acht bis zehn Zoll großem Touchscreen, Smartphoneanbindung per Apple CarPlay oder Android Auto sowie zahlreiche ordentlich funktionierende Fahrassistenzsysteme sind serienmäßig an Bord.

Fein eingerichteter Fahrerplatz mit coolen Alu-Applikationen und solider Ergonomie.
Bild: AUTO BILD/Christoph Börries
Die Ausstattungen streuen naturgemäß abhängig vom Geldbeutel. Doch bereits mit der Basisversion lässt es sich halbwegs komfortabel leben. Die Palette reicht aufsteigend vom "Edition 7" mit 8-Zoll-Infotainment, Sitzheizung vorn und Klimaautomatik über den von uns gefahrenen "Vision", den komfortbetonten "Spirit" bis zur Luxusausstattung "Platinum" mit Nappaledersitzen.
In den höheren und teureren Ausstattungsvarianten wird der Sorento endgültig zum Premium-Schreck. Dann bietet er serienmäßig anderswo aufpreispflichtige Annehmlichkeiten wie belüftete Ledersitze, ein Head-up-Display für den Fahrer sowie ein beeindruckendes Bose-Soundsystem mit sattem Bassfundament.
Recht große und zeitgemäße Motoren-Auswahl
So fährt er: Als gemütlicher Gleiter konzipiert, ist dem mindestens 1,8 Tonnen schweren Sorento jegliche Hektik fremd. Auf Straßen erster bis dritter Ordnung überzeugt er als klassischer Kilometerfresser. Als angenehmer Charakterzug wirkt sein mäßig dynamisches, dafür aber klar komfortbetontes Fahrverhalten. Das stets stahlgefederte Fahrwerk filtert Unebenheiten auch nach rechnerisch über drei Erdumrundungen noch souverän. Die Auslegung der Lenkung wirkt jedoch nicht allzu präzise, Hektik ist dem Sorento fremd.

Zügig angefahrene Kurven sind nichts für den Sorento. Er erzieht zu einer entspannten Fahrweise.
Bild: AUTO BILD/Christoph Börries
Welcher Motor ist die richtige Wahl? Kia bietet mit Diesel-, Mildhybrid- und Plug-in-Hybridmodellen eine recht große und zeitgemäße Auswahl. Mit dem Hybridantrieb 1.6 T-GDI fühlt man sich trotz auf dem Papier recht strammer Leistungswerte weniger souverän motorisiert als angenommen. Der Hubraummangel wird im Alltag gerade mit leerem 1,5-kWh-Akku spürbar. Überzeugender ist der wirtschaftliche 2,2-Liter-Diesel durch sein kräftiges Drehmoment. Er ist die ideale Wahl, um sowohl entspannte Langstrecken als auch gewichtige Gespannfahrten absolvieren zu können.
Ein Job als Anpacker liegt dem Sorento durchaus. Die Zuladungswerte sind enorm hoch. Und selbst ohne Allrad darf der von uns gefahrene 2.2 Diesel bis zu 2,5 Tonnen an den Haken nehmen. Ein solider Wert im Segment, der den meisten Boots- und Pferdeanhängerfahrern genügen dürfte.
Die Plug-in-Hybrid-Variante (13,8-kWh-Akku, 265 PS) ist auf dem Papier und zum Steuernsparen interessant. Sie punktet mit niedrigem Normverbrauch, ist insbesondere im Stadtverkehr tatsächlich sparsamer, fährt bis zu 40 Kilometer elektrisch. Auf Langstrecken relativiert sich der erhoffte Verbrauchsvorteil jedoch oftmals drastisch. Und im Gelände? Da geht dem Sorento trotz wählbarer Fahrprogramme sowie Bergabfahrhilfe und optionalem Allrad mit nur 17,6 Zentimeter Bodenfreiheit schnell die Luft unterm Kiel aus.
Stärken
- Stimmiges Gesamtpaket
- Solides Zugfahrzeug
- Üppiges Raumangebot
Schwächen
- Recht unhandlich
- Unterhaltskosten vergleichsweise hoch
- Vollhybrid für Langstrecke nicht ideal
Die Qualität ist deutlich solider als beim Vorgänger
Das macht Ärger: Kia Deutschland gewährt sieben Jahre oder 150.000 Kilometer Garantie, auf den Lack fünf Jahre und zwölf Jahre gegen Durchrostung. Bei Kilometerfressern können Vorderachslager schnell am Ende sein, teils verhärtet die Lenkung unerwartet. Die Reifendrucksensoren arbeiten nicht immer zuverlässig. Totwinkel- und Querverkehrsassistent reagieren immer mal hypersensibel. Als manchmal zögerlich wird das Kamerasystem kritisiert. Selten vibrieren Allradmodelle in engen Kurven aus dem Antriebsstrang.
Der Rostschutz ist besser als bei den Vorgängern, eine optionale Zusatzkonservierung kostete jedoch neu Aufpreis. Vorsicht vor erhöhtem Verschleiß bei Ex-Zugfahrzeugen. Beim KBA sind sieben Rückrufe hinterlegt.
Unterhaltskosten
Testverbrauch | 8,3 l D/100 km |
|---|---|
CO2 gem. WLTP-Zyklus | 161-169 g/km |
Inspektion | 400-900 Euro |
Haftpflicht (20)* | 800 Euro |
Teilkasko (26)* | 1181 Euro |
Vollkasko (26)* | 1910 Euro |
Kfz-Steuer (Euro 6) | 313 Euro |
Ersatzteilpreise*
Lichtmaschine (AT nicht möglich) | 1349 Euro |
|---|---|
Anlasser | 708 Euro |
Wasserpumpe | 977 Euro |
Zahnriemen | 766 Euro |
Nachschalldämpfer | 1439 Euro |
Kotflügel vorn links, lackiert | 1725 Euro |
Bremsscheiben und -klötze v. | 827 Euro |
Infotainment-Einheit | 6574 Euro |
4 Sommerreifen (Dimension 235/60 R 18 W) | 700 Euro |
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