Leistungsstarke Autos und junge Fahrer – eine gefährliche Kombination
Wenn der Führerschein zum Waffenschein wird

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Das hat mich stark berührt. Nur wenige Hundert Meter von unserer Redaktion entfernt passierte Anfang Juli in der Hamburger Innenstadt ein tragischer Unfall. Ein 18-jähriger Fahrer verlor die Kontrolle über einen Mercedes-AMG GLE 63 S und krachte in die Sparkassenfiliale am Jungfernstieg. Dabei wurde das Fahrzeug gegen einen Transporter geschleudert, der einen 39-jährigen Familienvater erfasste. Er verstarb wenig später im Krankenhaus.
Immer wieder sind es junge Männer, die in Unfälle mit hochmotorisierten und teuren Autos verwickelt sind. Fakt ist, junge Männer unter 25 Jahren sind überproportional häufig in schwere Verkehrsunfälle verwickelt. Laut dem Statistischen Bundesamt waren 2022 etwa 18 Prozent aller Unfallbeteiligten mit Personenschaden in Deutschland Fahrer dieser Altersgruppe – obwohl sie nur etwa acht Prozent der Bevölkerung ausmachen. Risikofreudigkeit, mangelnde Fahrpraxis und unterschätzte Gefahren spielen eine Rolle. Besonders besorgniserregend ist, dass viele dieser Unfälle mit PS-starken Fahrzeugen passieren, die oft die Fähigkeiten der Fahrer überfordern.
Neues Modell gleich mehr Leistung
Das Problem ist nicht neu. Auch vor zwanzig Jahren führten riskante Fahrten in meiner Heimat Ost-westfalen zu tragischen Schicksalen, sichtbar an den vielen Kreuzen entlang der Landstraßen. Damals hatten die Autos im Schnitt deutlich weniger PS. Was sich geändert hat, ist die extreme Leistung und Verfügbarkeit dieser Fahrzeuge. Moderne Autos bieten Fahrdynamik, die früher teuren Sportwagen vorbehalten war. Der PS-Wahn wird heute durch E-Autos mit über 2000 PS auf die Spitze getrieben. Viele von Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, weisen uns regelmäßig mit Besorgnis auf diesen Trend hin: neues Modell gleich mehr Leistung. Gleichzeitig erleichtern Leasing und Finanzierung sowie Autovermietungen den Zugang zu solchen Autos, was das Unfallrisiko für junge Fahrer erhöht.
Auch der gesellschaftliche Druck, sich vor Gleichaltrigen zu beweisen, hat durch die sozialen Medien zugenommen. Die Kombination aus jugendlichem Überschwang, leichtem Zugang zu PS-starken Fahrzeugen und digitaler Selbstinszenierung ist gefährlich und führt immer häufiger zu tragischen Unfällen.
Hochmotorisierte Autos genießen und auch in jungen Jahren fahren, das ist nicht das Problem. Aber es muss mit Verantwortung geschehen. Mein Fahrlehrer in der Bundeswehr sagte es drastisch, aber treffend: Ein Führerschein ist auch ein Waffenschein.
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