Lancia Thesis im Youngtimer-Check
Die Kraft einer ganzen Kultur: Lancia Thesis 2.4 JTD

An einem selbstbewussten Slogan fehlte es dem Lancia Thesis ebenso wenig wie an einem unverwechselbaren Design. Er verkaufte sich dennoch nur mäßig.
Bild: Thomas Ruddies / AUTO BILD
Die Kraft einer ganzen Kultur – mit diesem Slogan versuchte Lancia, sein Design-Experiment Thesis von 2002 bis 2009 zu vermarkten. Das ging komplett schief: In Deutschland entschieden sich während der gesamten Bauzeit lediglich 1630 Käufer für den Edel-Italiener. Zum Vergleich: In einem guten Monat verkauft Mercedes doppelt so viele E-Klassen.
An der luxuriösen Innenausstattung mit weichem Nappaleder, wertvollem Magnesium-Pressguss und feinen Mahagoni-Leisten hat es sicher nicht gelegen, dass der Thesis floppte. Eher am hauchdünnen Händlernetz, und, noch wahrscheinlicher, an der mutlosen, konservativ orientierten Kundschaft, der das extrovertierte Design des großen Lancia nicht ins Schema passte.

Schöner wohnen: klassische Instrumente, edle Materialien. Der Thesis verwöhnt seine Passagiere.
Bild: Thomas Ruddies / AUTO BILD
Heute ist das Angebot gebrauchter Luxus-Lancia sehr dünn: Für ein gut erhaltenes Exemplar sollte man unabhängig von der Motorisierung mindestens 5000 Euro für die Anschaffung einplanen. Bei den beiden V6-Benzinern gilt Folgendes: Der Tausch der Zahnriemen sollte entgegen der Hersteller-Empfehlung bereits nach 60.000 Kilometern erfolgen. Beim Fünfzylinder-Benziner 2.4 20 V muss zum Zahnriementausch der Motor ausgebaut werden. Deswegen sind die wartungsfreundlicheren, sparsameren Fünfzylinder-Diesel die wohl beste Wahl im Charakter-Typ Thesis.

Der Fünfzylinder läuft etwas rau, klingt dennoch angenehm "rauchig". Alle fünf Jahre oder 120.000 km muss beim Diesel der Zahnriemen gewechselt werden.
Bild: Thomas Ruddies / AUTO BILD
Leider ist Rost ein Thema beim Thesis. Der Gammel beginnt zuerst an Motorhaube (seitliche Blechfalze), Kofferraumdeckel (Kennzeicheneinfassung) und an der C-Säule (Lackabplatzer im Einstieg) zu nagen. Auch am Unterboden gammelt es an Kanten und der Bodenplatte.
Das vom japanischen Getriebehersteller Aisin zugelieferte Fünfstufen-Automatikgetriebe sorgt fast immer für Ärger: Aisin hat keine Getriebeölwechsel vorgeschrieben, die aber alle 50.000 km nötig sind. Ansonsten bildet sich Schwarzschlamm im Getriebe, der Ölkanäle und Ventile verstopft, was zu Schaltruckeln führt. Eine Spülung des Getriebes und regelmäßige ATF-Ölwechsel sorgen für Abhilfe. Anfällig: die elektrisch betätigten Tür- und Kofferraumdeckelentriegelungen.
Fazit
Angesichts der hohen Kosten für ordnungsgemäße Wartung und der Optionen möglicher Mängel sind vier von fünf zu vergebenen Sternen wohlwollend. Als letztem großen Lancia kommt dem extravagant und elegant gezeichneten Thesis jedoch eine historische Rolle zu, die ihn zu einem ganz besonderen, erhaltenswerten Automobil macht.
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