Viel gekauft heißt nicht automatisch wenig beanstandet. Auch Bestseller wie der VW Tiguan, Mazda CX-5 oder BMW X1 können im Alter zicken. AUTO BILD hat gemeinsam mit dem TÜV mehrere Millionen offizielle TÜV-Prüfungen analysiert und die Mängelstatistiken ausgewertet.
Hier stehen drei Dauerbrenner der Kompakt-SUV-Klasse im Visier: BMW X1 (F48), Mazda CX-5 (KF) und VW Tiguan (II). Wie die drei Kandidaten sich im Vergleich bei den ersten beiden Hauptuntersuchung schlagen, haben wir uns genauer angeschaut.

Mängelfreie Fahrzeuge

Bei der ersten HU zeigt sich: Der BMW X1 fährt in jungen Jahren an der Spitze. Mit satten 93,3 Prozent mängelfreien Exemplaren beim ersten TÜV-Termin liegt er deutlich über dem Klassenschnitt von 90,1 Prozent. Überraschung: Nach vier bis fünf Jahren bricht der X1 jedoch stark ein – nur noch 79,4 Prozent bestehen ohne Mängel. Dieser Wert liegt klar unter dem Durchschnitt von 85,9 Prozent. Woran das genau liegt – dazu kommen wir später.
Mängelfreie Fahrzeuge (BMW X1 (F48), Mazda CX-5 (KF) und VW Tiguan (II)
Bei der ersten HU zeigt sich ein fast einheitliches Bild. Beim zweiten TÜV-Termin sinken die Werte der mängelfreien Fahrzeuge bei Mazda und vor allem BMW deutlich ab. Nur der Tiguan bleibt konstant.
Bild: Mit Hilfe von KI erstellt
Anders der VW Tiguan: Mit 92,3 Prozent startet er stark und kommt nach vier bis fünf Jahren noch auf sehr gute 89,8 Prozent. Der Mazda CX-5 trifft beim ersten TÜV-Termin mit 90,1 Prozent exakt das Mittel und hält sich konstant, schafft in 86,3 Prozent der Fälle auch nach vier bis fünf Jahren ohne Mängel die Hauptuntersuchung.

Geringe Mängel

In der Kategorie „geringe Mängel“ liegt der Durchschnitt bei 3,5 Prozent (zwei bis drei Jahre alte Fahrzeuge) beziehungsweise 5,0 Prozent (vier bis fünf Jahre alte Fahrzeuge). Der VW Tiguan zeigt hier die beste Bilanz: Nur 2,6 Prozent der zwei bis drei Jahre alten Modelle werden aufgrund geringer Mängel – etwa eines leicht ölfeuchten Antriebs – beanstandet. Nach vier bis fünf Jahren sind es 3,1 Prozent.
Geringe Mängel (BMW X1 (F48), Mazda CX-5 (KF) und VW Tiguan (II)
Bei den geringen Mängeln zeigt sich vor allem der BMW X1 konstant. Der CX-5 erhält dagegen bei beiden TÜV-Terminen häufiger einen Vermerk – oft aufgrund von Mängeln an der Beleuchtung.
Bild: Mit Hilfe von KI erstellt
Auch beim BMW X1 sind geringe Mängel zu den ersten beiden Terminen eher die Ausnahme. Mit 2,4 Prozent und 3,2 Prozent bleibt er konstant unter dem Durchschnitt. Beim Mazda CX-5 hingegen steigt die Quote von 4,3 Prozent auf 5,2 Prozent. Damit liegt er in diesem Feld knapp über dem Mittel – solide, aber nicht herausragend.

Erhebliche Mängel

Der BMW X1 startet mit geringen 4,3 Prozent bei den erheblichen Mängeln und schneidet damit nach zwei bis drei Jahren besser ab als die meisten anderen Prüfkandidaten. Jedoch schnellt der Wert nach vier bis fünf Jahren auf alarmierende 17,4 Prozent – im Vergleich zum Durchschnitt von 9,1 Prozent fallen damit plötzlich fast doppelt so viele X1 durch die Hauptuntersuchung.
Erhebliche Mängel (BMW X1 (F48), Mazda CX-5 (KF) und VW Tiguan (II)
Das ist krass: Bei der zweiten HU schnellen die Werte der erheblichen Mängel beim X1 in die Höhe. Fast jeder fünfte X1 fällt dann beim TÜV durch.
Bild: Mit Hilfe von KI erstellt
Der Mazda CX-5 bleibt stabil: Mit 5,6 Prozent liegt er unter dem Schnitt, nach vier bis fünf Jahren sind es 8,5 Prozent – beides sind ordentliche Werte. Auch der VW Tiguan beweist erneut Konstanz: Mit 5,1 Prozent bei den jüngeren und 7,1 Prozent bei den älteren Fahrzeugen liegt die Durchfallquote beim TÜV in beiden Jahrgängen unter dem Durchschnitt.

