Stars und schönen Menschen muss es ähnlich gehen. Kaum sind sie auf den Straßen unterwegs, fallen Blicke auf sie. Bewundernde und anerkennende, aber auch neidische und begehrliche. Dem Kreos geht es ähnlich: Er lässt wenige kalt. Sein Auftritt ist nicht laut, aber doch eindrucksvoll.
Das liegt nicht allein an seiner stattlichen Größe. Besonders attraktiv wirkt seine futuristisch gestaltete Front mit den technoiden, kleinen LED-Elementen, die als Scheinwerfer fungieren. Der Grill selbst ist pure Dynamik. Sogar stehend auf dem Campingplatz wirkt der große Kreos immer irgendwie in Bewegung.

Laika Kreos H5109: Chassis lässt zu wünschen übrig

Am Steuer stellt sich das tatsächliche Fahren allerdings etwas nüchterner dar. Das liegt weniger daran, dass Laika trotz eines Testwagenpreises von nur einer Handbreit unter 200.000 Euro zwar eine Radiovorbereitung, doch keinen Naviceiver liefert. Mittlerweile haben wir einen nachgerüstet – und werden darüber berichten.
Laika Kreos H5109
Skifahren in erster Reihe: Der Laika parkt vor der Talstation in Engelberg.
Bild: AUTO BILD REISEMOBIL
Das größte Manko am Kreos ist ausgerechnet sein Chassis. Oder, um es präziser zu fassen, die wenig gelungene Integration des Fiat Ducato in das anspruchsvolle Konzept des Aufbaus. Die Wahl der 180-PS-Version, in unserem Fall noch kombiniert mit der inzwischen nicht mehr verfügbaren Neunstufenautomatik, ist dabei nicht das Problem. An Leistung und Antriebswillen mangelt es dem Kreos damit nicht.
Es geht eher um die Frage des Wie. Dass zunächst in einem Fahrzeug dieser Klasse das schmale Ducato-Armaturenbrett überrascht – geschenkt. Was jedoch störend auffällt, ist die mangelnde Harmonie des Pakets. Es passt nicht zusammen.
So wirkt die vordere Spur des Ducato-Chassis zu schmal, nicht nur optisch. Es fühlt sich auch so an, als säße der stattliche Kreos auf einem viel zu kleinen Stuhl, sein Handling überzeugt nicht. Dabei fehlen nicht nur Zentimeter in der Spurbreite, sondern auch Kubikzentimeter im Motor: Einem 4,5-Tonner wie dem Kreos stünde etwas mehr ehrliches Drehmoment aus Hubraum gut zu Gesicht.
Laika Kreos H5109
Etwas Licht am Boden, dezente, matte Oberflächen und Rundungen prägen die Innenarchitektur des Kreos.
Bild: Christian Herb
Besonders akustisch quält der Motor. Laika sagt, sie hätten das Cockpit aufwendig gedämmt, und den Versuch mag man glauben. Doch gut gelungen ist es nicht: Der Fiat-Vierzylinder lässt an seiner Anstrengung jeden teilhaben – und dieser Arbeitslärm passt nicht zum Ambiente, das Laika im Kreos gezaubert hat.
Denn es wohnt und lebt sich famos in dem großen Vollintegrierten. Die matten blauen Oberflächen harmonieren mit dem dunklen Holzton, die Mischung aus Creme und Rot bei den Polstern ergänzt das stimmige Bild. Gelungen ist auch das Beleuchtungskonzept: Wer abends in gemütlicher Runde am (allerdings ziemlich kleinen) runden Tisch sitzt, freut sich über eine angenehme, sehr durchdachte Illumination.

