Bei der Namensfindung ihrer Modelle gehen Autohersteller zuweilen überraschende Wege: Alle Welt erwartete den Nachfolger für den erfolgreichen Freelander 2 als Freelander 3. Doch die Briten entschieden sich für Discovery Sport. Das hat zwar den Nachteil, dass die Namensähnlichkeit zum größeren und technisch ganz anders gestrickten Discovery bei Uneingeweihten für Verwirrung sorgt. Aber Land Rover wollte vermutlich durch die namentliche Nähe zum großen Discovery höhere Preise für den Freelander-Nachfolger durchsetzen. Das hat offensichtlich funktioniert, denn der Preisaufschlag gegenüber dem Freelander beträgt rund 5000 Euro. Die Rechnung für den Namenswechsel bezahlen letztlich die Besitzer eines Freelander. Denn es gilt nun einmal als ungeschriebenes Gesetz auf dem Gebrauchtwagenmarkt, dass ein Modell dann besonders schnell an Wert verliert, wenn beim Modellwechsel gleichzeitig auch der Modellname stirbt. Ausnahme: Liebhaberfahrzeuge wie der Land Rover Defender.

Viel Automatisierung steigerte die Qualität

Land Rover Freelander 2
Zuverlässig: Zahlreiche Freelander haben die 250.000-Kilometer-Marke bereits geknackt – fast immer mit erstem Motor und Getriebe.
Die Wertverlustentwicklung beim Freelander 2 zeigt allerdings schonungslos, dass er den Status als Liebhaberauto für sich nicht reklamieren kann. Darüber freuen sich wiederum die Gebrauchtkäufer. Und die können sich zudem über die Solidität des Freelander 2 freuen, der den früher eher zweifelhaften Ruf englischer Autos drastisch verbessert hat. Ford als damaliger Besitzer der Marke Land Rover (2000 bis 2008) hat viel in die Entwicklung und Produktion investiert: Umsiedlung der Produktion in das hoch automatisierte Werk Halewood bei Liverpool, Einkauf von bewährten Aggregaten bei Ford/Peugeot (Dieselmotor), Volvo (Benzinmotor), Getrag (Schaltgetriebe) und Aisin (Automatikgetriebe). Das Ergebnis: Einen derart regenwasserdichten und öldichten Land Rover gab es bis dahin noch nie – relativ gesehen, versteht sich. Schwerwiegende mechanische Schäden sind sehr selten beim Freelander 2. Zahlreiche Exemplare haben die 250.000-Kilometer-Marke bereits hinter sich – fast immer mit erstem Motor und Getriebe. Der geschmeidig laufende und turbolose 3.2-Sechszylinder-Benziner von Volvo gilt da als besonders problemarm, ist aber selten zu finden. Aber auch der 2.2-Turbodiesel läuft richtig lang. Allerdings gibt es ab Kilometerstand 150.000 einige Turbolader- und Anlasserdefekte (jeweils acht Prozent).Größer (23 Prozent) ist aber die Wahrscheinlichkeit, dass der Dieselrußfilter und seine Regeltechnik für Verdruss sorgen. Defekte Differenzdrucksensoren und zugesetzte Filter tauchen als gefürchtete Warnmeldungen am kleinen Bildschirm zwischen den Instrumenten auf. Je nach Häufigkeit von Kaltstarts und Kurzstreckenbetrieb unter 15 Kilometern Fahrtstrecke können sich diese Probleme häufen. Das betrifft insbesondere die Diesel vor der großen Modellpflege im August 2010. Generell erweist sich überdies die Kraftstoffanlage des Diesel-Freelander als nicht besonders winterfest und ist deshalb auf überdurchschnittlich kältefesten Dieselkraftstoff angewiesen.
Überblick: Alles zum Land Rover Freelander

215 mm Bodenfreiheit sind viel in dieser Klasse

Land Rover Freelander 2
Dank übersichtlicher Karosserieform ist die City kein Problem, der Freelander ist aber auch überdurchschnittlich geländetauglich.
Viel Lob erhält der Freelander 2 von seinen Besitzern wegen seiner konstruktiven Eigenschaften. Sein Federungskomfort sucht in dieser Fahrzeugklasse seinesgleichen. Der wirksame Allradantrieb samt feinfühlig abgestimmter Schlupfregelung als Achssperrenersatz sowie die überdurchschnittliche Bodenfreiheit von 215 mm machen ihn überdurchschnittlich geländetauglich, obwohl er konstruktiv nicht anders gestrickt ist als seine deutschen Konkurrenten VW Tiguan oder Ford Kuga, denen er zudem die angenehm übersichtliche Karosserieform voraushat. Freelander-Nachteil: maximal zwei Tonnen Anhängelast. Überwiegend zufrieden sind die Freelander-Besitzer mit den Vertragswerkstätten. 82 Prozent loben deren Arbeitsleistung, aber nicht deren Preise. Als Rechnungsbetrag für eine große Inspektion geben die Leser durchschnittlich 610 Euro an.Weil Markentreue unter Land-Rover-Besitzern immer noch großgeschrieben wird, wollen viele beim nächsten Autokauf auf den Freelander-Nachfolger umschwenken: 58 Prozent liebäugeln also mit dem Discovery Sport – ein heutzutage überdurchschnittlicher Wert. Dazu kommen weitere 13 Prozent, die auf größere Modelle der englischen Allrad-Marke umsteigen wollen. Es gibt aber auch 15 Prozent, die fest entschlossen sind, der Marke Land Rover den Rücken zu kehren. Wenn man genau nachsieht, sind das in der Regel Diesel-Freelander-Besitzer mit viel Ärger beim Rußfilter. Auch daran sieht man, wie wichtig es für einen Hersteller ist, in zuverlässige Technik zu investieren. Immerhin kann Land Rover noch versuchen, die 14 Prozent Unentschlossenen wiederzugewinnen.

Bildergalerie

Land Rover Freelander 2: Gebrauchtwagentest
Land Rover Freelander 2: Gebrauchtwagentest
Land Rover Freelander 2: Gebrauchtwagentest
Kamera
Land Rover Freelander 2: Gebrauchtwagentest

Fazit

von

Martin Braun
Der britische Freelander war immer der besondere Allradler im Feld der deutsch-asiatischen Konkurrenz: viel Komfort, viel Geländetauglichkeit. Und er hält. Nur die Diesel vor August 2010 sollte man besser meiden.

Von

Martin Braun