Extrem teure Reifen: Lamborghini LM002 Shooting Brake
Die Reifen dieses Lamborghini Einzelstücks kosten ein Vermögen

Günstig ist am Lamborghini LM002 gar nichts. Allein die Reifen des kantigen Geländewagens kosten mehr als ein neuer VW Golf GTI. Dieser LM002 ist zudem ein Einzelstück, das für den Sultan von Brunei gebaut wurde!
Bild: youtube.com/Shmee150
Er ist der Urvater aller heutigen Performance-SUV: der Lamborghini LM002. Die Grundidee eines Lamborghini fürs Gelände führt zurück bis ins Jahr 1977. Der Plan war ein geländefähiges Modell für das Militär zu entwickeln, ein erster Prototyp hörte auf den Namen Cheetah. Das Projekt wurde jedoch gestoppt.
Die Italiener verloren die Ausschreibung des US-Militärs und begruben das Projekt Geländewagen – zumindest vorerst. Unter neuer Führung kam bereits 1980 wieder Bewegung in die Sache und schon 1981 entstand mit dem LM001 ein erster Prototyp für den zivilen Einsatzzweck. Daraus ging der LM002 hervor, der mit dem aus dem Countach entliehenen V12 so etwas wie der Urvater des Urus ist.
Dank des 5,2-Liter-V12-Saugers mit 455 PS schaffte der kantige und knapp drei Tonnen schwere LM002 bis zu 223 km/h – ein irrwitziger Wert für einen Geländewagen in den 1980er-Jahren.
Vom LM002 wurden nur 301 Stück gebaut
Bis 1993 entstanden exakt 301 Exemplare des völlig verrückten LM002, deren Besitzer wohlbetucht sein mussten. Zusätzlich zum einstigen Neupreis von 220.000 DM mussten LM002-Fahrer mit einem Verbrauch jenseits von 40 Litern auf 100 Kilometern kalkulieren. Gut, dass der Offroader einen gigantischen Tank hat. Wie groß das Volumen tatsächlich ist, soll wohl variieren. Die Angaben schwanken zwischen 169 und 290 Litern.

2009 stand der einzigartige Lamborghini LM002 Shooting Brake noch in Deutschland zum Verkauf. Damaliger Preis: 118.500 Euro. Dieser dürfte sich heute vervielfacht haben.
Bild: Aleksander Perkovic
Doch was, wenn einem selbst dieses Offraod-Urgestein mit Hochdrehzahl-V12 noch zu gewöhnlich ist? Mit dieser Frage sah sich der Sultan von Brunei konfrontiert. Hassan al Bolkiah, so sein bürgerlicher Name, ist ein Autoliebhaber, dessen beispiellose Sammlung zu Hochzeiten aus 3000 bis 7000 Autos und Motorrädern bestanden haben soll und die zu den bestgehüteten Geheimnissen in der Auto-Szene zählt.
In den 80er- und 90er-Jahren ließ sich der Sultan unzählige Autos verschiedener Hersteller nach seinen Wünschen maßanfertigen. Darunter auch ein ganz besonderer Lamborghini LM002 Shooting Brake, der jetzt wieder aufgetaucht ist und eine faszinierende Geschichte erzählt.
Das Einzelstück ist in Schweden
Youtuber Shmee150 war beim schwedischen Luxusautohändler "Motikon", wo neben zahlreichen automobilen Schätzen aus allen Epochen auch ebenjener Lamborghini LM002 Shooting Brake, oder zu deutsch Kombi, zu bewundern ist.
Bei dem silbernen Ungetüm handelt es sich um ein Einzelstück, das von Lamborghini abgesegnet und von der Firma Diamante gebaut wurde. Die Besonderheit dabei ist, dass der LM002 keine offene Ladefläche mehr besitzt, sondern einen komplett geschlossenen Aufbau besitzt. Einen Kofferraum gibt es nicht, stattdessen bietet der LM002 Platz für zehn Personen.

