Las Vegas: Verstappen watscht Formel 1 ab
Verstappen kritisiert Mega-Show: "Wie ein Clown"

Die Formel 1 fährt an diesem Wochenende in Las Vegas – Max Verstappen fühlt sich dabei nicht wohl.
Bild: F1 / X
- Ralf Bach
So haben sich die Formel-1-Macher das nicht vorgestellt: falsches Wetter, falsche Zeiten, zu hohe Ticketpreise – der im Vorfeld als glamourösestes Rennen aller Zeiten angepriesene GP in Las Vegas am Wochenende droht zum Flop zu werden.
Um ein Desaster zu verhindern, haben die Macher die Eintrittspreise kurz vor Toresschluss kurzfristig halbiert. Von 2000 Dollar auf 1000. Für Fahrer wie den Australier Daniel Ricciardo ist das immer noch zu viel. "Es ist immer noch ein Rennen für Reiche. Man müsste bei den Preisen einen Weg finden, dass auch normale Leute sich ein Ticket leisten können."
Allein: Ricciardo war nicht der einzige "Asphaltcowboy", der nicht brav mit den Händen an der Hosennaht das wichtigste Rennen für den amerikanischen Vermarkter Liberty Media in den Himmel lobt. Ausgerechnet der Niederländer Max Verstappen, der Superstar der Vollgasszene, spricht vermutlich aus, was die meisten Kollegen denken. "Daran habe ich null Interesse. Wegen mir kann man das alles weglassen."
Der Dominator der Saison, der schon längst wieder als erneuter Weltmeister feststeht, fand besonders die Eröffnungszeremonie, bei der die Formel-1-Piloten den Amerikanern präsentiert wurden wie Wrestler beim Showcatchen, unangebracht. Verstappen: "Man steht nur da und sieht aus wie ein Clown."
Selbst der sportliche Ernst wird in Frage gestellt. Grund sind die Temperaturen, die beim Nachtrennen in der Wüste Nevadas im November weit unter zehn Grad Celsius sinken können. "So wird es eine Reifenlotterie," sagt Red-Bull-Motorsportberater Helmut Marko bei AUTO BILD voraus. Grund: Die Pirelli-Einheitsreifen werden auf dem 6,201 km langen hergerichteten Stadtkurs mit elf Links- und sechs Rechtskurven kaum auf Betriebstemperatur kommen – Rutschen und Dreher sind vorprogrammiert.

Die Formel 1 fährt an diesem Wochenende in Las Vegas – Max Verstappen fühlt sich dabei nicht wohl.
Bild: F1 / X
Passend zur Spielerstadt Las Vegas, in der auch Unterprivilegierte schon seit Jahrzehnten hoffen, mal zu den Gewinnern zählen zu können, könnten die außergewöhnlichen Umstände auch in der Königsklasse des Motorsports die längst etablierten Loser plötzlich zu Winnern machen. Marko: "Normalerweise ist es das Ziel, ein Auto zu bauen, das die Reifen lange am Leben hält. Autos, die das nicht können, könnten in Las Vegas von dieser Schwäche plötzlich ungewollt profitieren."
Marko meint damit im Besonderen das Haas-Team des Deutschen Nico Hülkenberg. Deren Auto gilt als schlechtestes der Formel 1, weil es unter anderem schon nach wenigen Runden keine funktionierenden Gummis mehr hat. Marko: "Bei diesen kalten Temperaturen hat ein Reifenfresser aber den Vorteil, dass er die Pirellis am schnellsten ins Arbeitsfenster bekommt. Besonders im Qualifying wird das diesmal ein großer Vorteil sein."
Für Ex-Formel-1-Boss Bernie Ecclestone (93) dagegen entlarvt das Rennen in Vegas die wahren Gründe der amerikanischen Vermarkter. Es geht nur darum, den schwierigen US-amerikanischen Markt endgültig zu erobern. Koste es, was es wolle. Mehrere hundert Millionen Dollar, unter anderem in die Boxenanlage, soll Liberty im Vorfeld für ihre "persönliche Mondlandung“ investiert haben.
"Ich hoffe, dass es ein Erfolg wird, aber ich bin mir nicht sicher, ob es von Dauer sein wird", so Ecclestone. "Ich denke, das letzte, worüber sie (Liberty Media; d. Red.) sich Gedanken machen, ist das Rennen selbst."
Ecclestone selbst hatte damals als Verantwortlicher schon einmal versucht, die Formel 1 dauerhaft in Las Vegas zu positionieren. Doch es blieb nur bei einem zweijährigen Gastspiel. "Ich wollte damals sicherstellen, dass jeder, der den Fernseher einschaltet, weiß, dass er in Vegas und nicht in der Wüste", erklärt er. "Ich wollte auf dem Strip fahren, und nicht auf einem Parkplatz. Doch sie wollten das damals nicht. Deshalb haben wir es dann gelassen."
Das ist jetzt anders. Las Vegas stellt den berühmten Boulevard zur Verfügung und bekommt im Gegenzug das Versprechen von mehr als einer Milliarde Dollar an Einnahmen, die die Königsklasse in die Stadt spülen will. Überhaupt spielt Geld eine große Rolle beim Großen Preis von Las Vegas und ist auch der Grund, warum man jetzt mitten in der Nacht und trotz Gegenwind u.a. der Anwohner durch die Stadt der Sünde rast – und eben nicht mehr in Deutschland.
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