Kommentar zu Tank & Rast
Ein Euro für den Toilettengang

Pinkeln für Peking: Wenn Reisende an der Autobahn pausieren, verdienen strategische Investoren – darunter ein chinesischer Staatsfonds. Ein Kommentar.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
"Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken." (Matthäus 11,28)
Die Wege des Herrn sind unergründlich. Zum höchsten Christenfest führen sie mit ziemlicher Sicherheit über die deutsche Autobahn. Denn Ostern schwappt die erste große Reisewelle des Jahres übers Land. Mit ihr kommen all jene, die mühselig und beladen sind und sich auf der Fahrt ein wenig erquicken möchten – an den Raststätten.
Womit wir beim Problem wären. Dort inneren Frieden zu finden, ist schier unmöglich angesichts dessen, was Autofahrer erwartet.
• Irre hohe Spritpreise. Durchschnittlich 42 Cent Aufschlag bei Super E10 ermittelte der ADAC im vergangenen Jahr an Stationen von Tank & Rast im Vergleich zu Tankstellen abseits der Autobahn.
• Wucher beim Reisebedarf. 3,29 Euro für eine Bifi, 6,90 Euro für eine Packung Pringles oder 8,18 Euro für eine Tasse Cappuccino – so etwas ist völlig inakzeptabel.
• Toiletten-Abzocke. Ein Euro für den Klogang – nennt sich Sanifair, ist aber saniunfair. Den Euro-Wertbon schmeißt man angesichts der Preise im Shop am besten gleich weg. Für das menschliche Bedürfnis zu kassieren, um die Rendite zu steigern, halten auch Politiker, Verbraucherschützer und Autoclubs für unseriös.
• Monopolstellung. 412 von 420 Autobahn-Raststätten werden von der in Bonn ansässigen Tank & Rast betrieben, ergab eine ZDF-Recherche. Zudem bemühe sich das Unternehmen, auch die etwas abseits gelegenen Autohöfe zu übernehmen, auf die schon viele Reisende ausweichen.
• Staatshilfe zur Profitsteigerung. Trotz Privatisierung der Rastanlagen (1998) muss sich der Bund immer noch um Bau und Instandhaltung der Infrastruktur, um die Zufahrten, die Parkplätze, den Müll kümmern – was viele Millionen Euro im Jahr kostet. Steuergeld, das den Weg zu Tank & Rast ebnet. Vater der verkorksten Privatisierung: der damalige Bundesverkehrsminister und spätere Autolobbyist Matthias Wissmann.
• Pinkeln für Peking. Sanifair ist eine Tochter von Tank & Rast. Zu den Eigentümern gehört mit einem 15-Prozent-Anteil ein chinesischer Staatsfond. Die Menschenrechte werden in China mit Füßen getreten. Todesstrafe, Folter, Umerziehungslager, eingeschränkte Meinungsfreiheit, Medien- und Internetzensur, die Unterdrückung ethnischer Minderheiten in Tibet und die Unterstützung Russlands sind Beispiele dafür. Kurzum: Geht ein europäischer Demokrat aufs Sanifair-Klo, profitiert das chinesische Unrechtsregime. Sehr unappetitlich.
Das alles muss nicht sein. Die Wege des Herrn führen auch mal runter von der Autobahn. Dorthin, wo Deutschland schön ist: in Dörfer, zu kleinen Landgasthöfen, Obstbauern oder Winzern. Rasten statt Ausrasten, Reisen statt Rasen – die Zeit sollten wir uns nehmen.
In Gottes Namen und gerade zu Ostern.
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