Le Mans: Steigt Porsche aus?
„Müssen wissen, ob wir das noch wollen!“

Der Ausstieg von Porsche aus der Langstrecken-WM ist ein realistisches Szenario geworden. Porsche-Teamchef Fritz Enzinger erklärt die Hintergründe.
Bild: Picture-Alliance
- Michael Zeitler
Hunderttausende Fans sind schon am Quali-Donnerstag und am rennfreien Freitag vor Ort. Keine Frage: Das 24-Stunden-Rennen von Le Mans ist noch immer ein großes Highlight des Rennsports. Die rund 1000 PS starken Prototypen von Porsche und Toyota begeistern die Zuschauer. Trotzdem steckt die LMP1-Kategorie in der Krise. Mit nur noch zwei Herstellern ist der WM-Status in Gefahr, als potenzieller Einsteiger ist nur Peugeot interessiert. Die Zukunft der LMP1 wackelt.
Mit dem heute vom Le-Mans-Veranstalter ACO präsentierten neuen Reglement sollen sowohl Porsche, Toyota als auch Peugeot gelockt werden. Eine Entscheidung, ob Peugeot zurück nach Le Mans kommt, steht aber noch aus. Laut-Porsche-Angaben spart das neue Reglement rund zehn Prozent der Kosten. Reicht das, um Peugeot zu ködern? Porsche-LMP1-Teamchef Fritz Enzinger dazu auf Nachfrage von AUTO BILD MOTORSPORT: „Wir erwarten jetzt eine schnelle Entscheidung von Peugeot. Schon kurz nach Le Mans.“

Soll heißen: Selbst, wenn Peugeot kommt, ist ein Verbleib von Porsche nicht garantiert. Heißt auch: Kommt Peugeot nicht, könnte die LMP1-Klasse erst Recht vor dem Aus stehen. Wie AUTO BILD MOTORSPORT in der heute erscheinenden Ausgabe berichtet, ist Porsche an einem Einstieg in die Formel E interessiert. Enzinger unterstreicht das Interesse: „Momentan sind die technischen Freiheiten noch nicht so groß, wie das von Porsche gewünscht wird. Aber die Formel E hat viele Pläne für die Jahre bis 2025 und da wird die Technik stückweise freigegeben. Das schauen wir uns an. Prinzipiell ist die Formel E aber auf jeden Fall interessant.“
Ein Hintertürchen für den Verbleib von Porsche in der LMP1 könnten Kundenprogramme sein. Das amerikanische Penske-Team will seit Jahren mit einem Kundenwagen nach Le Mans. Bisher zeigten ihm aber sowohl Porsche als auch Audi die kalte Schulter. Das könnte sich ändern: „Das darf jedenfalls kein Tabu mehr sein“, erklärt Enzinger. „Wir müssen uns halt anschauen, wie viel Werkssupport für die komplexen Rennwagen noch nötig wäre.“
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