Gebrauchtwagen-Test Kia Sportage (Typ QL)

Kia Sportage (Typ QL): Gebrauchtwagen-Test

Ganz schön hoch gehandelt, dieser Kia

Der Kia Sportage überzeugt dank guter Qualität und langer Garantie. Einen Haken hat die Sache dennoch. Hier kommt der Gebrauchtwagen-Test.
Geringe Ansprüche muss man beim Kauf eines Kia keineswegs haben. Der Vorbesitzer unseres gebrauchten Sportage war trotzdem mit ganz wenig zufrieden. Er entschied sich für das vor dem Facelift noch erhältliche Basismodell "Attract" (19.990 Euro) und machte nur zwei weitere Kreuzchen. Einmal beim Metallic-Lack Zilinaschwarz (550 Euro) und dem P1-Ausstattungspaket (900 Euro), das den Kompakt-SUV mit Lenkrad- und Sitzheizung (vorn und hinten) anreichert, sowie einer Dachreling und hinteren Parksensoren. Jetzt steht unser Sportage auf dem überdachten Hof der Dello-Niederlassung in Reinbek bei Hamburg für 14.950 Euro. Macht gerade mal 30 Prozent Wertverlust nach dreieinhalb Jahren. Zwar beträgt die Laufleistung ebenfalls unterdurchschnittliche 17.300 Kilometer. Ungewöhnlich ist die hohe Preisstabilität beim Sportage allerdings nicht.

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Der 1,6-Liter-Saugbenziner ist in jeder Hinsicht zurückhaltend

Das Basismodell Attract kommt ohne Navi und Klimaautomatik. Dafür gibt's reisetaugliche Sitze.

Weniger ist mehr, lautet die gern zitierte Devise beim Gebrauchtwagenkauf, allerdings wirkt das mit CD-Radio und manueller Klimaanlage bestückte Cockpit dann doch etwas karg. Liegt natürlich auch daran, dass wir von den Kia-Testwagen meist volle Hütte gewohnt sind. Ein neuer Sportage kostet inzwischen übrigens mindestens 22.490 Euro. Android Auto bzw. Apple CarPlay, eine Rückfahrkamera sowie ein sieben Zoll großes Touchdisplay gehören dafür inzwischen zum Serienumfang. Wir begeben uns auf die Probefahrt und zappen uns auf der Landstraße bis in den sechsten Gang empor. Mit geringstem Kraftaufwand klappt die Bedienung von Kupplung und Schaltung, eine Automatik vermissen wir hier nicht. Der 1,6 Liter große Saugbenziner mit 132 PS ist ein in jeder Hinsicht zurückhaltender Antreiber. Die Stimme erhebt der Vierzylinder selbst im oberen Drehzahlbereich nur äußerst zaghaft, zweifellos sehr angenehm. Doch genauso zaghaft offenbart sich seine Kraftentfaltung. Von Kraft mag man angesichts der 161 Newtonmeter, die erst ab knapp 5000 Touren zur Verfügung stehen, fast gar nicht sprechen. Der maue Durchzug geht übrigens nicht aufs Konto des Gewichts. Mit kaum mehr als 1,4 Tonnen wiegt der frontgetriebene Koreaner etwa so viel wie ein gut ausgestatteter Golf. Die Diesel schieben allesamt deutlich druckvoller an. Das gilt auch für den Turbobenziner mit 177 PS, der sich (ohne den optionalen Allrad) an der Tankstelle nur geringfügig mehr Superbenzin genehmigt. Abgesehen vom etwas steifen Abrollverhalten – Asphaltflicken dringen trotz der hohen Reifenflanken unseres Testwagens überraschend deutlich bis zum Allerwertesten vor – ist unserem Sportage aber nichts anzukreiden.

Technische Daten
Motor Vierzylinder/vorn quer
Ventile/Nockenwellen 4/2
Hubraum 1591 cm³
Leistung 97 kW (132 PS) bei 6300/min
Drehmoment 161 Nm bei 4850/min
Höchstgeschw. 182 km/h
0–100 km/h 11,4 s
Tank/Kraftstoff 62 l/Super
Getriebe/Antrieb Sechsgang man./Vorderrad
Länge/Breite/Höhe 4480/1855/1635 mm
Kofferraumvolumen 503/1492 l
Leergewicht/Zuladung 1417/478 kg
Überblick: Alles zum Kia Sportage

Der Sportage taugt als langfristiger Beziehungspartner

Vom TÜV werden am häufigsten die Bremsen beanstandet. Das war schon beim Vorgänger so, geht aber eher aufs Konto der schwereren Allrad-Modelle.

Von unten betrachtet lässt sich kaum ein Unterschied zum Neuwagen ausmachen. Beim schielenden Blick vorbei an der Unterbodenverkleidung entdecken wir nur taufrische und trockene Aggregate, auch kein Wunder angesichts der geringen Laufleistung. Allgemein gilt: Beim TÜV kann der Sportage schon bei der ersten Hauptuntersuchung mit kleineren Ölleckagen auffallen. Am häufigsten werden jedoch die Bremsen beanstandet. Der erhöhte Verschleiß ist uns bereits vom Dauertest des Vorgängermodells bekannt. Kleinigkeiten, davon abgesehen taugt so ein Sportage durchaus als langfristiger Beziehungspartner. Die sieben Jahre Garantie, die Kia bei Neuwagen vergibt, sind für den Hersteller auch beim Sportage ein gut kalkulierbares Risiko. Der Gedanke, der sich aber aufdrängt: Die Preisdifferenz zum dann von Hause aus besser ausgestatteten Neuwagen mit immerhin doppelt so langer Garantie fällt gering aus. Ihnen ist ein Neuer zu teuer? Wer seine Ansprüche nur ein kleines bisschen runterschraubt, der landet beim Vorgängermodell, Jahrgang 2015. Den 1er-Absolventen unseres Dauertests gibt es schon für 11.000 Euro.

Gebrauchtwagen-Test Kia Sportage (Typ QL)

Kia Sportage 1.6 GDIKia Sportage 1.6 GDI
Fazit von Stefan Novitski: Aus qualitativen Gründen spricht wenig dagegen, den Sportage zu empfehlen. Allerdings macht die hohe Wertstabilität das gebrauchte SUV ganz schön teuer. Der schärfste Konkurrent bleibt daher der Neuwagen mit voller Sieben-Jahres-Garantie. Urteil: vier von fünf Punkten.

Kosten
Unterhalt
Testverbrauch 7,8 l S/100 km
CO2 185 g/km
Inspektion 200-450 Euro
Haftpflicht (17)* 514 Euro
Teilkasko (20)* 122 Euro
Vollkasko (18)* 460 Euro
Kfz-Steuer (Euro 6) 154 Euro
Ersatzteilpreise**
Lichtmaschine 649 Euro
Anlasser 394 Euro
Wasserpumpe 299 Euro
Zahnriemen entfällt, Steuerkette
Nachschalldämpfer 910 Euro
Kotflügel vorn links, lackiert 667 Euro
Bremsscheiben und -klötze 340 Euro
*Onlinetarif der HUK24-Versicherung: Zulassung in Hamburg, Fahrer nur Versicherungsnehmer und Partner (25 Jahre alt), jährliche Fahrleistung 15.000 km, Schadensfreiheitsklasse 1; **Preise inklusive Arbeitslohn und 19 Prozent Umsatzsteuer.
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