Autarke Nächte sind problemlos machbar

Das zeigte sich auch bei einer Tour in die Schweiz. Ein Skitag in Engelberg war der Plan, und zur Übernachtung musste, weil die Zeit knapp war, ein Autobahnparkplatz genügen. Hier bewährte sich das Konzept des Kreos perfekt: Mit üppigen 200 Liter Frischwasser, seiner 240-Watt-Solaranlage und zwei 95-Ah-Akkus sind autarke Nächte problemlos machbar.
In der kalten Jahreszeit punktete besonders das durchdachte und angenehm temperierende Heizungssystem des Kreos. Das Klima sollte auch im Sommer passen. Im Cockpit arbeitet die Fiat-Klimaautomatik, während im Stand die 3455 Euro teure Truma-Klimaanlage übernimmt, die Laika tief unter der Sitzbank im Doppelboden einbaut.
Laika Kreos H5109
Für die Sommersaison erhält der Laika wieder seine originalen Michelin-Reifen.
Bild: AUTO BILD REISEMOBIL
Sie kann kühlen und heizen, benötigt dafür jedoch einen Anschluss an 230-Volt-Landstrom. Ein Test bei heißen Nächten steht noch aus, doch auch hier lässt sich einiges erwarten: Laika hat der Verteilung der Luftkanäle große Aufmerksamkeit gewidmet, wie Ausströmgitter direkt unter dem Dach zeigen.
Ob Skier oder Fahrräder, die große Kreos-Garage im Heck schluckt viel. Nicht in jeder Lebenslage praktisch sind jedoch die riesigen Klappen, die seitlich viel Platz zum Schwenken beanspruchen. Dafür lässt sich sogar eine ausgewachsene Vespa laden und perfekt an den vorhandenen Zurrösen befestigen. Bis zu 250 Kilogramm Zuladung erlaubt Laika an Transportgut.
Laika Kreos H5109
In Brüssel trifft der Laika auf das 1958 gebaute Atomium.
Bild: AUTO BILD REISEMOBIL
Das klingt großartig, aber trotz (oder wegen) der Größe des Kreos darf das Gesamtgewicht von 4,5 Tonnen nicht aus den Augen geraten: Die nominell erlaubten rund 500 Kilogramm sind zu viert schnell erreicht, wenn Sportgerät und adäquates Gepäck mit an Bord kommen sollen. Platz genug gibt es für vier.
Das Raumbad, das nach vorn wie hinten abtrennbar ist, überzeugt mit seiner Wellnessdusche und Ambiente, auch wenn der Kreos zwischenzeitlich seinen Duschknopf abwarf und die schicken schwarzen Armaturen bereits unter Kalkflecken leiden. Auch die Schlösser der Schrankauszüge hatten sich bereits ausgerissen – beide, was ein konstruktives Problem vermuten lässt.

Scheinwerferlicht reicht nicht weit

Es gab noch weitere kleine Ärgernisse, die einem Fahrzeug mit diesem Preisschild nicht gut zu Gesicht stehen. Die Nabendeckel mit dem Laika-Logo sind ein Beispiel: Drei von vier sind mittlerweile weggeflogen. Obwohl unser Fahrzeug aus der Vorserie stammt, erklärt es das alles nicht.
Laika Kreos H5109
Praktisch sind diese Halterungen für Smartphones.
Bild: Photoproduction Hanselmann Bernd Hanselmann
So brachte der Kreos nicht nur viel Positives mit, sondern warf auch manche Frage auf, zum Beispiel während eines Städtetrips nach Brüssel und Amsterdam. Auf den langen Nachtfahrten irritierte die harte, nahe Grenze des Lichtkegels aus den schicken LED-Scheinwerfern. Das Licht ist hell, reicht jedoch nicht sehr weit.
Auch zwei banale Punkte an Bord blieben ungeklärt. So finden sich weder Garderobenhaken für Jacken, noch ist Platz für einen Mülleimer. Das ist nichts, was die Welt in ihrem Lauf aufhielte, aber zwei Details, die unterwegs Bedeutung haben. Vor allem in einem Reisemobil dieser Klasse, in dem doch so erkennbar viel Liebe zum Detail steckt.
Dauertest-Kilometerstand: 11.379 Kilometer