Das sind die Mängel von X1, CX-5 und Tiguan

Wenn der Mazda CX-5 beim TÜV auffällt, liegt es häufig an der Bremsanlage. Bereits nach zwei bis drei Jahren – und insbesondere nach vier bis fünf Jahren – entdecken die Prüfer vermehrt verschlissene Bremsscheiben. Ein ähnliches Problem zeigt auch der kleine Bruder CX-3. Weniger gravierend sind dagegen die erhöhten Mängelquoten bei der Beleuchtung – diese lassen sich in den meisten Fällen relativ einfach beheben.
Mazda CX-5
Beleuchtung (meist das Tagfahrlicht), Bremse und Ölverlust sind die Problemzonen des Mazda CX-5. Insgesamt betrachtet schneidet der CX-5 beim TÜV aber immer noch solide ab.
Bild: Olaf Itrich
Allerdings tropft es in einigen Fällen bereits zu den ersten beiden TÜV-Terminen aus dem Antrieb. Die Werte liegen zwar noch unter dem Durchschnitt, doch es gibt eben auch Modelle, die in so jungen Jahren völlig dicht halten.
Beim VW Tiguan zeigt sich ein ähnliches Bild: Auch seine Problemzonen sind die Bremsscheiben – und ebenfalls das Thema Ölverlust. Allerdings muss man dem Wolfsburger zugutehalten, dass er im Durchschnitt deutlich mehr gelaufen ist als CX-5 und X1 (siehe Grafik "Erhebliche Mängel"). Und: Der Ölverlust tritt zur zweiten HU sogar etwas seltener auf als beim ersten Termin.
VW Tiguan
Die erhöhten Beanstandungen beim Thema Ölverlust normalisieren sich zur zweiten HU. Jedoch leidet die Achsaufhängung des Tiguan etwas stärker. In Summe schneidet er beim TÜV aber überdurchschnittlich gut ab.
Bild: Olaf Itrich
Hinzu kommen allerdings Probleme mit der Achsaufhängung: Sowohl zum ersten als auch zum zweiten TÜV-Termin liegen die Mängelquoten hier nur auf Durchschnittsniveau. Dafür erspart der Tiguan seinen Besitzern in den meisten Fällen lästige Probleme mit der Beleuchtung.
Ein überraschend positives Bild liefert der BMW X1 beim Blick auf seine Mängel-Ampel. Zwar liegen die Quoten beim Ölverlust zur ersten HU über dem Durchschnitt, doch beim zweiten TÜV-Termin haben sich die Werte bereits stabilisiert. Auch sonst sehen wir beim X1 zu den ersten beiden TÜV-Terminen vor allem Grün. Eine kleine Ausnahme: Probleme mit der Beleuchtung – überwiegend Tagfahrlicht oder Nebelscheinwerfer – nehmen nach vier bis fünf Jahren etwas zu.
BMW X1
Dieses Bild überrascht: Angesichts der hohen Durchfallquoten hätte man beim BMW X1 deutlich mehr Gelb und Rot erwartet. Doch beim X1 ist eine Sicherheitstechnik mit Ablaufdatum für die schlechte Quote verantwortlich – seine Substanz hingegen ist besonders solide.
Bild: Olaf Itrich
Die hohen Durchfallquoten nach vier bis fünf Jahren erklärt das jedoch gewiss nicht. Nein, beim X1 ist eine besondere Sicherheitstechnik verantwortlich für die häufigen erheblichen Mängel: Zum Schutz von Fußgängern kommen spezielle Dämpfer zum Einsatz, die im Falle eines Unfalls die Motorhaube in Sekundenbruchteilen anheben, um das Verletzungsrisiko zu minimieren. Diese Dämpfer müssen nach fünf Jahren getauscht werden – was häufig selbst in Werkstätten übersehen wird. Daher rührt der deutliche Anstieg der erheblichen Mängel zum zweiten HU-Termin.

Fazit

von AUTO BILD
Der BMX X1 sieht nur auf den ersten Blick wie der klare Verlierer aus. Doch es ist meist der vergessene Pflicht-Wechsel der aktiven Haubendämpfer, der ihm oft die zweite HU vermasselt. Davon abgesehen performt das bayerische Kompakt-SUV beim TÜV aber besser als der Mazda CX-5 und der VW Tiguan, weshalb unsere Reihenfolge so aussieht: X1 vor Tiguan und CX-5.