Manchmal starten Beziehungen ja etwas holprig. Oder gar nicht, wie bei unserem neuen Dauertester. Der Kreos H 5109, ein 4,5-Tonnen-Integrierter, hatte uns via Tieflader aus der Toskana erreicht. Und wollte nicht anspringen.
Laika hatte ihn rund um einen 180-PS-Ducato-Triebkopf am Rande des kleinen Städtchens San Casciano in Val di Pesa gebaut. Doch an der Heimatferne lag die Starthemmung natürlich nicht, sondern an einer tiefentladenen Batterie. Ein Pannendienst hauchte dem 7,89 Meter langen Laika wieder Leben ein. Am nächsten Tag das gleiche Spiel – Akku wieder leer, ein Booster war nötig. Nervig.
Laika hat sich für sein Flaggschiff Kreos einen besonderen Auftritt gewünscht – markant, italienisch und unverwechselbar. Das ist gelungen.
Bild: Christian Herb
Am Ende war eine abgerissene Schraube schuld, die das Massekabel am Chassis fixieren sollte. Dazu kamen lose Kabel an den beiden 95-Ah-Aufbaubatterien, was in Summe die Bordelektrik samt Ladelogik und Bus-System so gründlich in Verwirrung stürzte, dass der Laika noch vor seiner ersten Tour zu Profis musste. Es war der Laika-Händler GÜMA Caravan in Mannheim, der sich engagiert um das Auto kümmerte, alles korrekt anschloss und eine neue Starterbatterie einbaute.
Motorisierung 
Fiat MultiJet3 Euro 6d 
Hubraum 
2184 cm3 
Leistung 
132 kW (180 PS) bei 3500/min 
Drehmoment 
450 Nm bei 1400/min 
Höchstgeschwindigkeit 
100 km/h 
Getriebe 
Neunstufenautomatik 
Antrieb 
Vorderrad 
Anhängelast gebremst/ ungebremst 
2000/750 kg 
Länge/Breite/Höhe 
7890/2320/3003 mm 
Grundpreis 
178.202 Euro
Testwagenpreis 
196.082 Euro
Wie gesagt, es ging ein wenig holprig los. Das verwundert schon, denn Laika lässt qua Ruf und langer Zugehörigkeit zur Erwin Hymer Group durchaus Qualität erwarten. Nicht zuletzt legt das auch der Preis nahe: Mit angemessener Ausstattung kratzt unser Dauertester schließlich hart an der 200.000-Euro-Marke, ein Tarif, mit dem Laika sein Flaggschiff durchaus selbstbewusst oberhalb der Konkurrenz einpreist.

Das ist der Kreos H 5109

Der integrierte Kreos (es gibt ihn übrigens auch als Teilintegrierten) ist ein schickes Auto, keine Frage. Den Ducato-Triebkopf umspannt Laika mit einer markanten Frontmaske, die GFG Style entworfen hat, das Studio von Design-Legende Giorgetto Giugiaro und seinem Sohn Fabrizio. Die kleinen, technoiden Voll-LED-Scheinwerfer liefert Hella zu.
Laika fertigt den Aufbau aus Alu-XPS-Sandwichplatten, sehr dezent fällt das Dekor aus. Satt und solide fallen die Außenklappen in ihre Schlösser, auch die Garagen sind über Klappen zugänglich. Zum Öffnen fordern sie viel Raum.
Auch innen gibt sich der Kreos betont schick und italienisch.
Bild: Christian Herb
Nicht überzeugen können die beiden Türen. Sie klemmen in ihren Schlössern, ihre Bedienung erfordert Nachdruck. Bei einem Auto dieser Klasse, zudem mit nur 5300 Kilometern auf dem Zähler, eine unerwartete Erfahrung.
Beim Kreos setzt Laika auf einen klassischen Grundriss. Ein Raumbad ist in dieser Klasse selbstverständlich, die hohen Einzelbetten im Heck lassen sich über eine ausklappbare Stufe gut erreichen. Ebenso bequem liegt es sich im vorderen Hubbett, das Laika serienmäßig einbaut. Unauffällig schmiegt es sich per Motor unter das Dach. Davor, ebenfalls per Knopfdruck, surrt das Plissee an der riesigen Frontscheibe in Position – es dient dem Fahrer auch als Sonnenblende.
Elektrisch surrt das Hubbett in Position. Tellerfedern sichern den Komfort.
Bild: Christian Herb
Was auffällt im Kreos, ist sein stilvolles Ambiente und der Komfort. Erste Nächte zeigten eine formidable Heizung mit sehr angenehmer, gleichmäßig verteilter Wärme. Schick, jedoch klein fällt der runde Tisch aus – und für den Müll finden wir nirgendwo Platz. Dazu hakeln die Möbelschlösser, zwei haben sich schon zerlegt.

So fährt der Laika

Mit seinen 180 PS stürmt der Ducato agil los, sobald er die kleine Anfahrschwäche im Drehzahlkeller überwunden hat. Im Zwischenspurt zeigt er sich flott, die Automatik ist über alle Zweifel erhaben. Unser Ducato hat noch die alte Neunstufen-Box montiert, inzwischen liefert Fiat eine neue mit acht Stufen.
Der enorme hintere Überhang erfordert im Alltag viel Umsicht.
Bild: Christian Herb
Was jedoch irritiert, ist der subjektive Geräuschpegel: Trotz aufwendiger Dämmung sendet der 2,2-Liter-Ducato-Diesel vernehmlich sein Nageln ins Cockpit. Dazu scheppert der Rost im Ofen, das Fahrwerk trampelt – das spiegelt nicht die Finesse, die Laika im Kreos mit großem Selbstverständnis ausdrückt. Schmal wirkt zudem die vordere Spur, die den voluminösen Wagen etwas kippelig aussehen lässt, dafür jedoch überraschend handlich macht. Nur darf der Fahrer nie das weit ausschwenkende Heck vergessen.
Doch unser Blick geht nach vorne. Das Stromproblem ist behoben, der Laika hat seine ersten Touren nach Belgien, in die Niederlande und die Schweiz bereits absolviert. Wie sich der schicke Italiener im Reisealltag bewährt? Wir werden es berichten.

Fazit

Unterwegs zieht der große Laika viele Blicke an, die Reaktionen sind positiv. Der Kreos transportiert italienischen Schick und Lebenskunst, Stil und Luxus. Doch es gibt einiges, das wir uns in der Praxis noch genauer ansehen müssen. Nicht alles fügt sich bislang so harmonisch, wie es aussieht, oder hält dem hohen Anspruch Laikas stand.