Kommt ein Russe gerollt: Wenn sich ein Moskauer Veredler einen Briten schnappt, resultiert daraus ein Larte Evoque SD4. Wir testen das Auto, das mehr sein will als nur ein laues Lüftchen.
Ben Arnold
Der Erfolg des Range Rover Evoque lässt sich allein an der Anzahl der ihn beackernden Tuner ablesen: In England sind Kahn Design und Merdad im Thema, in Deutschland widmen sich Startech, Loder1899 und Hamann dem Briten. Jetzt kommt ein weiterer Veredler hinzu, der sich gute Geschäfte mit dem Charaktertypen verspricht: Larte. Das Kunstwort steht für kunstvolles Tuning – direkt aus Moskau. Die russische Manufaktur ist spezialisiert auf Bodykits für Autos, die den schlechten Straßen Russlands Paroli bieten: schwere Infiniti-Geländewagen – und eben den Evoque. In Kombination mit einem Radsatz von Giacuzzo (deutscher Larte-Importeur) und einer Leistungssteigerung von Wetterauer ergibt sich ein Paket, das sich sehen lassen kann.
Ein Eingriff ins Steuergerät bringt 220 anstelle der serienmäßigen 190 PS.
Bild: Lena Barthelmess
Karosserie/Qualität Mit den Larte-Spoilern fällt man auf – ins Peinliche gleitet der Auftritt jedoch nicht ab. Sogar der extravagante Dreirohr-Auspuff im Ferrari-458-Stil fügt sich harmonisch in das aufgeplusterte Wesen des Range ein. Die Anbauteile aus Verbundkunststoff sind selbst auf den dritten Blick sorgfältig verarbeitet und passgenau montiert. Fahrfreude/Antrieb Hinreichend flott kommt man mit dem Evoque jederzeit voran. Wie zu erwarten war, kann der Dieselmotor jedoch nicht ganz die Erwartungen erfüllen, die das brachiale Äußere weckt – der Antrieb ist und bleibt ein Schwachpunkt des Evoque: Obwohl sich Wetterauer alle Mühe gibt, den Motor zu mehr Engagement zu bewegen – ein Eingriff ins Steuergerät bringt 220 anstelle 190 PS.
Das schicke Cockpit ist auch ohne Tuning recht ansehnlich.
Bild: Lena Barthelmess
Fahrleistungen 8,9 Sekunden bis 100 km/h scheinen in Anbetracht einer Werksangabe von 8,5 Sekunden eher Rück- denn Fortschritt zu sein. Wir wollen es genau wissen – und lassen unseren Testwagen von Wetterauer auf die Serienleistung zurückrüsten: Tatsächlich benötigt das Auto nun 10,6 Sekunden bis 100 km/h. Wir bleiben ratlos zurück: Ist es denkbar, dass das Auto ab Werk eine derartige Luftpumpe ist? Fahrwerk/Komfort Die großen Räder und die breiten Backen lassen weder Fahrbarkeit noch Komfort eskalieren. Tatsächlich liegt der Evoque beruhigend satt auf der Straße.
Die Hufeisen im Wappen sollen Glück bringen und Zuverlässigkeit symbolisiere.
Bild: Lena Barthelmess
Der Grip ist stellenweise sogar zu gut: Bei Vollbremsungen verbeißt sich der Vorderwagen so vehement in den Asphalt, dass das Hinterteil unverhofft nach oben hopst – andere getestete Tuning-Evoque wiesen im Test bereits dieselben Symptome auf. Preis/Kosten Es überrascht wenig, dass das komplexe und gut verarbeitete Bodykit mit 8450 Euro ordentlich Geld kostet. Das dürfte jedoch kaum ein deutscher Kunde zu zahlen bereit sein, solange kein deutsches TÜV-Gutachten vorliegt. Dieses soll im Laufe des Jahres 2014 zu haben sein.
Fazit
von
Ben Arnold
Das sympathische und erfrischend gestylte Tuningauto schlägt sich im Test wacker. Und kann in Sachen Materialgüte, Verarbeitung und Showeffekt auf Anhieb punkten. Die Leistungssteigerung ist effektiv, tut sich mit der müden Basis aber schwer. In Sachen TÜV und Bremsbalance bleibt Raum für Optimierungen.