Bereits für "normale" LM002 werden heutzutage bis zu 500.000 Euro aufgerufen. Das Einzelstück dürfte noch deutlicher wertvoller sein.
Bild: Aleksander Perkovic
Streng genommen wurden drei LM002 zum Shooting Brake umgebaut, aber nur dieses eine Exemplar wurde offiziell von Lamborghini genehmigt. Durch den neuen Aufbau soll der Geländewagen nicht nur länger, sondern auch über 500 Kilo schwerer sein, womit er ein zulässiges Gesamtgewicht von mehr 3,5 Tonnen haben dürfte.
Bis zu zehn Sitzplätze
Das liegt im Übrigen nicht nur an dem Aufbau, sondern auch an der luxuriösen Ausstattung. Neben drei Sitzbänken und zwei Einzelsitzen für die Fondpassagiere hat der LM002 auch einen Röhrenfernseher an Bord – absoluter Luxus in den 80er-Jahren.
Lange behielt der Sultan seinen Spezialumbau allerdings nicht. Mit nur rund 1800 Kilometern wurde der Lamborghini an seinen zweiten Besitzer, keinen geringengeren als den ehemaligen BMW-, VW- und Scania-Chef Bernd Pischetsrieder verkauft, der den LM002 sogar mit einer deutschen Zulassung versah, in der auch das angehobene zulässige Gesamtgewicht eingetragen sein soll.
Doch die Geschichte wird noch verrückter, denn Pischetsrieder verkaufte den Rambo-Lambo nach Schweden, wo er angeblich von der dritten Besitzerin dazu genutzt wurde, die Kinder zur Schule zu bringen.
Filip Larsson, der Gründer von Motikon, hat den ganz besonderen LM002 viele Jahre verfolgt, bevor er ihn vor einigen Jahren endlich kaufen konnte. Anschließend blieb der LM002 allerdings erstmal unter Verschluss, ehe sich Larsson Anfang des Jahres dazu entschied den Verbleib des kantigen Geländewagens publik zu machen und ihm einen neuen Glanz zu verleihen.
Die Reifen kosten mehr als ein Golf GTI
Der silberne Offroader soll optisch und technisch auf Vordermann gebracht werden, jedoch ohne den originalen Charme zu verlieren. So ist die schwarze Lederausstattung trotz des Alters in einem überraschend guten Zustand und soll nur behutsam aufgearbeitet werden.

Um diesen Reifen geht es: Angeblich wird weltweit nur ein Satz zum exorbitanten Preis von 50.000 Euro angeboten.
Bild: Aleksander Perkovic
Andere Teile, wie beispielsweise die Reifen, müssen getauscht werden. Der Preis ist allerdings absurd. Wie Filip erklärt, sind die enormen 345er Pirelli Scorpion Zero Reifen in 17-Zoll nicht mehr lieferbar. Weltweit sei aktuell nur ein Satz dieser Reifen erhältlich und der solle unglaubliche 50.000 Euro kosten. Viel Verhandlungsspielraum gäbe es da nicht, merkt Filip noch an.
Update: In der Zwischenzeit hat sich Pirelli zu Wort gemeldet und erklärt, dass die erwähnten 50.000 Euro etwas hochgegriffen seien. Die Reifen sind erst im vergangenen Jahr im Rahmen der "Pirelli Collezione" neu aufgelegt worden und normal bestellbar. Wie hoch der Preis aber tatsächlich ist, wird auch hier nicht verraten.
Zwar sind die Preise des LM002 in den vergangenen Jahren stark angezogen, unter 300.000 Euro geht gar nichts mehr, doch 50.000 Euro für einen Satz Reifen ist einfach nur absurd. Dennoch wird es das Team von Motikon vermutlich nicht davon abhalten den einzigartigen LM002 wieder in den Bestzustand zu versetzen. Schließlich handelt es sich hier um ein Stück Automobilgeschichte und den Urvater aller heutigen Performance-SUV.
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